@Juri: Natürlich war ich 2007 nicht dabei, aber mir reicht es, wenn ich lese (u.a. im Weserkurier), dass vermummte Leute am ersten Verhandlungstag Prozessbeobachter fotografiert und versucht haben, einzuschüchtern. Alleine dass das von Seiten des Gerichts nicht unterbunden wurde, finde ich einen riesigen Skandal.
Natürlich war ich 2007 bei dem Überfall auf den OKS nicht dabei und auch nicht bei Bedrohungen und Einschüchterungsversuchen, die es später gegenüber Opfern und Zeugen gegeben haben soll. Aber wenn ich mir durchlese, wie der erste Prozesstag abgelaufen sein soll, erscheint mir das nicht unwahrscheinlich.
Wichtig für die Demokratie ist, dass es nach einem Verbrechen zu einem vernünftigen Prozess kommt, der ein faires Urteil fällt. Wichtig für die Demokratie ist, dass man als Zeuge eine Aussage machen kann, ohne bedroht zu werden. Wichtig für die Demokratie ist, dass man den Prozess beobachten kann, ohne eingeschüchtert zu werden. Wichtig für die Demokratie ist ist, dass man Unrecht nicht verschweigt oder zulässt aus Angst vor den Folgen. Es muss möglich sein, Strafttäter zur Rechenschaft zu ziehen, ohne dass man dadurch neuen Bedrohungen ausgesetzt wird. Egal ob Rechte, Linke, Mitte etc. Ja. Es ist für mich nicht wichtig, dass die Täter aus der rechten Szene kamen, sondern dass sie andere Menschen bedrohen und den Glauben an eine gerechte Justiz und damit die Demokratie erschüttern.
Jeder darf denken, was er will. Man kann niemandem eine homophobe, rassistische und intolerante Einstellung verbieten. Aber man kann verbieten, sich homophob, rassistisch und intolerant zu verhalten, da dies gegen das Grundgesetz verstößt und damit die Demokratie gefährdet. Aber dies ist ein anderer Punkt. In dem Prozess ging es um Ausübung von Gewalt und Bedrohung/Einschüchterung von Zeugen. So sagen es zumindest die Berichte des Weserkuriers u.a. Ich denke nicht, dass wir darüber diskutieren müssen, dass das strafbar ist.
Der Grund, dass unsere Ultras zum Teil so politisch engagiert sind, ist sicherlich (auch), dass es vor vier Jahren diesen Überfall gab und die Folgen und das Thema für sie so relevant sind. Die Spruchbänder gegen Diskriminierung sollte eigentlich jeder so unterschreiben, der eine Demokratie für die richtige Staatsform hält und nicht nur Leute, die links orientiert sind.
Im Übrigen sollen die Täter gestanden haben (wären sie unschuldig, hätten sie nichts gestehen können). Von daher wird das Gericht ja sehen, dass die Berichte der Zeugen und der Täter übereinstimmen, wenn denn alle die Wahrheit gesagt haben.
Dass ich den Zeugen glaube, ohne dabei gewesen zu sein, hat also nichts damit zu tun, dass mir die Einstellung der Rechten Szene (Diskriminierung, Rassismus, Homophobie etc.) generell zuwider ist, sondern, dass man am ersten Verhandlungstag gesehen hat, mit was für Methoden sie gegen Zeugen vorgehen.