Prozess zum Überfall auf den Ostkurvensaal

Das völlig falsche Signal!

Pressemitteilung des Fanprojekts:

Das Amtsgericht Bremen hat zum Prozessauftakt zum Überfall auf den Ostkurvensaal vor über 4 Jahren die Beendigung des Verfahrens gegen die Angeklagten gegen Bußgeld und ein Geständnis vorgeschlagen. Die 7 Angeklagten müssen dem nur noch zustimmen.

Klar ist jetzt, dass das Amtsgericht davon ausgeht, dass es sich um einen Konflikt unter zwei Fangruppen von Werder handelt und dass die Beendigung des Verfahrens die Szene befriedet. Dies ist nicht der Fall, sondern im Gegenteil. Zumal es sich nicht um Konflikte zweier wie auch immer gearteter Fangruppen handelt, sondern um einen Überfall von Neonazis und Nazihooligans auf die Feier einer antirassistischen Fangruppe, um diese einzuschüchtern, mundtot zu machen und ihre antirassistische Arbeit beim Fußball zu verhindern.

Die betroffenen Fans und das Fan-Projekt Bremen gehen nun davon aus, dass sie bei Beendigung des Verfahrens wieder Zielscheibe von erneuten körperlichen Übergriffen werden. Zudem kommt eine Beschädigung des Rechtsstaatverständnisses hinzu. So ist das Vertrauen in die verantwortlichen Behörden und Beamten bei den Werderfans schwer beschädigt, wenn nicht sogar erschüttert.

Höchst problematisch war auch das Verhalten der Richter und der Beamten während des Prozesses. So konnten die "Unterstützer" der Angeklagten sich vermummt im Zuschauerraum aufhalten und Zuschauer des Prozesses ungehindert fotografieren. Als ein Mitarbeiter des Fan-Projekts einen Beamten darauf aufmerksam macht, wurde er von einem der vermummten "Zuschauer" bedroht und von einem der Verteidiger der Angeklagten gemaßregelt. Der Richter, als auch ein Justizbeamter griffen nicht ein. Da stellt sich die Frage: Wer war hier eigentlich der Herr des Verfahrens?

Generell stellt sich die Frage, warum wurde weit über 4 Jahre ein Prozess angestrebt, der nun so schnell wie möglich wieder beendet werden soll?

Das Fan-Projekt Bremen fordert deshalb alle zivilgesellschaftlichen Gruppen auf, dieser Verharmlosung von neonazistischen Aktivitäten in Bremen entgegen zu treten und sich mit den Betroffenen Werderfans zu solidarisieren.

Quelle: http://www.facebook.com/antidisag
 
Unglaublich, daß da im Gerichtssaal seitens der Justiz nicht eingegriffen wurde. Es ist eigentlich so wie immer - die Opfer werden zu Tätern und die Täter lachen sich ins Fäustchen.
 
Aufruf zur Demo:

Rechte Gewalt stoppen! Schluss mit der Verharmlosung von rechter Gewalt! Schluss mit der Entpolitisierung von Prozessen!

MITTWOCH, 28.​09.​2011
17:00 Uhr
OSTKURVENSAAL / Weserstadion


Im Januar 2007 wurde die erste Jubiläumsfeier der Ultrà-​Gruppe „Racaille Verte“, welche im Ostkurvensaal des Weser-Stadions stattfand, von rechten Hooligans überfallen. Hintergrund des Angriffs war die öffentliche Positionierung von „Racaille Verte“ als antirassistische Fußballfangruppierung sowie die überwiegende Distanzierung der Ultrà-​Szene von rechten Ideologien. Es wurde gezielt eine Person verprügelt und dabei schwer verletzt. Weitere Partygäste wurden bespuckt und geschlagen. Gegenstände wurden durch den Saal geworfen. Zwei Personen mussten im Krankenhaus behandelt sowie mehrere Verletzte notärztlich ver sorgt werden. Weitere Angriffe wurden angedroht, wenn an der antirassistischen Position festgehalten werden würde. Die Teilnehmer an dem Angriff sind teilweise in rechten Strukturen, wie z.B. regionalen Kameradschaften, organisiert und mehrfach auf NPD-​Veranstaltungen beobachtet worden. Sie sind Mitglieder der rechten Gruppen „Standarte Bremen“ und „Nordsturm Brema“ (NSHB) bzw. deren Umfeld.

