So, dann will ich als alter Harzburger (das liegt im Landkreis Goslar) auch mal meinen Senf dazugeben.
Zur Stadt Goslar muss man wissen, dass diese quasi Pleite ist. Im Frühjahr/Sommer stand da sogar mal im Raum, das die Stadt deswegen unter Finanzaufsicht des Landes Niedersachsen gestellt wird. Dann kam der plötzliche Erfolg des GSC, welcher maßgeblich auf das finanzielle Engagement von Hauptsponsor/Mäzen Folkert Bruns zurückzuführen war. Mit seinen Investiton, durch die zum Teil Spieler aus dem Raum Bremen/Oldenburg zum damals in der Bezirksoberliga spielenden GSC gelotst wurden, wurde innerhalb von 2 Jahren der Durchmarsch in die Regionalliga geschafft. Bruns ist dabei wohl eher als ein Mäzen wie Hopp zu sehen und nicht als vertraglich gebundener Hauptsponsor, weshalb er sich jetzt auch einfach zurückziehen konnte.
Als sich im Frühjahr der Aufstieg abzeichnete, stellte sich dann die Frage des millionenschweren Umbaus des heimischen Osterfeldstadions zur regionalligatauglichen Arena. Diesen konnte/wollte Bruns nicht alleine stemmen und so wurde versucht, die Stadt Goslar als Eigentümerin des Stadions ins Boot zu holen. Diese verfügt aber noch nicht mal über genügend Geld, um dringend benötigte Sanierungen an Schulen durchzuführen. Trotzdem wurde nach langen Diskussionen eine finanzielle Unterstützung des GSC zugesagt.
Nun sieht es aber danach aus, dass es für den GSC postwendend wieder runter in die Oberliga geht und der Stadionumbau praktisch sinnlos ist. Deshalb sind anscheinend einige Stadträte "umgefallen" und haben die zugesagte Unterstützung platzen lassen. Dies veranlasste wiederum Bruns zum Rückzug.
Meine Meinung dazu:
Natürlich ist es erstmal toll, dass ein Verein aus meiner Heimatregion viertklassig spielt, so hoch wie noch kein Goslarer Verein zuvor. Aber wenn eine Kommune finanziell so klamm ist, dass sie kaum ihre elementarsten Aufgaben erfüllen kann, darf sie nicht Millionen für so ein Abenteuer rauswerfen. Da hätte man von vornherein sagen müssen "Sucht euch private Investoren oder es geht halt nicht." So bitter das auch gewesen wäre für den GSC und auch wenn Sportförderung zu den Aufgaben der öffentlichen Hand zählt. (Die Leichtathletikanlage am Osterfeld wäre übrigens dem Umbau zum Opfer gefallen). Was natürlich gar nicht geht ist das jetzige Rumgeeiere. Man hätte von Anfang an eine Unterstützung ablehnen sollen mit dem Hinweis auf nicht vorhandene finanzielle Spielräume. Aber erst einen Zuschuß zu gewähren und jetzt kalte Füße zu bekommen ist Verarsche vor allem der Spieler und der Fans (auch wenn es nicht viele sind) des GSC.
Man sollte aber auch die Anforderungen des DFB mal kritisch hinterfragen. Das "Stadion" in Goslar ist in der Tat nur ein einfacher Sportplatz mit in einen Abhang gehauenen Treppen an einer Längsseite. Auf diesem Platz wurde allerdings im Herbst 2008 ein NFV-Pokalspiel gegen Eintracht Braunschweig vor 4.000 Zuschauern ohne Komplikationen ausgetragen. mMnn könnte man den Großteil der Regionalligaspiele sehr wohl in Goslar austragen. Für Risikospiele z.B. gegen Magdeburg könnte man ja immer noch nach Braunschweig ausweichen. Mit seine hohen Anforderungen nimmt der DFB kleinen Vereinen aus kleinen, finanzschwachen Städten die Möglichkeit, einen sportlich erzielten Aufstieg auch wahrzunehmen, ohne große finanzielle Risiken einzugehen.