Schade. Ich hatte im Herzen gehofft, dass ich mit meiner Einschätzung falsch liege, dass die Mannschaft nach dem Pokalspiel körperlich erschöpft sein würde. Aber genau so war es. Ja, man hat gegen Dortmund gewonnen. Weil Dortmund eine andere Spielanlage hat, mehr technisch, nicht so kämpferisch. Die versuchen, über spielerische Fertigkeiten zu gewinnen - nicht über den Kampf wie Paderborn, Mainz, Union, Düsseldorf, Köln - halt alle Mannschaften, die nicht das Budget für technisch versierte und vor allem überproportional talentierte Spieler haben.
Hat man gegen Dortmund noch (auch hier) aus einer etwas passiveren Spielweise einige Konter (das Tor von Rashica war eine super Einzelleistung, aber eben nicht durch großartige Kombination herausgespielt) laufen können, ist und wird es gegen tiefstehende Mannschaften ungleich schwieriger.
Und seien wir mal ehrlich: Dortmund wird zwar als Mitfavorit auf den Meistertitel genannt - aber die haben, im Gegensatz zu Bayern, auch schon ziemlich schwache Partien abgeliefert (und zum Teil nur mit Glück gewonnen). Somit ist also auch dieser Sieg in ein gewisses Verhältnis zu setzen.
Da die Werder-Offensive sich generell ohnehin schwer tut, Torgefahr auszustrahlen oder gefährliche Situationen zu kreieren, wird es in Spielen gegen defensiv eingestellte Mannschaften ungleich schwieriger. Selbst Top-Mannschaften haben hier massive Probleme und oft genug werden derartige Partien zur Geduldsprobe, die auch nicht immer belohnt wird.
Ich glaube auch, dass FK den Großteil seines (von diversen Fans offensichtlich weit überschätzten) Kaders mit seinen "Spielideen und Taktiken" massiv überfordert. Ich glaube ebenfalls, dass, so schwer es auch fällt, und da kann ich den Frust der Fans absolut verstehen, die Mannschaft zumindest das Vertrauen der Fans benötigt, um diese verkrampfte Haltung (nur keinen Fehler machen, nur keinen Fehlpass spielen, nur nicht schon wieder verlieren) aus dem Kopf zu bekommen und um überhaupt noch erfolgreichen Fußball spielen zu können. Meiner Meinung nach ist ein Mental-Coach mehr denn je gefordert, die Unsicherheiten in den Köpfen zu beseitigen, um eine halbwegs passable Leistung vom Körper abrufen zu können.
Einen Trainerwechsel zum jetzigen Zeitpunkt halte ich für kontraproduktiv, würde dieser doch zuviel Unruhe in die Mannschaft und letztlich nicht mehr soviel bringen - dafür ist die Saison zu weit fortgeschritten. Somit ist der Zeitpunkt für massive Veränderungen/Umbrüche schon lange verpasst worden.
Ach, und noch etwas zum nun hochgelobten Spieler Kruse. Ja, er hat die Mannschaft durch sein Spiel erfolgreich gemacht. Aber der Erfolg lag nicht ausschließlich an ihm. Es war die gesamte Mannschaftsleistung (und die anderen schwächelnden Mannschaften der "Mitbewerber"), die am Ende einen 8. Tabellenplatz als Ergebnis herauskommen (und manche "Phantasten" von der EL träumen) ließen. Aber die meisten von uns wissen, dass Leistungssport auch äußerst stark "formabhängig" ist. Auch ein Erling Haaland trifft nicht nach Belieben. Tagesform kann entscheidend sein. Und wie oft haben wir gesehen, dass Spieler in einer Saison auf einem Top-Niveau spielen - und in der nächsten Saison annähernd "untergehen". Also ist in keiner Weise gesagt, dass Kruse erneut eine derart gute und erfolgreiche Saison gespielt hätte.