Robert Enke

Durch den Tod Robert Enkes wurde eine Diskussion über Depressionen eingeleitet, die längst überfällig war. Mit dieser Auseinandersetzung wird die Akzeptanz für solche Probleme sicher größer, womit Enke vielen betroffenen wirklich geholfen hat.

Irgendwie wage ich das zu bezweifeln.
Ich denke auch, dass in wenigen Wochen alles wieder seinen gewohnten Gang gehen wird. Natürlich wäre es unglaublich hilfreich für alle, die von Depressionen betroffen sind, wenn sich etwas ändern würde, wenn ein Umdenken stattfinden würde. Aber wenn man sich teilweise anhört, was Leute über Depressive denken, dann glaube ich nicht mehr daran. Aber vielleicht, VIELLEICHT wird man jetzt ein bisschen aufmerksamer durchs Leben gehen und seine Mitmenschen aufmerksamer betrachten. Jeder Einzelne. Vielleicht.
 
Ich war entsetzt, fassungs- und sprachlos, als ich vom Tod Enkes erfuhrt.

Ich bin immer noch sehr betroffen, finde aber allmählich meine Sprache wieder.

Ich möchte hier meine Meinung äußern, die aber offensichtlich von der der Mehrheit erheblich abweicht.

Vorab möchte ich gestehen dass ich Enke nicht für die Nr. 1 der deutschen Torhüter hielt, dass mir aber stets bewusst war, dass er menschlich absolut vorbildlich und über jeden Zweifel erhaben war. Umso tragischer die nun eingetretene Entwicklung.

Ich habe oft am Fußball etwas auszusetzen. Ich bin aber nicht der Meinung, dass der Fußball, speziell der Profifußball sich hier von seiner negativen Seite zeigt, vielmehr werden mir positive Aspekte dieses Fußballs, wie er hier in Deutschland gehandhabt wird, deutlich.

Die Spieler sämtlicher Bundesligavereine – und wohl auch herunter bis mindestens in die 3. Liga – werden betreut von Psychologen, Psychotherapeuten, Psychiatern, u., u. u.. In dieser Hinsicht tun die Vereine alles Mögliche für ihre Spieler. Dies ist in keinem anderen Berufsstand auch nur annähernd der Fall. Und der Leistungsdruck und die psychische und psychologische Belastung ist in anderen Gruppen, ich nenne nur z.T. Schüler, Studenten, Manager, Lehrer, auch Angestellte, z.B. Bankangestellte mit Erfolgsvorgaben, zumindest nicht geringer, oft sogar viel höher, ohne dass sie von einem derartigen schützenden Netz umgeben sind. Diese Fußballer haben u.a. auch nicht die finanziellen Sorgen wie andere, haben durch ihr sportliches Aussehen auch im persönlichen Bereich Vorteile und können auch leichter wechseln als andere (zu einem anderen Verein oder eine Liga tiefer). Da brauchen wir gar nicht weit zu blicken. Wenn Th. Schaaf einigen Spieler, so Tosic, Vranjes, Hasejinovic, evtl. neuerdings auch Rosenberg, sagt, dass sie wenig Zukunft bei Werder haben, weil ihre Leistung nicht mehr für die Startelf reicht, und ein anderer Verein oder die 2. Liga besser für sie wäre, weil sie auch dort nicht schlecht verdienen aber wohl mehr Erfolgserlebnisse haben, verweisen diese sofort auch ihren günstigen Vertrag und ‚Ich suche die Herausforderung, ich will micht durchbeißen’

Enke war ein Extremfall, der durch all diese Sicherheitsnetze nicht aufzufangen war, weil er bewusst alle getäuscht und irgendwie ausgetrickst hat. Ich glaube, der Fußball und alle Verantwortlichen und Freunde haben sich nichts vorzuwerfen, und da ist auch nicht viel zu verbessern.

Als positive Beispiele nenne ich auch – das ansonsten von mir ungeliebte – Bayern München, die dem ähnlichen Fall Deisler alle mögliche Hilfen gegeben und Unterstützung ermöglicht haben und trotzdem das Problem nicht lösen konnten.

