Robert Enke

Kind hat zudem ja auch selbst eingeräumt, daß auch er nicht alles nochmal so machen würde, wie zb. das Tragen des Sarges durch die Spieler.

An der Stelle vergleicht Kind aber Äpfel mit Birnen: so wie ich seine Aussage verstanden habe, kritisierte er Enkes Umfeld für den Umgang mit seiner Depression VOR seinem Selbstmord, während Kind im Nachhinein besser mit der Situation NACH Bekanntwerden von Enkes Freitod habe umgehen wollen. DAS finde ich anmaßend und gewissermaßen auch widerlich. Denn gerade das engere Umfeld wußte um die Sorgen und Nöte von Enke und die möglichen Folgen bei einem wenig sensiblen Umgang damit.

Klar macht man sich jetzt Gedanken, wie es hätte besser laufen können - aber die damalige Situation der direkten Beteiligten lässt sich wohl kaum von den meisten wirklich nachvollziehen.

Ich weiß übrigens auch noch genau, wie das bei mir war vor einem Jahr ... ich Stand gerade im Bad als mir mein Mitbewohner aus der Küche die Nachricht zurief ... ich konnts echt nicht fassen! :(
 
Es ist zwar ein krasser Vergleich, aber ich denke, dass fast jeder, ähnlich wie am 11.September 2001 weiß, was er zu dieser Zeit gemacht hat und wie er es erfahren hat.

Yupp, Du hast Recht. Ich weiß noch genau, was ich gemacht habe. Ich war noch arbeiten und lass die Schlagzeile vom Tod Enkes auf bild.de. Ich musste dreimal, viermal, fünfmal lesen, um zu realisieren was da stand. Ich war völlig sprachlos und fassungslos.

Sie wird es nicht lesen, aber auf diesem Wege nochmals alles Gute an Teresa Enke und ihre kleine Tochter für die Zukunft.

Gruss
Marco77
 
Das Recht, solche Gedanken zu äußern, auch wenn sie vielleicht unangenehm sind, sollte man Kind allerdings zu gestehen.
:tnx:

Ansonsten ist das Einzige, was mich jedoch wöchentlich an Herrn Kind erinnert, sein riesiger, grell beleuchteter Hörgeräte-Werbeturm an der A7 bei Burgwedel.

@jarleene
Ist das so ausgewogen? Normalerweise schrecken mich solche Bücher eher ab, aber....
 
:tnx:

Ansonsten ist das Einzige, was mich jedoch wöchentlich an Herrn Kind erinnert, sein riesiger, grell beleuchteter Hörgeräte-Werbeturm an der A7 bei Burgwedel.

@jarleene
Ist das so ausgewogen? Normalerweise schrecken mich solche Bücher eher ab, aber....

Ich Antworte jetzt einfach mal an Stelle von Jarleene.

Es gibt kaum ein Buch, was ich quasi uneingeschränkt weiter empfehlen würde. Die Enke-Biographie gehört jedoch ohne Zweifel dazu.
 
Und ich lese gerade das Buch,robert enke ein allzu kurzes leben.

Bin gerade bei der hälft (Barcelona zeit vorbei,kurzer abstecher nach Istanbul)
Wie schlimm die depressionen ihn im griff hatten,wird mir erst heute klar,wenn ich das buch lese.
An einigen stellen habe ich mich schon dabei erwischt wie ich schmunzeln musste obwohl es nichts zu schmunzeln gab.
Es ist wahrscheinlich für jemanden wich mich nur sehr schwer zu verstehen das jemand so krasse Angstzustände hat.
Es waren Situationen die mich sagen lassen haben,Robert jetzt bitte nicht diesen weg.
Und prompt hat er diesen eingeschlagen.
Das eine ist der sport,der druck und den spott den spieler ertragen müssen,das andere sind trainer und verein die das übrige dazu tun.
Es hat weh getan die barcelona zeit von robert zu lesen,ich meine jeder weiß das es bei großen clubs schlimm zu gehen kann.
Aber vieles was in Barcelona passierte hat mich vom Verein doch sehr enttäuscht.
Ich habe viele Biografien gelesen in den letzten jahren und muss sagen das die von Enke eine der besten ist (auch wenn ich sie noch nicht durch habe)
Das diese geschichte jedoch kein happy end haben wird lässt einen wohl von beginn an des buches die dunkle seite des fussball sports sehen.Und noch vielmehr in die seele eines depressiv kranken menschen.
Ich kann euch das buch wirklich nur empfehlen.
 
