Generell versteh ich ja den Gedanken, erst so um die 70 Minute rum zu wechseln. Aber wenn man sich halt anschaut, wie das Spiel wieder läuft, dann muss ich da als Trainer doch irgendwie entgegenwirken und nicht einfach nur das Prinzip Hoffnung fahren, dass wir schon nicht noch einen weiteren Gegentreffer bekommen. Ein neuer Spieler sorgt evtl. auch beim Gegner für Anpassungen und stört vielleicht den Spielfluss. Je nachdem welche Wechsel man vornimmt, kann man auch der eigenen Mannschaft signalisieren, dass wir nicht nur passiv sein wollen, dass wir die Entscheidung herbeiführen wollen. Oder einfach etwas mehr Unbekümmertheit, einfach nochmal jemanden, der anrennt, einfach jemanden, der mal dazwischen geht.... einfach mal agieren, statt reagieren. Was versuchen und nicht einfach nur abwarten.
Aber nein, man wartet, bis der Gegner wechselt und der Ausgleich fällt und dann ists halt auch irgendwann zu spät. Letztes Jahr hätte man Europa erreichen können. Dieses Jahr auch. Beide Male hat man wieder versagt aber beim nächsten Mal dann wirds ganz bestimmt klappen, weil der Weihnachtsmann hat das dem Osterhasen versprochen.
Nicht falsch verstehen, ich mag Ole und finde gut, dass er unser Trainer ist (und bleibt). Aber generell eiert der Verein seit Jahrzehnten rum. Kein Ehrgeiz für nichts, Hauptsache keine Voll-Katastrophe. Wir gucken immer eher, was einem Schlimmes passieren könnte statt zu schauen, was man Tolles erreichen könnte. Hauptsache nicht absteigen. Und dennoch haben wir den Abstieg erfolgreich eingetütet. Europa aber halt nicht. Und Heidenheim und Co bekommen es hin. Und trotzdem ist ein Großteil der Werder-Verantwortlichen und Fans der Meinung, dass ja alle ganz dufte Leistungen bringen, die besten Männer am Werk sind und man sowieso eher überperfomt und mehr mit der Mannschaft nicht drin ist. Ich dachte schon so einfach wie letzte Saison wirds nicht nochmal nach Europa zu kommen. Jetzt ist es diese Saison noch einfacher - man muss sich ja nur die zweite Tabellenhälfte anschauen, was für Mannschaften da rumeiern. Nächste Saison kommen HSV und Köln dazu, das wird dann schon was anderes als Bochum, Kiel, Heidenheim oder St. Pauli.
Mir fehlt der unbedingte Wille, was zu erreichen. Und das muss von den Verantwortlichen vorgelebt werden und dann halt auch Konsequenzen nach sich ziehen. Aber lieber lassen wir Clemens hier noch ein paar Jahre rumwerkeln, weil er die Haare schön hat, die Werder-DNA kennt und wir nicht irgendwelche Leute von außen wollen, die sagen könnten, was wir hier nicht richtig machen. Werder macht ja schließlich alles schon tipptoppi. Auf die nächsten 20 Jahre Mittelmäßigkeit und "Überperformance". Denn mehr ist ja schließlich nicht drin. Alles dufte