Auch die beeindruckende heutige Trauerfeier für Enke stellt allen im Fußball Verantwortlichen und den Fans das beste Zeugnis aus. Höchst beeindruckend für mich auch die – frei gehaltene - Rede von Th. Zwanziger (den ich persönlich im Übrigen für den besten Präsidenten halte den der DFB je hatte – man stelle sich heute an seiner Stelle nur mal seinen Vorgänger Mayer vor).

Problematisch und z.T. mitschuldig an der ganzen psychologischen Situation um die Fußballspieler sehe ich lediglich die Medien an, die beispielsweise mit ihrer ständigen Benotung die Spieler in Angst oder Schrecken halte. Einige trauen sich am Montag gar nicht, in die Zeitung zu schauen. Die ständige Abqualifizierung mit einer ‚6’ ist ein Unding. Welche dieser Zeitungen, die sich jetzt als die ganz großen Verständigen und Problembewältiger aufspielen, wird diese Benotung nunmehr unterlassen?!
Und da fällt mir auch der junge Torwort Borchert von Hertha ein, der sich vor kurzem innerhalb kürzester Zeit 2 kuriose Tore einfing und von der Presse als ‚Tor de Jahres’, ‚Depp des Jahrhunderts’ und ähnliches tituliert wurde. Da werden psychologische Probleme bei einem jungen Spieler geradezu provoziert. Dabei hat der Torwart meines Erachtens hervorragend gehalten – ich weiß nicht, ob einer unsere Nationaltorwarte so mutig herausgegangen wäre! - , nur haben ihn seine Vorderleute schmählich im Stich gelassen.

Insgesamt fällt es schwer, normal zur Tagesordnung überzugehen.

Euagoras
 
Solange man in einer neoliberalen Gesellschaftsform lebt wo es einzig und allein auf Leistung ankommt und der Leistungsdruck unter den aktuellen Gegebenheiten auch noch immer mehr zunimmt wird sich gar nichts ändern. Es ist ja nicht so, dass Robert Enke der einzige unter Depression leidende Mensch war und dieses Problem, so wie es einige der Diskussionen andeuten, nur im Mikrokosmos Profisport bzw Profifussball zu suchen ist. Es gibt unzählige andere Beispiele: Studenten beschweren sich aktuell über den Leistungsdruck der neuen Studienformen. Die Finanzkrise und die Globalisierung und der damit einhergehende Wettbewerb führt dazu, dass sich die Leute immer unsicherer in ihrem Job fühlen und mehr ihnen auch mehr abverlangt wird. Das Problem ist, dass grundsätzlich und überall, also nicht auf den Profisport bezogen, auf die Gewinner des Wettbewerbs geachtet wird und die Verlierer ignoriert man dabei.

Leider würde es mich schon sehr wundern wenn aus den aktuellen Diskussionen über Depressionen überhaupt etwas am Ende herauskommen würde. Man redet ja auch nur über die Krankheit Depression an sich und nicht so sehr über die Ursachen und mögliche Lösungen. Wieder auf den Fußball bezogen: Da kommt direkt das Argument, dass ja auch in Zukunft im Sport Sieg oder Niederlage maßgeblich sein werden. Wie soll es auch anders sein..
 
so leid mir enkes tod auch tut, ich befürchte dass wir als gesellschaft daraus nichts lernen werden. jetzt tut man betroffen und diskutiert über veränderung, aber es wird keine veränderungen geben, ähnlich wie bei dem fall maleika :(
 
nur mal am Rande: es gab hier ja die kranke Diskussion, wieso Werder erst recht spät was auf seiner Homepage hatte usw
In der HAZ (Hannoversche Allgemeine) war gestern ein Sonderteil (in dem Zusammenhang irgendwie komisches Wort) über Robert Enke, in dem auch zahlreiches Todesanzeigen waren und auf der 2. Seite gleich heben den Anzeigen der Nationalmannschaft und des DFB hatte auch Werder eine viertelseitige Traueranzeige geschaltet, soweit ich das sah auch als einziger Bundesligaclub

