Die Hütte war gesten voll, trotz des späten Freitag-Abend-Spiels, trotz Platz 18, trotz des eigentlich recht unattraktiven Gegners Köln. Dazu ein Bierchen und die Hoffnung, daß nun auch mal die anderen dran wären Aufbauhilfe zu leisten. Zugegeben, die erste Halbzeit hat mir, wie in allen Spielen dieser Saison recht gut gefallen. Eine Ecke nach der anderen und ein paar Chancen waren ja auch da. Leider beschlich mich so nach 30 Minuten das Gefühl, daß sich die verpassten Chancen rächen würden. Hatte ich nach den ersten Spielen stets den Eindruck, daß Teamgeist und Kampf es schon richten würden, so war das gestern Abend anders. Die Mannschaft spielte, als hätte da jemand den Schalter umgelegt. Kein Biss, keine Körperspannung. Stattdessen Fehlpässe und gute Ansätze verpufften, weil der andere nicht mitdachte. Da wurde auf einen Ball gewartet, statt ihm entgegen zu laufen. Werder fehlt es meines Erachtens an allem: Stürmer, die sich den Ball notfalls auch mal holen; Offensivkräfte, die den Ball dorthin flanken, wo der Stürmer wartet; einen Verteiler im Mittelfeld, der die nötige Übersicht hat; eine Abwehr. Petersen ist nicht mehr der, der er in den vergangenen 2 Saisons war und Selke ist noch nicht soweit. Makiadi im Mittelfeld absolut farblos. Die Abwehr ist mir insgesamt zu langsam, die kommen beim Konter gar nicht hinterher, da braucht der Gegner noch nicht mal voll aufdrehen. Leider hat auch Garcia nachgelassen; wo ist der temperamentvolle bissige Aufräumer geblieben? Ich gehöre wahrlich nicht zu denen, die die eigene Mannschaft beschimpfen oder zehn Minuten vor Abpfiff das Stadion verlassen. Bislang war ich nach jedem Heimspiel heiser. Gestern ertappte ich mich jedoch dabei, daß ich mit verschränkten Armen auf meinem Platz saß und kopfschüttelnd zur Uhr sah, ohne Hoffnung, daß sich noch was positives auf dem Spielfeld tun könnte.
Und dennoch bin ich mit dem Herzen Werder-Fan.
Und dennoch hoffe ich auf eine Wende und einen Verbleib in der 1. Liga.