Es gibt eigentlich nicht mehr viel zu Schreiben, da bereits alles in der einen oder anderen Form gesagt wurde. Alle halbwegs namhaften Spieler werden den Verein verlassen. Ob man für den einen oder anderen noch etwas Geld bekommt, lasse ich mal dahingestellt. Auf jeden Fall wird Werder in der 2. Liga mit einem von Grund auf völlig neuen Kader antreten (müssen). Das sind bereits wieder schwierige Voraussetzungen. Andere aus der 1. Liga abgestiegene Mannschaften behielten wenigstens den Kern der Mannschaft und mussten nicht wieder ganz neu aufbauen. Und die Drittligisten, die in die 2. Liga aufsteigen, behalten in der Regel fast den kompletten Kader - sind somit also bestens eingespielt.
Für Werder wird sich dieser Neu-Anfang so gestalten, als ob man eine Retorten-Mannschaft aus vielen "hinzugekauften" Spielern zu bilden versucht. Das hat diese Saison unter Kohfeldt schon mal überhaupt nicht funktioniert. Ein Durchreichen in Liga 3 ist nicht ganz unwahrscheinlich.
Bezüglich des Managements stellt Werder ein Paradebeispiel für "Vereinsklüngel" dar. Erfolgreiche Vereine holen sich wirkliche Fachleute. Manager, die etwas vom Fach verstehen (nämlich einen Verein erfolgsorientiert auszurichten und profitabel zu organisieren). Dabei ist es absolut unerheblich, ob man früher mal selber Fußball gespielt hat.
Bei Werder erhält offensichtlich jeder Zweite, der sich mal irgendwann, irgendwie in seiner aktiven Phase um Werder verdient gemacht hat, sein "Pöstchen". Alles Duz-Kumpel, bei denen die professionelle Distanz absolut fehlt und somit die emotionale Verbundenheit im Vordergrund steht. Wer kündigt schon einem "guten Freund" den Job, setzt er doch damit auch die private Beziehung auf's Spiel. Nur weil ein ehemals durchschnittlicher Fußballer ein paar Kurse in Wirtschafts-Management belegt hat, kann er noch lange keinen Verein führen. Und nur weil ein Trainer, der aus der Not geboren, aus der 3. Liga geholt wird und sich tatsächlich mit etwas Glück und einigen wenigen wirklich guten Spielern in der 1. Liga gehalten hat, bedeutet das noch lange nicht, dass dieser Trainer aufgrund seiner "Jugend" DIE Option für die Zukunft ist.
Es reihen sich scharenweise die Fehlentscheidungen aneinander - und nun bekommen der Verein und vor allem die Fans (die ich ob ihrer enormen Geduld und ihres fast nie versiegenden Optimismus insgeheim bewundere) die logischen Konsequenzen zu spüren. Das ist schmerzhaft, ob der Passivität frustrierend - und letztlich wirtschaftlich ein Desaster.
Werder bildet nun leider ein weiteres Beispiel für das "Herunterwirtschaften" eines Unternehmens (denn nichts weiter ist ein Profi-Verein). Und dabei kann man den Protagonisten noch nicht einmal "böse Absicht" unterstellen, sondern muss statieren, dass sie es einfach nicht besser können.
Das Management nicht, der Trainer nicht - und der Großteil der Spieler ebenso nicht.
Das Einzige, was möglicherweise erstliga-tauglich ist, sind das Stadion und die Fans (wobei sich auch hier zu lange in Geduld und eigenem gutem Zureden geübt wurde).