laola1.at hat Prödl anscheinend auch noch interviewt nach dem 5:2
21.09.2008, 20:57 Uhr
"Ich kann nur lernen, auch auf der Ersatzbank!"
Normalerweise analysiert Sebastian Prödl seine und auch die Leistung seiner Mannschaft nüchtern, abgeklärt, trocken. Aber das war dem Steirer doch etwas zuviel, dieser 5:2-Erfolg von Werder Bremen bei Bayern München.
Die Bremer demütigten den Meister vor 69.000 Fans in der Allianz-Arena, sorgten nach 14 ungeschlagenen Spielen für ein Ende der FCB-Serie im eigenen Stadion.
Im großen LAOLA1-Interview spricht Sebastian Prödl über die Gründe für den Kantersieg, das Überraschungs-Ei von Trainer Thomas Schaaf, seine Rolle in der Mannschaft und warum auch die Ersatzbank etwas Gutes hat.
LAOLA1: Wie fühlt sich ein 5:2-Auswärtssieg beim FC Bayern München an?
Sebastian Prödl: Es ist ein unglaublich schönes Gefühl, einfach sensationell.. Es ist uns alles gelungen, was wir uns vorgenommen haben. Wir haben versucht, auf unsere Stärken zu achten, haben die auch perfekt umgesetzt. Deshalb geht der Sieg in dieser Höhe auch voll in Ordnung.
LAOLA1: War gegen den FCB auch die Wut im Bauch vom 0:0 gegen Famagusta dabei?
Prödl: Es war ein komplett anderes Spiel. Famagusta ist zu Zehnt fast am eigenen Sechzehner gestanden. Die Bayern haben versucht Fußball zu spielen, wir wollten Fußball spielen, das sind ganz andere Voraussetzungen. Wir hatten die Räume, die wir brauchen, damit wir unser Spiel spielen, kombinieren können. Für die Fans war es sicher ein sehr, sehr schönes Spiel.
LAOLA1: Und plötzlich ist Werder Bremen Titelkandidat Nummer eins?
Prödl: Wir müssen am Boden bleiben, uns auf die nächsten Aufgaben konzentrieren. Der Start in die Saison ist uns nicht so geglückt, wie wir uns das vorgestellt haben. Aber der Sieg gibt sicher viel Selbstvertrauen für die nächsten Partien.
LAOLA1: Wann hast du erfahren, dass du rechts in der Viererkette zum Einsatz kommen wirst?
Prödl: Am Vormittag vor dem Spiel, der Trainer hat es mir beim Spaziergang gesagt. Ich habe mich sofort mit der Aufgabe beschäftigt, und habe sie – glaube ich – auch sehr gut bewältigt. Deshalb überwiegt die Freude, auch wenn wir die zwei Gegentore natürlich analysieren müssen.
LAOLA1: Wie groß war die Überraschung, dass du auf dieser Position zum Einsatz kommen wirst?
Prödl: Überrascht war ich schon, aber es war kein Problem. Ich habe bei der EURO rechts in der Dreierkette gespielt, das war also kein komplettes Neuland für mich. Und Per Mertesacker neben mir war eine große Hilfe, er hat mich perfekt gecoacht.
LAOLA1: Dein Ziel war es, von Spielern wie Mertesacker und Naldo zu lernen.
Prödl: Richtig. Sie haben große Erfahrung, haben schon viele wichtige Spiele hinter sich. Sie haben Champions League gespielt, stehen Woche für Woche in der Bundesliga ihren Mann, Per ist auch im Nationalteam eine wichtige Stütze. Das sind erfahrene Leute, auch wenn sie noch jung sind. Von denen kann ich lernen, und ich will dort hin, wo die beiden schon sind.
LAOLA1: Martin Harnik hat bei Werder auch schon rechts in der Viererkette gespielt.
Prödl: Wenn der Trainer andere Stärken bei mir sieht, mich woanders braucht, erfülle ich die Aufgabe natürlich. Das ist bei Martin genau dasselbe. Aber ich sehe mich schon als Innenverteidiger, das ist meine Position. Und ich werde mich nicht damit zufrieden geben, die Nummer 3 zu sein.
LAOLA1: Wie hast du dich bei Werder und in Bremen eingelebt?
Prödl: Ich wollte eine neue Herausforderung annehmen, deshalb der Wechsel zu Werder Bremen. Die Mannschaft hat mich sehr gut aufgenommen, was es mir sicher leichter macht, in Ruhe an mir zu arbeiten. Das Umfeld im Verein ist sehr gut, und auch die Stadt ist schön. Ich bin sehr zufrieden!
LAOLA1: Martin Harnik hat uns verraten, dass du innerhalb der Mannschaft schon sehr wichtig bist.
Prödl: Es gibt bei uns keine Rangordnung. Wir sind ein Team, ein sehr junges Team, zu dem alle gehören. Auch die, die nicht im Kader sind, die auf der Bank sitzen. Das wird bei mir auch öfter der Fall sein, aber es gibt sicher schlechtere Plätze als die Bank von Werder Bremen.
LAOLA1: Werder-Manager Klaus Allofs hat gemeint, dass er überrascht ist, dass du jetzt schon so viele Spiele hast?
Prödl: Wenn alle fit gewesen wären, hätte ich vielleicht noch kein Spiel. Ich bin gekommen, um mich hier durchzusetzen, um Einsätze zu sammeln und zu lernen. Daran ändert sich nichts, auch nicht nach einem 5:2 gegen Bayern München. Die Bank ist auch eine Erfahrung für mich, dann weiß ich, dass ich mich mehr beweisen muss. Für meine Karriere ist es sicher ein wichtiger Bestandteil.
LAOLA1: Wir danken für das Gespräch.
Das Interview führte Stephan Schwabl
Quelle: LAOLA1.at
Ich hoffe ja, er bekommt im Pokal direkt nochmal die Chance zu zeigen, dass er seine Verpflichtung wert war :applaus: