Den meisten Spielern geht es darum, in den 15 Jahren ihrer Profifußballer-Laufbahn so viel Geld wie möglich zu verdienen. Aber war das früher so viel anders? Ich glaube nicht. Anders als früher gibt es heute aber viele Finanzinvestoren, die in Fußballvereine investieren, Spielerberater, die ebenfalls mitverdienen wollen und das Bosman-Urteil, das es den Spielern erlaubt, nach Ablauf des Vertrages ablösefrei zu wechseln und ein hohes Handgeld zu kassieren. Diese Faktoren haben die "Söldner-Mentalität" noch mal verstärkt bzw. es den Spielern und Beratern erleichtert, bei einem Wechsel abzukassieren.
Es gibt jedoch heute wie früher Ausnahmen, also Spieler, die einem Verein treu bleiben, obwohl sie woanders wesentlich mehr verdienen könnten. Frank Baumann hat bessere Angebote ausgeschlagen, als er noch Nationalspieler war. Torsten Frings hätte bei einem Verbleib in München oder bei einem Wechsel zu Juventus Turin viele Millionen mehr verdienen können. Thomas Schaaf ist seit 36 Jahren bei ein und demselben Verein, auch Klaus Allofs hat sich trotz wirtschaftlich lukrativeren Angeboten klar zu Werder Bremen bekannt.
Die Gründe für dieses Verhalten können im privaten Bereich liegen. Oder der Spieler erhofft sich bessere Entwicklungsmöglichkeiten. Gerade für jüngere Spieler ist Werder Bremen ein idealer Verein und Thomas Schaaf ein idealer "Ausbilder". Manchmal fühlt sich der Spieler bei einem Verein auch so wohl, dass er ein wirtschaftlich lukrativeres Angebot ausschlägt, aber das kommt wirklich selten vor.
Im Grunde genommen sind das die gleichen Erwägungen, die auch ein normaler Arbeitnehmer anstellt. "Otto Normalverbraucher" denkt auch zuerst ans Geld. Karrieremöglichkeiten, privates Umfeld und der Wohlfühlfaktor spielen für ihn auch eine Rolle, werden aber häufig hinten angestellt, wenn die Angebote finanziell sehr weit auseinanderliegen. Nun kann man die Einstellung vertreten, manche Spieler verdienen so viel Geld, dass es für sie nicht vordergründig sein darf, ob sie woanders noch eine Million mehr rausschlagen können. Aber so tickt der Mensch nicht. Wer viel Geld hat, will noch mehr Geld haben. Schaut euch nur an, wie wenig Spieler von Schalke und Wolfsburg dort ihren Wohnsitz haben.
Man muss einfach akzeptieren, dass die Spieler nicht eine so emotionale Bindung zum Verein haben wie der Fan. Ich erwarte nicht, dass Diego hier seine Karriere beendet. Ich würde das auch nicht von anderen Spielern erwarten.
Was ich aber von einigen erwarte, ist ein bisschen Dankbarkeit gegenüber den Verein. Diese Dankbarkeit habe ich bei dem ein oder anderen vermisst. Werder hat Klose zu einem Zeitpunkt geholt, als er in der Nationalmannschaftshierarchie hinter Fredi Bobic stand und in der Öffentlichkeit ein sehr schlechtes Standing hatte. Thomas Schaaf hat ihn wieder aufgebaut, doch Worte oder Zeichen der Dankbarkeit hab es von ihm nie. Fabian Ernst, der beim HSV auf der Tribüne saß, wurde hier zum Nationalspieler. Dann verhandelt er monatelang mit Werder um einen besseren Vertrag, um schließlich festzustellen, dass er einen "Luftwechsel" benötigt. Das hätte er auch wissen können, bevor er in die Vertragsverhandlungen mit Werder einsteigt.
Bei Spielern wie Mertesacker, Diego oder Naldo habe ich dagegen das Gefühl, dass sie Werder dankbar dafür sind, ihnen so gute Entwicklungsmöglichkeiten gegeben zu haben. Diese Dankbarkeit zeigt sich in Interviews, aber auch in den vorzeitigen Vertragsverlängerungen. Letztere bedeuten ja nicht, dass sie hier bis in alle Ewigkeit spielen werden. Aber wenn sie in zwei oder drei Jahren wechseln, wird der Verein wenigstens in Form hoher Ablösesummen entschädigt. Üppige Gehaltserhöhung hin oder her: Diego und Co. hätten den Vertrag auch auslaufen und dann ablösefrei 10 oder 15 Millionen Euro Handgeld abkassieren können. Dass sie diese Variante nicht gewählt haben, ist auch ein Zeichen der Dankbarkeit.