Hach, wie schön muß das Leben als Werder-Gegner sein. Da muß man nur gemütlich ins Weserstadion reisen, die Räume geschickt zu machen, diszipliniert auf Ballverluste von Werder warten (die bei Leuten wie Affolter gefühlt im Minutentakt vorkommen) und dann blitzschnell umschalten. Das kann heutzutage wirklich jede Mannschaft, sogar der FC Buxtehude, oder eben der 1. FC Nürnberg. Eine Woche nach dem Coup von Hamburg hing Schaaf seinen Heldentaten aus der Hansestadt anscheinend noch nach und vergaß in diesem Freudentaumel offensichtlich, dass an diesem Wochenende ein komplett anderer Gegner auf dem Programm stand. Werder spielte in der ersten Halbzeit zwar mit hohem Tempo, das ging aber leider völlig auf Kosten der Genauigkeit, wodurch man sich ohne Ende Balltverluste leistete, was den"Glubberern" natürlich intensivst in die Karten spielte. In der zweiten Halbzeit wurde Werder dann zwar deutlich ballsicherer und auch zielstrebiger, spielte aber einmal mehr zu monoton durch die Mitte, wodurch man sich an der dichtgestaffelten Nürnberger Deckung immer wieder festlief und nach wie vor Ballverluste in der Vorwärtsbewegung hatte, was dazu führte, dass man nicht nur viel Kraft ließ, sondern auch immer wieder ungeordnet stand, wodurch schließlich auch der entscheidende Gegentreffer fiel. Kämpferisch kann man unserer Mannschaft keinen Vorwurf machen, taktisch war das leider einmal mehr nahe am Offenbarungseid. Es bleibt das alte Lied: Schaaf lernt es einfach nicht. Eigentlich kann man da mittlerweile nur noch drüber lachen. Weder aus dem Gruselauftritt gegen Hoffenheim, noch aus dem starken Spiel in Hamburg hat er die richtigen Lehren ziehen können. Das ist einfach nur schade. So ist der Sieg in Hamburg zwar ein schönes Erlebnis gewesen, hat aber, da gestern nicht durch einen Pflichtheimsieg vergoldet, nicht den erhofften Effekt erzielt - weder im Bezug auf die Tabelle, noch was das Thema Lerneffekt betrifft. Bitter, dass diese riesige Chance, die sich durch den Sieg beim Erzrivalen ergeben hatte, so leichtfertig vertan wurde - und dann auch mal wieder auf so eine stupide Art und Weise. Werder 2011/12 ist keine Spitzenmannschaft. Das dürfte seit gestern auch der kühnste Optimist begriffen haben. Ob es wenigstens eine Mannschaft mitten in der Entwicklung ist, darf nach gestern einmal mehr zumindest bezweifelt werden.
Den nackten Zahlen nach ist die aktuelle Situation als ziemlich trist zu bezeichnen und auch sonst gibt es eine ganze Menge Baustellen, die immer noch nicht geschlossen werden konnten. Auf Platz 5 ist man in die Winterpause gegangen, mit nur vier Punkten Rückstand auf Platz 4 und immerhin sechs Punkten Vorsprung auf Platz 7. Mittlerweile ist man nur noch Sechster, von den sechs Punkten Vorsprung sind nur noch zwei übrig, man könnte heute sogar aus den internationalen Plätzen verdrängt werden. Die CL-Plätze sieht man nur noch mit dem Fernglas (acht Punkte Rückstand und Schalke spielt heute noch), die Heimstärke ist wie weggeblasen (nur 2 Punkte aus drei Spielen), in der HR holte man aus den ersten sechs Spielen 13 Punkte, in der RR nur noch 7. Die Zeit in der WP, ein anderes System als die Raute einspielen zu können, wurde wieder einmal vertrödelt. Mit Naldo und Hunt sind zwei Leistungsträger dauerverletzt, Neuzugänge wie Ignjovski, Schmitz und Ekici wurden im Winter nicht besser in die Mannschaft integriert - im Gegenteil! Die Winterneuzugänge Affolter und Juzunovic brauchen noch Zeit, genau wie die Jungspunde Trybull, Füllkrug und Hartherz. Ein zweiter Topstürmer neben Pizza fehlt nach wie vor, Rosenberg fehlt es anscheinend am Selbstvertrauen, Arnautovic, wie gestern zu sehen, immer noch an der Einstellung, die für einen Profifußballer einfach Pflicht sein muß. Verträge mit Leistungsträgern wie Wiese, Fritz und Pizarro wurden immer noch nicht verlängert. Quo vadis, Werder?