hier auf Bild 18 unten rechts etwas zu erkennen:
http://www.haz.de/Mediathek/Fotostr...WD-Arena/(from)/320325/(mode)/full/(offset)/0
 
nur mal am Rande: es gab hier ja die kranke Diskussion, wieso Werder erst recht spät was auf seiner Homepage hatte usw
In der HAZ (Hannoversche Allgemeine) war gestern ein Sonderteil (in dem Zusammenhang irgendwie komisches Wort) über Robert Enke, in dem auch zahlreiches Todesanzeigen waren und auf der 2. Seite gleich heben den Anzeigen der Nationalmannschaft und des DFB hatte auch Werder eine viertelseitige Traueranzeige geschaltet, soweit ich das sah auch als einziger Bundesligaclub

hier auf Bild 18 unten rechts etwas zu erkennen:
http://www.haz.de/Mediathek/Fotostr...WD-Arena/(from)/320325/(mode)/full/(offset)/0

ich finde die leute (also nicht dich karsten) zum kotzen, die bei so einem anlass eher auf die aussenwirkung von werder bremen konzentrieren, als sachlich mit der trauer umzugehen.
 
ich finde die leute (also nicht dich karsten) zum kotzen, die bei so einem anlass eher auf die aussenwirkung von werder bremen konzentrieren, als sachlich mit der trauer umzugehen.

Jo.
Ich denke, jedem ist in solchen Situationen selbst überlassen, wie stark er sein Mitgefühl ausdrückt. Es ist natürlich schön, wenn Werder eine Anzeige schaltet, aber 20.000 Anzeigen von Werder machen Robert auch nicht wieder lebendig.
 
[...]
ach ja, wir reden über einen fußballer, nicht über einen helden der gegenwart. dass man in einem stadion mit 45.000 mann so eine pompöse trauerfeier veranstaltet, von zig tv-sender übertragen... DAS ist pervers!!! und glaubt ja nicht, dass die private trauerfeier im engsten kreis privat bleibt. seit dienstag ist robert enke in den medien ausgeschlachtet worden wie selten ein toter zuvor. man sollte sich nicht nur darüber gedanken machen, dass man mit der krankheit anders umgehen sollte - sondern auch in der art und weise der berichterstattung bzw. der aufarbeitung eines privaten, persönlichen schicksals.[...]
Du siehst aber auch in diesem Faden: die Nachfrage ist da...

Bin ich froh, ohne Fernseher zu leben.
 
Eine sehr würdige und emotinale Trauerfeier. Ich bin jetzt noch total ergriffen. Herr Zwanziger hat meiner Meinung nach mit die besten Worte getroffen und bei mir sehr stark an Ansehen gewonnen.

Als der Sarg nach druaßen getragen worden ist ging gar nichts mehr. :( aber ich bin froh dass ich es mir angesehen habe, ist irgendwie auch ein Stück Verarbeitung gewesen.

Robert Enke, wir werden Dich nie vergessen und ich hoffe dass auch die Botschaft und die Aufgabe die Du uns mitgegeban hast irgendwie immer in Erinnerung gerufen wird. :tnx:
 
Eine sehr würdige und emotinale Trauerfeier. Ich bin jetzt noch total ergriffen. Herr Zwanziger hat meiner Meinung nach mit die besten Worte getroffen und bei mir sehr stark an Ansehen gewonnen.

Als der Sarg nach druaßen getragen worden ist ging gar nichts mehr. :( aber ich bin froh dass ich es mir angesehen habe, ist irgendwie auch ein Stück Verarbeitung gewesen.

