Das ist wieder die gute alte Doppelmoral, die man aus der Schublade holt, wenn sie einem gerade in den Kram passt: Wenn man irgendwas zu kritisieren hat, dann sollen die Spieler auf einmal Pflichten erfüllen, weil sie "verdammt viel Geld verdienen". Wenn sie aber ansonsten durchblicken lassen, dass Fußball in erster Linie ein Job ist, der Verein ein Arbeitgebener und dass man Dinge als Profi wegen des Geldes tut, dann werden sie dafür von den Fans als Söldner beschimpft.
Spieler mit dem Argument in die Kurve zu zwingen, es sei ihre Pflicht und sie verdienen viel Geld, ist ungefähr dasselbe wie sich 'ne Nutte zu kaufen: "Mir doch egal ob die mich mag, ich bezahle schließlich dafür!".
Anders gedacht: Welchen Wert hat ein netter Gruß, wenn mich in der Stadt JEDER auf einmal nett grüßen würde? Welchen Wert hätte ein Kuss, wenn mich plötzlich JEDER Arbeitskollege küsst? Keinen großen, oder? Gesten erhalten ihren Wert nicht dadurch, dass sie verordnet werden oder dass man sie mechanisch abspult, sondern durch Spontaneität und dadurch, dass sie impulsiv kommen. Meine Meinung.
Ich würde mich über Spieler in der Kurve nicht freuen, wenn ich genau wüßte, dass sie das tun, weil "sich das halt so gehört" und nicht, weil sie gerade das Gespür haben, dass es heute mal besonders angebracht ist, zu den Fans zu gehen.