Aufgrund von Zeug_innenaussagen hat die Staatsanwaltschaft nach über viereinhalb Jahren (!) einen Prozess gegen sieben Angreifer angestrengt. Diese skandalöse Verzögerung hängt nicht etwa, wie von Seiten der Justiz behauptet, mit Aussageverweigerungen der Zeug_innen zu sammen. Diese hatten sich mehrheitlich bereits drei Monate nach dem Angriff zur Verfügung gestellt. Die tatsächlichen Ursachen für den derart verspäteten Prozessbeginn bleiben also weiterhin unklar.

Am vergangenen Donnerstag, den 22.​09.​2011, begannen die Verhandlungen im Amtsgericht Bremen. Dabei wurde seitens des zuständigen Richters eine Verkürzung des Verfahrens vorgeschlagen. Sollten Staatsanwalt und Verteidigung diesem Vor schlag zustimmen, würden die Angeklagten mit schockierend milden Strafen davonkommen. Das Verfahren könnte bereits am zweiten Verhandlungstag (Donnerstag, den 29.​09.​2011) beendet sein. Ein solcher Ausgang wäre in vielerlei Hinsicht folgenschwer. Ein Umstand, der von der Justiz offensichtlich billigend in Kauf genommen wird.

Denn zu dem Ausmaß des Falles gehören massive Einschüchterungsversuche gegenüber Zeug_innen. Eine Strategie, von der nicht einmal bei Prozessbeginn abgesehen wurde. Ganz im Gegenteil kam es zu Beschimpfungen und dem Abfotografieren von Prozessbeobachter_innen und Journalist_innen. Weder der Richter noch das Justizpersonal oder die Polizei schritten dabei ent scheidend ein. Alle, die sich couragiert bereit erklärt haben, auszusagen, sind nun den Nazis über Gerichtsakten namentlich be*kannt. Jetzt seitens des Gerichts einen harmlosen Deal vorzuschlagen, der in seiner Wirkung nicht einmal einem „Schuss vor den Bug“ gleichkommt, steht in keinem Verhältnis zu dem Risiko, das die Zeug_innen auf sich genommen haben. Dies und die Ansetzung vor der niedrigsten Instanz zeigen auf, dass die Justiz die Dimension des Verfahrens nicht erkannt hat.

Der Vorschlag von Geldstrafen, teilweise auf Bewährung, wird dem politischen Charakter nicht gerecht. Die Chance, ein klares Zeichen gegen die Gewalttätigkeit von Nazis setzen zu können, würde dadurch verpasst werden. Menschen, die sich gegen die faschistischen Strukturen positionieren, würden von der Justiz alleine gelassen werden. Die Aussage des Amtsgerichts, mit dem vorgeschlagenen Übereinkommen den „Konflikt zu befrieden“, entbehrt jeglicher Realität. Es handelt sich auf keinen Fall um „innerfamiliäre Streitigkeiten“ (Verteidigung), stattdessen ist mit weiteren Übergriffen zu rechnen – erst recht, wenn die Angeklagten durch ein mildes Urteil dazu ermuntert werden. Denn eine zögerliche Rechtsprechung würde die Angeklagten sowie deren Umfeld in ihrem Handeln bestärken.

Um auf den Justizskandal aufmerksam zu machen, rufen wir zu einer Demo am Mittwoch, den 28.​09.​2011, um 17:00 Uhr auf. Vom Ort des Angriffs, dem Ostkurvensaal am Weser-​Stadion, gehen wir zum Amtsgericht Bremen. Damit setzen wir ein Zeichen gegen das unfassbare Vorgehen der Bremer Justiz und zeigen, dass die Einschüchterungsversuche der Nazis nicht fruchten.

Rechte Gewalt nicht als szenetypischen Konflikt verharmlosen! Wir lassen uns nicht einschüchtern!

von: http://racaille.de/?p=226
 
Höchste Zeit, dass das Thema auch hier seinen Platz findet. Gegen Standarte, Nordsturm und Co. wird mit der Demo kaum etwas auszurichten sein, sie stellt jedoch eine wichtige Möglichkeit dar, kund zu tun, was man vom Umgang der Justiz mit überführten Tätern aus der rechten Szene hält.

