Werder stößt an seine Grenzen. Es fehlt an Qualität und Alternativen in allen Mannschaftsteilen. Egentlich sind wir nur in der Innenverteidigung ausreichend besetzt, vergleichsweise eigentlich gar überbesetzt. Die Kaderplanung war unter den finanziellen Umständen zwar nachvollziehbar, angesichts der abzusehenden Defizite in der Offensive aber dennoch nicht zufriedenstellend.
Die Mannschaft geht auf dem Zahnfleisch, die ohnehin wenigen Leistungsträger laufen ihrer Bestform meilenweit hinterher. Die Youngster geben ihr Bestes, stoßen aber an ihre natürlichen Grenzen. Insbesondere im offensiven Mittelfeld kann der Ausfall des in letzter Zeit selbst schwächelnden Bartels`in keiner Weise kompensiert werden.
Solange wir Außenseiter waren, konnten wir positiv überraschen, konnten gegen anrennende Gegner schnell kontern, einige Spiele dadurch und durch viel Glück gewinnen. Einen Gegner spielerich zu dominieren, gelang schon damals genauso wenig wie derzeit. Das Glück scheint derzeit ebenso aufgebraucht zu sein, wie die letzte Konsequenz, die insbesondere durch die Abstigesangst damals jeden Spieler angetrieben hat. Es gelang darüber hinaus damals, einen positiven "Lauf" zu nutzen, getragen von wachsendem Selbstvertrauen der Akteure und aufkommender Euphorie im Umfeld. Inzwischen ist diese Euphorie, wie man hier im Forum gut beobachten konnte/kann, vielfach in eine übersteigerte Erwartungshaltung umgeschlagen, die die Beine der Spieler zu lähmen, insbesondere aber die mentalen Kräfte zu blockieren scheint.
Dass Werder derzeit überhaupt an die EL-Tür klopft, liegt an der nicht zu erwartenden Schwäche der eigentlich dafür ambitionierten Teams. Solange die Chance vorhanden ist, sollte man sie auf jeden Fall verfolgen. Der Egalisierung eines Zwei-Tore-Rückstandes auswärts ist ein eineutiges Zeichen, dass die Moral der Mannschaft intakt ist. Die Äußerungen Junuzovics zur Analyse des Spiels und zur Erwartungshaltung im UMfeld ("Die Fans dürfen träumen, wir müssen immer dran denken wo wir herkommen") sind klug und lassen erahnen, dass Spieler und Verantwortliche die Situation Werders in dieser Saison richtig einzuschätzen wissen.