Ich finde ehrlich gesagt nicht, daß man Kind nun so attakieren sollte, wie´s teils geschieht.
Auch wenn man generell gerne in solchen Fällen dazu neigt, selbst leicht kritische Stimmen abzukanzeln, da man "sowas einfach nicht macht", sehe ich die Aussagen als durchaus berechtigt an. Er kritisiert ja nicht direkt, indem er mit dem Finger zeigend Vorwürfe formuliert, sondern er stellt generell die Frage, ob es im Umgang mit der ganzen Sache alternative Verhaltensweisen der Beteiligten hätte geben können, die evtl. zu einem anderen Ausgang geführt hätten. Diese Gedanken halte ich für legitim, da es andererseits auch etwas naiv wäre, per se zu sagen, daß man alles absolut ideal gehändelt hat.
Kind hat zudem ja auch selbst eingeräumt, daß auch er nicht alles nochmal so machen würde, wie zb. das Tragen des Sarges durch die Spieler.
Auch wenn es grade bei diesem Thema schwierig ist, richtig und falsch zu definieren, sollte man nicht sofort jegliche aufkommende kritische Stimmen verbieten. Vielleicht wäre ein offenerer Umgang mit dieser Krankheit womöglich gar nicht mal falsch und eine Alternative zu der Handhabung, das Thema größtenteils zu verschweigen.
Ob man RE nun auf eine andere Art und Weise hätte besser behandeln oder sogar retten können, bleibt sicher spekulativ. Das Recht, solche Gedanken zu äußern, auch wenn sie vielleicht unangenehm sind, sollte man Kind allerdings zu gestehen.

Und ich finde widerum, wenn man von dem Thema keine wirkliche Ahnung hat dann sollte man sich nicht so anmassend darüber äussern! Es klang schon sowas wie ein Vorwurf mit und dann darf man sich schon fragen, was der werte Herr Kind denn bitte hätte tun wollen um das zu verhindern, was die engsten Vertrauten von Enke nicht verhindern konnte. Ist er der liebe Gott? Sowas regt mich echt auf!

Zum Buch, ich werde das dann demnächst geschenkt bekommen und bin gespannt drauf ob ich die Eindrücke die ich hier lese bestätigen kann. Ich war mir nicht sicher ob ich das Buch wirklich lesen sollte, aber ich werde mich dann doch mal ranwagen!
 
teilweise hat das buch wirklich schwere passagen.
manchmal lässt es sich sehr schwer lesen weil du irgendwie noch in gedanken bist von einer anderen vorangegangenen situation.
ich kann nur empfehlen sich zeit für das buch zu nehmen und es auf sich wirken zu lassen.
 
Hallo,

ich werde mir bestimmt keine Freunde damit machen, aber naja..jeder darf seine Meinung äußern.

Die Familie von Robert und seine Freunde haben mein Mitgefühl und sie tun mir auch sehr leid, aber ich fand den ganzen Tamtam, der vor einem Jahr gemacht wurden ist, total übertrieben.

Robert Enke war ein Fußballer, wenn er ein bedeutender Staatsmann gewesen wäre oder ein Wissenschaftler, dann wäre es meiner Meinung nach in Ordnung gewesen.