Für mich persönlich hat der Gerichtstermin der letzten Woche mit Rechtsstaatlichkeit und meinem demokratischen Grundverständnis nichts zu tun. Darum werde ich am Mittwoch dabei sein.

Ich wünsche mir noch, dass Werder Bremen nach nunmehr gut vier Jahren endlich einmal klar Stellung zu den Vorgängen bezieht.

So long,
Martin
 
Ich wohne nicht in Bremen, kenne mich von daher nicht so genau mit der Szene da aus, aber warum wird denn gegen so rechte Hooligan-Gruppierungen wie Standarte und Nordsturm nichts getan, wenn bekannt ist, was für eine Gesinnung die haben? Ich könnte mich gerade riesig aufregen :mad::mad::mad:
 
Erschreckend, traurig und zum kotzen, was da abläuft.

Schlimm genug, dass es diesen Überfall auf eine unserer Fangruppen 2007 gab, weil die sich gegen Rassismus und für Toleranz engagieren. Aber noch viel schlimmer ist doch, dass die Zeugen Angst haben müssen, auszusagen. Dass das Gericht nichts dagegen unternimmt, wenn Prozessbeobachter eingeschüchtert werden. Dass man Angst haben muss, dass man durch die Teilnahme an der Demo auch bald zu einem Opfer der rechten Szene wird. Hab sogar den Eindruck, dass der ein oder andere sich nicht mal traut, hier einen Beitrag zu verfassen. Oder warum gibt es erst 7 Beiträge zu dem Thema?

Wie kann das sein?! Wie kann es sein, dass so wenige Menschen durch Gewalt eine so große Macht erreichen? Dass keiner sich traut, etwas gegen die Täter zu unternehmen, weil sie Angst haben müssen, selbst bedroht zu werden? Das ist einfach nur furchtbar.:(
 
im FSB hatte man sich auch schon leicht gewundert, warum das thema und das urteil dann letzte woche hier so wenig wellen geschlagen hat.

bezeichnend auch, dass bis auf eine ausnahme alle postings von usern stammen die sich spätestens 2009 angemeldet haben, aber alles reinste spekulation.

es spricht absoluit nix dagegen ausser einem spätdienst oder kinder zu hause, weshalb man dieser demo fernbleiben sollte.

edit
was mir noch einfällt:

einigen scheint ja auch das politische "engagement" der einzelnen gruppen egal/ein dorn im auge zu sein, bzw sollte es nach denjenigen nicht in der kurve ausgebreitet bzw. die kurve dafür "missbraucht" werden. dann wärs ja auch ne gewisse art von doppelmoral und ein wenig heuchelei, auf die RV und Co. dann sicherlich gerne verzichten koennen!
 
würde liebend gerne zur Demo kommen, kann es leider nur logistisch absolut nicht packen :(

wünsche euch eine friedliche bunte und lautstarke Demo

ps.
Das thema ist ja leider kein einzelfall im ganzen bundesgebiet werden solche angriffe immer bakatelisiert als zwischenfall zwischen jugendlichen, fangruppen oder dergleichen. das fängt meistens nicht erst im gericht an, in vielen polizeipressemitteilungen steht meistens schon nichts mehr drin das ein angriff sich zwischen 2 Jugendgruppen standfand aufgrund von verschiedenen Politischenauffassungen. Dieses übel muss aufhören jeder angriff muss so behandelt werden von der Justiz wie er auch stand fand und nichts dazu gedichtet und auch nichts weggelassen werden, und dazu zählen auch die hintergründe der tat, die in diesem fall wohl eher politischer Natur waren.

solidarische grüße aus rostock
 
Zitat von Deichstürmer;1888452:
Pressemitteilung des Fanprojekts:

Klar ist jetzt, dass das Amtsgericht davon ausgeht, das die ... Beendigung des Verfahrens die Szene befriedet. Dies ist nicht der Fall, sondern im Gegenteil.
...
Die betroffenen Fans und das Fan-Projekt Bremen gehen nun davon aus, dass sie bei Beendigung des Verfahrens wieder Zielscheibe von erneuten körperlichen Übergriffen werden.

Ganz schön viel Spekulatius. Gibt es ernsthafte Gründe/Belege dafür? Ist seit 2007 etwas vergleichbares passiert?
 
Back
Top