Zitat von Fliegenfänger;2954199:
Wieso widersprüchlich?
Weil diese Leute keine Lust mehr haben, immer wieder Randale zu erleben wenn "ihr" Verein spielt? Das ist jedenfalls bei den meisten, mit denen ich bisher Kontakt hatte, das Argument.
Und viele von denen wären auch Mitglied bei RBL, wenn es nicht so teuer wäre, was ja derzeit so gewollt war.
Ja, die Mitleidsnummer. Die armen Leipziger mit ihrem armen Standort. Was sollen denn die Schleswig-Holsteiner sagen? Und auch Niedersachsen war Anfang der 90er in so einer Situation. Und?
Nur die Tatsache es sonst keine Vereine in meiner Umgebung gibt, bringt einen dazu, sich so einem Promotiontrip eines österreichischen Multimillionärs anzuschließen? Einem Zerrbild von Fußball, das nur aus vorfinanziertem und durchgeplanten Erfolg, durchgestyltem Hochglanzimage und Gleichschaltung besteht? Ich weiß nicht!
Wenn die Leute keinen Bock auf Lok Leipzig haben, ok, aber es gibt ja auch noch andere Vereine, vielleicht in Liga 5 oder 100km weiter. Aber für viele RB Fans wird der durchgeplante Erfolg schon ein Argument sein. Und ich möchte mal behaupten: Wenn diese Mannschaft den Plan nicht erfüllt und noch 5 Jahre in Liga 3 spielen würde, das Stadion wäre sicher nicht mehr so gut gefüllt.
In der grundsätzlichen Diskussion um das Projekt ist mir vor kurzem noch eine Sache eingefallen, die vielleicht etwas emotional beschreibt, warum ich mich mit RBL nicht anfreunden kann:
Wir alle sind Fußball-Fans. Wir beschäftigen uns eine nicht geringe Zeit mit der Frage, welche 11 Männer hunderte Kilometer entfernt einem Ball hinterherjagen um ihn in ein Netz zu schießen. Wir bezahlen sogar ne Menge Geld um unsere Zeit damit zu "verschwenden", diesen Leuten zuzuschauen. Ja sogar unsere Laune richtet sich manchmal mehrere Tage danach, ob der richtige Spieler in das richtige Tor geschossen hat. Eine völlig belanglose Frage wird für uns zu einem Stück Lebensinhalt. An sich ein völlig irrationaler Vorgang, der eigentlich nicht zu unserem sonst so strukturierten Leben passt (vor allem nicht zu den "vernunftsorientierten" Deutschen...). Fußball ist aus gewisser Sicht unvernünftig, nicht erklärbar aber trotzdem irgendwie toll. Doch gerade in diesem emotionalen Hobby höre ich von RB Fans (oder auch von Werder Fans) immer wieder von Investoren, Wettbewerbsfähigkeit, dass dies die Zukunft des Fußballs ist und dass man sich davor nicht verschließen darf, Fußball ist eben auch ein Geschäft, damit muss man sich abfinden. Und da steige ich aus! Nein, damit finde ich mich nicht ab! Mein Hobby ist das unvernünftige und irrationale Fußballspiel! Wenn mein Hobby "Geschäft" und "Investoren" wären, würde ich beim Planspiel Börse mitmachen.
Natürlich ist mir klar, dass im Profifußball heut ne Menge Geld fließt, aber warum sollte mir gerade dann ein Verein sympathisch sein, der als Produkt zur Absatzförderung von Brause mit Millionen so vollgepumpt wird, dass in jeder Liga in der sie spielen ein enormes Ungleichgewicht entsteht? Dass es sowas gibt, ist schlimm genug, aber warum sollte mir dieser Verein sympathisch sein oder ich Respekt vor ihm haben? Ich habe früher auf meinem Amiga Computer nächtelang den Bundesliga Manager professional gespielt. Man startete damals immer in der 3. Liga. Es gab aber einen Cheat, mit der man auf einen Schlag 99,99 Mio DM auf dem Konto hatte. Damit kaufte man Bayern München alle Spieler weg. Hat diese Weise zu spielen Spaß gemacht? Nein! Mir zumindest nicht. Ein gutes Gefühl kommt da, wo man den Gegner mit der richtigen Einstellung und der passenden Taktik schlägt, sich junge Spieler entwickeln und der Verein sich sukzessive weiter entwickelt. Sich einfach Spieler und Personal zu kaufen was eigentlich für die 3. Liga überqualifiziert und überbezahlt ist, ist aus meiner Sicht primitiv und unsympathisch, Region hin oder her.
Für die Fans die ich kenne, ist Fußball in erster Linie irrationale Emotion, unabhängig von Liga oder Vereinen. Wie man gerade in einem so gearteten Hobby auf Opportunismus setzt und sich zu einem Verein zählt, der finanziell "cheatet" (um mal das Beispiel beizubehalten) und in erster Linie eben nicht Fußballverein sein will sondern Brause-Promotion, das geht nicht in meinen Kopf rein! Sorry.
Dies mal aus emotionaler Sicht. Vielleicht versteht mich ja der eine oder andere.
Das die DFL da was dagegen hat, finde ich gut und hoffe, das die da nicht einknicken sondern knallhart bleiben.
Und dann kann RB nichts anders, als sich zu beugen oder die Sache aufzugeben.
Und letzteres werden die nicht tun, dafür haben die zu viel in den Standort Leipzig investiert.
Ich gehe davon aus, dass es dort Kompromisse geben wird oder RB eben versuchen wird die Regel gänzlich zu kippen. Ob RB "zu viel" investiert haben, hängt von der Betrachtungsweise ab. Und hier kommt eben das Dilemma: Im Gegensatz zu anderen Vereinen interessiert die Vereinsführung von RBL eben nicht das Vereinswohl, sondern lediglich der Erfolg des Marketingprojektes. So gesehen befindet sich der Verein RB Leipzig im Marketingmix mit anderen Markting-Tools wie Fernsehwerbung, Internet, Social Media, Formel1 oder weiteres.
Ich persönlich denke aber nicht, dass RB das Projekt abbrechen würden, selbst wenn sie alle Bedingungen der DFL jetzt annehmen müssten. Dann werden sie neue Wege finden, Ihr Produkt zu vermarkten. Vielleicht kaufen RB sich die TV-Rechte für ServusTV?