Bei Konrad Adenauer wurde 1967 eine öffentliche Trauerfeier abhalten, was auch nachvollziehbar war. Schließlich war er, der erste Bundeskanzler von Deutschland und ein wichtiger Staatsmann.

Und was ist eigentlich mit dem Lokführer?

Wie geht es dem? Hat er sich von dem Schock erholt?
 
Das es schon ein Jahr her ist, ist unglaublich. Es ist zwar ein krasser Vergleich, aber ich denke, dass fast jeder, ähnlich wie am 11.September 2001 weiß, was er zu dieser Zeit gemacht hat und wie er es erfahren hat.
Allerdings! Ich war im Kreissaal und habe auf die Niederkunft meiner Tochter gewartet, was dann um 23.30 auch der Fall war.
Ich weiß noch genau, wie dort in dem kleinen, gemütlichen Zimmer, ein Radio auf der Fensterbank hinter einer Gardine leise lief und hörte zunächst nur Wortfetzen und Teile der Nachrichtenmeldungen. Beim 2./3. mal der Meldungen hörte ich dann genauer hin und vernahm in erster Linie Brocken wie Enke - Zug - Tod, aus denen ich erst überhaupt keinen Zusammenhang kreieren konnte, da meine Hauptaufmerksamkeit dem Wehnenschreiber galt.
Irgendwann hatte ich dann die ganze Meldung mitbekommen, realisiert und verstanden.
Das war schon eine noch nie erlebte Achterbahnfahrt der Gefühle, muß ich zugeben.
Auf der einen Seite verschwindet jemand aus dem Leben, von dem man es zu diesem Zeitpunkt nun wahrlich nicht erwartete und recht kurz danach betrat meine Tochter den Planeten. Das war das geballte Leben in seiner heftigsten Komprimierung. Ein Leben endete, ein anderes fand seinen Anfang...
 
Robert Enke war ein Fußballer, wenn er ein bedeutender Staatsmann gewesen wäre oder ein Wissenschaftler, dann wäre es meiner Meinung nach in Ordnung gewesen.

Ich finde man sollte die Größe einer Trauerfeier nicht von den Errungeschaften einer Person abhängig machen!
Wenn man von einem Haufen "Sensationgeiler" absieht, hatten nunmal sehr viele Menschen das Bedürfnis zur Trauerfeier zu gehen, und dann sollen sie das auch tun dürfen, da REs Rolle als Identifikationsperson der ganzen hiesigen Region nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.
Die Rechnung "Beerdigung "Bürgermeister": 1000 Personen, Beerdigung "Wissenschaftler" 5000 Personen mit Fernsehen, Beerdigung "Bundeskanzler" 20000 Personen mit Fernsehen im Stadion" wäre mir persönlich zu einfach.


Schließlich war er, der erste Bundeskanzler von Deutschland und ein wichtiger Staatsmann.

Im Verhältnis mag aber für einige ein Torwart bedeutender sein, als ein Bundeskanzler ;)

Und was ist eigentlich mit dem Lokführer?
Wie geht es dem? Hat er sich von dem Schock erholt?

Vielleicht kann er seinen Job nicht mehr ausüben, vielleicht ist er von der harten Sorte, die das Unglück als "Berufsrisiko" abtut, so hart das klingt. Man weiß es nicht. Wäre alles Spekulation.

Im Prinzip dürfen nur zwei Sachen nicht passieren:
Niemand soll sich dafür rechtfertigen müssen, dass er trauert.
Niemand soll sich dafür rechtfertigen müssen, dass er nicht trauert.

So einfach kann das manchmal sein! ;) Ich halte nichts von Berufsbetroffenheit. Eher aber fürchte ich, dass viele vom Thema Enke/Depressionen/Tod der Tochter derart gesättigt sind, dass das Ansprechen -vor allem von "Depressionen"- sich von gutgemeinter Aufklärung in ein genervtes "Ich kann es nicht mehr hören!" der Bevölkerung umkehrt.

