Des Weiteren gibt es wohl eine Menge Stellschrauben, an denen man drehen muss, will man sich im Ranking wieder weiter oben ansiedeln, das betrifft das gesamte Spektrum, z.Zt. geht es in entgegengesetzter Richtung.
An Stellschrauben zu drehen reicht alleine nicht, es müssen strukturelle Veränderungen in der Sportförderung vorgenommen werden. Denn dass bei der Sportförderung in Deutschland sehr, sehr, sehr viel Luft nach oben ist, ist leider nichts neues. Als Beobachter beschleicht einem das Gefühl, dass Sportförderung hierzulande in den Zeiten von Turnvater Jahn stehengeblieben ist, denn sie ist nicht gerade innovativ, bewegt sich so schnell wie Teilnehmer am Beamtenmikado
("Wer sich als erstes bewegt, hat verloren") und somit fehlt es ihr Effizienz. Damit ist es für die Sportler*innen schwierig, den Spagat zwischen Leistungssport auf der einen Seite und Berufsausbildung bzw. Beruf auf der anderen Seite zu schaffen.
Jedoch hapert es nicht nur an des Spitze, sondern auch an der Breite, d.h. am basisbildenden Breitensport. Kinder und Jugendliche wollen in erster Linie Spaß am Sport haben, welcher so ganz nebenbei ein wesentlicher Faktor für die Weiterentwickelungen sozialer Kompetenzen ist. Doch wie soll z.B. ein Bankdrücker beim einer U10-Fußballmannschaft Spaß am Sport empfinden und sich somit auch sportlich weiterentwickeln, wenn er erst bei einer Drei- oder Vier-Tore-Führung eingewechselt wird? Je mehr Spaß die Kids am Sport haben, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihre sportlichen Fähigkeiten gefördert werden und sie ggf. später somit um so mehr mehr können sie später dem Leistungsanforderungen gerecht werden können.
D.h. selbstverständlich nicht, dass in jungen Jahren der Leistungsgedanke völlig unter den Teppich gekehrt werden sollte. Im Gegenteil, auch dieser gehört zur sportlichen Entwicklung dazu. Aber zielführend kann dieser Leistungsgedanke nur dann sein, wenn er zum richtigen Zeitpunkt angewendet wird. In den Debatten über die Talentförderung im Fußball wurde hier z.B. wiederholt darauf hingewiesen, dass u.a. in Frankreich die Kids ihre spielerischen Fähigkeiten auf vom französischen Fußballverband FFF finanzierten Kleinfeld-Bolzplätzen - die aufgrund ihrer geringen Spielfläche das Antrainieren dieser Skills besonders fördern - aneignen; ggf. sogar bevor sie erstmals an einem regulären Spiel eines Fußballvereins teilnehmen. Oder dass in niederländischen Talentschmieden
Feyenoord-Academy bzw.
De Toekomst von Ajax, die spielerische Ausbildung früh beginnt, während Taktikschulungen üblicherweise erst ab einem Alter von ca. 16 Jahren auf den Lehrplänen stehen.
Die Bundesrepublik Deutschland ist gemessen am BIP die drittgrößte Wirtschaftsnation der Welt. Aber ebenso wenig wie Geld alleine im Fußball keine Tore schießt, so wenig holt Geld auch alleine auch keine Medaillen bei Olympischen Spielen, wenn die strategischen Ausrichtungen nicht stimmig sind. Bzw. bei Fehlentwicklungen nicht regulierend gegengesteuert wird. Und somit ist es nicht überraschend, dass das schwache Gesamtergebnis der Olympischen Spiele in vor 4 Jahren (37 Medaillen) in diesem Jahr (33x Edelmetall) noch weiter unterboten wurde.