Puuh, auch wenn ich es fast befürchtete, hätte ich nicht gedacht, daß man diesen Sieg so dermaßen euphoriegeschwängert und verzerrt einordnen wird.
Ich erinnerte mich gestern zeitweise an einen Film, in dem es um einen Wettkampf zweier Karate-Kämpfer ging, bei dem der eine im Vorfeld in beeindruckender Weise Steine mit der Hand zertrümmerte, worauf sein Kontrahent süffisant entgegnete: "Das war gut - aber ein Stein schlägt niemals zurück"
In abgeschwächter Form traf das gestern auch teilweise auf Inter zu und man merkte deutlich, mit welcher Einstellung sie in dieses Spiel gingen. Da sie tags zuvor am abend lieber gemütlich über den Bremer Weihnachtsmarkt schlenderten und auf das Abschlußtraining verzichteten, ließ solch einen Auftritt schon erahnen.
Nichts desto trotz, gefiel mir unsere Auftritt gestern ebenfalls sehr gut. Und zwar besonders unsere LAufbereitschaft und der generelle Einsatz. Auch hatte man das Gefühl, daß dort wieder eine Truppe auf dem platz steht, die sich gegenseitig unterstützt und an einem Strang zog. Das gefiel durchaus. Es ist nur so, daß bei mir dann unweigerlich ein Auge weint, während das andere lacht.
Denn es zeigt letztlich, daß man in den Wochen zuvor nicht hätte so oftmals kläglich untergehen müssen, wenn man gewisse Grundtugenden bereits dort verinnerlicht hätte und sich auf jene nicht erst wieder besinnt, wenn es um die goldene Ananas geht! Das ist sehr ärgerlich.
Gestern kann man im Grunde jedem eine absolut ordentliche Leistung attestieren. Keiner fiel ab, jeder gab sein Bestes. Besonders ein D. Schmidt setzte ein löbliches Ausrufezeichen und zeigte, daß er eine ernstzunehmende Alternative im Kader sein kann.
Ob man dafür nun allerdings Fritz ins MF versetzen muß, der mir dort eher weniger gefiel, ist eine andere Frage.
Der reine Unterhaltungswert war gestern sicherlich hoch, keine Frage. Das machte Spaß und war ein kurzweiliger Abend. Auch gab es viele Dinge zu sehen, die zumindest zeigten, daß es auch anders gehen kann, als in den BL-Spielen zuletzt.
Nur sollte man die Wertigkeit dieses Spiels mMn nicht falsch einordnen. Insbesondere in Anbetracht der Arbeitseinstellung des gestrigen Gegners.
Die Frage wird sein, was, bzw. ob uns dieser Sieg etwas bringen wird, für die kommenden Aufgaben. Wenn man für die restlichen beiden Partien den Schwung und die Einstellung von gestern mitnehmen würde, wäre ich sehr zufrieden. Falls nicht, wäre es letztlich ein Muster ohne Wert, sollten wir wieder in alte Lethargie verfallen.
Schau´n wir mal...