Robert Enke, wir werden Dich nie vergessen und ich hoffe dass auch die Botschaft und die Aufgabe die Du uns mitgegeban hast irgendwie immer in Erinnerung gerufen wird. :tnx:

:tnx::tnx:
Ging mir ganz genauso...
 
nur mal am Rande: es gab hier ja die kranke Diskussion, wieso Werder erst recht spät was auf seiner Homepage hatte usw
In der HAZ (Hannoversche Allgemeine) war gestern ein Sonderteil (in dem Zusammenhang irgendwie komisches Wort) über Robert Enke, in dem auch zahlreiches Todesanzeigen waren und auf der 2. Seite gleich heben den Anzeigen der Nationalmannschaft und des DFB hatte auch Werder eine viertelseitige Traueranzeige geschaltet, soweit ich das sah auch als einziger Bundesligaclub

hier auf Bild 18 unten rechts etwas zu erkennen:
http://www.haz.de/Mediathek/Fotostr...WD-Arena/(from)/320325/(mode)/full/(offset)/0

Ja das wurde einige Seiten vorher schon erwähnt. Da ist auch ein Link da kann man die Anzeige komplett erkennen:

Werder Bremen hat in den beiden großen Tageszeitungen "Hannoversche Allgemeine Zeitung" und "Neue Presse" eine Traueranzeige geschaltet.

Sehr anständig! :tnx:

www.bilder-hochladen.net/files/d71v-1-jpg.html
 
regt zum nachdenken an: sporthomepages wie kicker.de oder sportal.de berichten kaum bzw. nicht über die trauerfeier, auf anderen hps wie spiegel-online, t-online oder bild.de gehts um nix anderes


ach ja, wir reden über einen fußballer, nicht über einen helden der gegenwart. dass man in einem stadion mit 45.000 mann so eine pompöse trauerfeier veranstaltet, von zig tv-sender übertragen... DAS ist pervers!!! und glaubt ja nicht, dass die private trauerfeier im engsten kreis privat bleibt. seit dienstag ist robert enke in den medien ausgeschlachtet worden wie selten ein toter zuvor. man sollte sich nicht nur darüber gedanken machen, dass man mit der krankheit anders umgehen sollte - sondern auch in der art und weise der berichterstattung bzw. der aufarbeitung eines privaten, persönlichen schicksals. wegen mir gebt mir für diese worte noch ne verwarnung, ich spreche nur offen aus, was man eig. nicht sagen darf, da dieses thema derzeit sehr sensibel behandelt wird. die wahren opfer allerdings, teresa, die adoptivtochter, die lokführer oder die einsatzkräfte vor ort... die sind wieder scheiß egal!!!!

Du sprichst mir aus der Seele

Ich finde es unfassbar was in den Medien geschieht und halte das ganze für ziemlich geschmacklos.Als ich gelesen habe es würde die größte Trauerfeier seit Adenauer-Tod veranstaltet und mehr als hunderttausend Menschen wollen der Trauerfeier beiwohnen und das ganze auch noch von etlichen Fernsehsendern übertragen wird konnte ich das überhaupt nicht fassen. Ich habe mich gefragt ob Robert Enke z.B. ein verdienter Staatsmann war und ich in den letzten Jahren etwas verpasst habe? Was macht Enke so Besonders, was hat er besonderes geleistet? Was wird erst passieren wenn ein Tages Franz Beckenbauer stirb? Wird dann eine Staatstrauer verordnet?

Ich habe auch nirgendwo etwas gefunden wie es dem wohl mit ziemlicher Sicherheit traumatisierten Lokführer geht oder den Helfern die vor Ort waren.

Ich wünsche dennoch seiner Familie, Freunden und alle Angehörigen mein herzliches Beileid.
 
Er wollte bestimmt das sich etwas ändert und hat dafür sein Leben gegeben.

Jede Aussage darüber, was Robert Enke gewollt haben könnte, ist pure Spekulation, und ich werde daher auch keine Vermutung anstellen, warum er Selbstmord beging. Dass er allerdings sein Leben geopfert hat, um die Gesellschaft zum Umdenken zu bewegen (in diese Richtung verstehe ich Deinen Post), das glaube ich wirklich nicht.
 
Back
Top