Natürlich denkt man noch oft an die alten Zeiten zurück und muss sich manchmal kneifen, dass er nicht mehr da ist und nie mehr kommen wird – aber auf der anderen Seite:
Er ist nunmal nicht mehr da und damit müssen die Mannschaft jetzt klarkommen, und auch das wird klappen und klappt immer besser!
 
Hallo,

ich werde mir bestimmt keine Freunde damit machen, aber naja..jeder darf seine Meinung äußern.

Die Familie von Robert und seine Freunde haben mein Mitgefühl und sie tun mir auch sehr leid, aber ich fand den ganzen Tamtam, der vor einem Jahr gemacht wurden ist, total übertrieben.

Robert Enke war ein Fußballer, wenn er ein bedeutender Staatsmann gewesen wäre oder ein Wissenschaftler, dann wäre es meiner Meinung nach in Ordnung gewesen.

Bei Konrad Adenauer wurde 1967 eine öffentliche Trauerfeier abhalten, was auch nachvollziehbar war. Schließlich war er, der erste Bundeskanzler von Deutschland und ein wichtiger Staatsmann.

Und was ist eigentlich mit dem Lokführer?

Wie geht es dem? Hat er sich von dem Schock erholt?

fussball ist doch längst viel mehr als nur ein sport geworden der in unserer gesellschaft nebenbei läuft.
viele identifizieren sich mit fussball nicht mit politik oder wissenschaft.
Enke stand zu diesem zeitpunkt mehr den je im rampenlicht aufgrund der torwarsituation der NM.Welchen stellenwert diese NM in Deutschland hat dürfte jedem klar sein nach 06/08 und 10.
Ich denke auch das Enke die erste Person ist,die das interesse für depressionen und dem umgang damit in vielen geweckt hat.Es ist für mich persönlich die erste erfahrung einer depression die mit einem todesfall endet.
Ich kenne und kannte keine persönlichkeit die vorher in ähnlicher situation gewesen ist wie jetzt Enke war.Ich glube auch deswegen ist es ein thema das viele immernoch beschäftigt und beschäftigen wird,weil Enke der erste große Fall ist der so in der öffentlichkeit gestanden hat.
 
Depressionen sind schlimm.Man steckt da nicht drin. Diese Krankheit kommt von alleine, nicht nur der Charakter ist dafür verantwortlich. (Manche meinen: "Ich bin stark genug"....- deswegen meine ich das mit dem Charakter.)

In meiner Familie ist sie leider verbreitet, ich kann einige Dinge nachvollziehen.

Mir tun die Szenen mit seiner kranken Tochter auf dem Feld weh.

Ich denke, danach brach noch mehr in ihm.
 
Ich bin fasziniert von der stärke die Teresa Enke all die Jahre aufgebracht hat.Robert jahrelang in seinen ängsten zu unterstützen,ihn aus seiner tiefen depressiven phase zu holen,den tot der eigenen tochter zu verabreiten und letztendlich auch den tot von Robert zu überstehen.
Da frag ich mich wirklich wie stark kann bzw.muss ein mensch dafür sein!!?
 
Da frag ich mich wirklich wie stark kann bzw.muss ein mensch dafür sein!!?

Ich verstehe es ehrlich gesagt auch kaum.

Erst das Kind, dann ihr Mann....diese Frau scheint stark zu sein.

Jeder Mensch ist da anders....manche sind schwach..manche stark. Bei manchen ist es Schein, bei manchen Wirklichkeit. Das herauszufinden ist schwer. Aber man braucht nicht alles wissen.

Ich habe Respekt vor ihrer Stärke...zumindest finde ich, dass sie stark wirkt.
 
Soo heute ist Roberts Todestag. War schon heftig letztes Jahr. Aber Depressionen sind immer noch nicht als normal anerkannt, obwohl sie die mit großem Abstand am meisten Verbreitete psychische Krankheit sind, an der mehr Menschen leiden als an Krebs.
 
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