Also das hätte ich gern genauer erklärt.
Gerne. Wenn ich in der Aussage auf die du dich beziehst von "sportlich" rede, dann meine ich natürlich nicht den Punktstand denn der war bekanntlich zum Ende hin ein Desaster. Ich rede von der Art wie Schaaf hat spielen lassen.
Schaaf in seinen Anfangsjahren hat Maßstäbe gesetzt, er war im Prinzip der erste Trainer in der BL der erkannt hat wie wichtig ein strategisch denkender 6er ist, der vielfach unterschätzte Frank Baumann war hier die perfekte Besetzung. Aber Schaaf hat eine gewisse Entwicklung in der Bundesliga verschlafen und ist sukzessive von einem strategisch denkenden Kollektiv abgerückt. Ein Grund hierfür ist mit Sicherheit die Verpflichtung von Diego, ein genialer Solist der sich aber nicht dafür eignet das schnelle vertikale Spiel wie unter Baumann/Micoud zu pflegen.
Während Schaaf weiter seinen überfallartigen Angriffsfußball zelebriert hat, hat die Liga längst umgestellt auf das heute bekannte Pressing mit schnellem Umschaltspiel und kollektiver Defensive, womit uns selbst individuell klar unterlegene Mannschaften den Schneid abkaufen konnten. Dortmund hat das mit seinen beiden Meistertiteln zur Perfektion getrieben. Sicherlich auch bedingt durch falsch eingeschätzte Transfers sind Schaaf zunehmend die Spieler abhanden gekommen um "sein" System zu pfegen, aber das hat ihn nicht verleitet etwas an diesem System zu ändern. Spätestens ab 2010 waren wir taktisch eine der schlechtesten Mannschaften der Liga, haben überholten Fußball gespielt und das auch noch mit Spielern die dafür obendrein ungeeignet waren. Die weitere Entwicklung ist bekannt, die Erfolge blieben aus, die Spieler wurden langsam verkauft, der Stil von Schaaf blieb der selbe. Wegen dieser Weigerung sein Konzept den Gegebenheiten anzupassen wäre ein Wechsel auf der Trainerposition ab 2010, spätestens 2011 aus sportlichen Gründen angesagt gewesen. Damals war der Verein noch finanziell voll handlungsfähig. Aber Thomas Schaaf feuert man eben nicht so leicht, schon gar nicht wenn sein Freund Allofs das sagen hat (das meine ich nicht negativ).
In seiner letzten Saison hingegen hat Schaaf umgestellt. Statt im stoischen 4-4-2 mit Raute und überfallartigem Angriffsfußball ohne jede defensive Struktur haben wir ein 4-1-4-1 gespielt und das in einer Art die zwar immer noch nicht der Weisheit letzter Schluss war, aber taktisch VIEL weiter vorne als noch in den Vorjahren. In der letzten Hinrunde von Schaaf hat Werder mit den attraktivsten Fußball der Liga gespielt und von der Grundanlage her auch sehr modern. Schaafs Fehler lag darin, das er trotz Umstellung weiterhin eine sehr offensive Ausrichtung hat spielen lassen, mit Junuzovic, KDB, Elia, Arnautovic und Hunt haben wir ein Mittelfeld auf's Feld gebracht das im Prinzip durchweg offensiv denkt. Das kann nur gut gehen wenn vorne ein Stürmer steht der die Chancen versenkt. Wir hatten aber als einzigen Stürmer Petersen und seine 12 Tore täuschen massiv über seine schlechte Quote vorm Tor hinweg. Das war ein Grund für die wenigen Punkte der Hinrunde (22, aber hätten den Spielverläufen nach VIEL mehr sein müssen). Ein anderer Grund war Prödl. Prödl ist dann gut wenn er vor sich ein kompaktes Mittelfeld hat. Das konnte man sowohl unter Dutt als auch jetzt unter Skripnik sehen. Aber in der Art wie Schaaf hat spielen lassen musste sich Prödl um offene Räume vor der Abwehr kümmern und das kann er nicht wirklich. Durch Prödls Fehler bedingt wurde auch Sokratis hyperaktiv und musste überall Löcher stopfen, eine stabile Abwehr sieht anders aus, die ganze Kette war dadurch instabil. Als dann in der Rückrunde die endgültige Ergebniskrise kam hat Schaaf erneut umgestellt und das war dann in meinen Augen der Kardinalsfehler, auch wenn die Quote an Gegentoren runter ging.
Der langen Rede kurzer Sinn: Betrachtet man die Art WIE Schaaf hat spielen lassen, so war das von der
Grundkonzeption 2012/13 viel besser als in den Jahren zuvor.
Das ist der Grund weshalb ich sage, das es zu dem Zeitpunt
weniger Anlass für einen Trainerwechsel gab als noch zwei Jahre zuvor. Aber
weniger heißt nicht das es
keinen Anlass gegeben hätte denn Schaaf hat trotz der klar verbesserten Spielanlage nicht auf die Schwächen seiner Spieler reagiert, hat sie auch im neuen System in einer Art offensiv spielen lassen wie sie es bei Kontern nicht mehr verteidigen konnte und vorne wurden einfach nicht genug Tore gemacht.
Um auf die Aussage zurückzukommen auf die du geantwortet hast: Ich hoffe ich konnte halbwegs verständlich machen wieso ich den Trainerwechsel zum gegebenen Zeitpunkt in Ordnung fand, aber weniger(!) notwendig als in den Jahren zuvor.