Wiese 2,5
Wurde relativ wenig geprüft. Mit einer großartigen Parade hielt er Werder kurz vor der Halbzeit im Spiel. Das Bild wurde nur getrübt dadurch, dass er nach wie vor mit dem Fuß unsicher ist, sodass es kaum möglich ist, ihn in Bedrängnis anzuspielen. Zwei unbedrängte Bälle mit dem Fuß misslangen ihm krass.
Prödl: 3-
Defensiv sehr aufmerksam, wenn auch nicht ganz ohne Fehler. Dass er offensiv nicht so präsent war ist a) relativ irrelevant und b) nicht ganz wahr.
Er wurde ja eingebaut, um einen weiteren richtigen Anwehrspieler in der Defensivkette zu haben und das bewährte sich, auch wenn oder gerade weil er, wenn Inter kam, stark gefordert war. Dennoch fand er noch Gelegenheit für gelegentliche Vorstöße und bereitete Pizarros erste Chance mit einer feinen Flanke vor.
Gegen Ende ging ihm glaube ich etwas die Luft aus.
Mertesacker: 3
Anfangs ging es etwas drunter und drüber, darunter litt auch er. Zudem ein, zwei etwas unsichere Abwehraktionen, als er den Ball erkämpfte, aber schwach weietrverarbeitete. Ansonsten sicher.
Naldo: 4+
Begann schwach. Anschließend weniger geprüft, aber auch sicherer. dennoch mit vereinzelten Schwächen. Guter Freistoß kurz vor Schluss.
Pasanen: 3-
Insgesamt durchaus aufmerksam, ähnlich wie bei Prödl machte sich sein Einbau bezahlt, da er sich auf die Defensive konzentrierte. Hierbei wirkte vieles etwas eierig, aber letztendlich war er erfolgreich. Nach vorne aktiver als Prödl, aber nicht mit mehr Effekt.
Frings: 3,5
Lange Zeit fiel er etwas ab. Immer wieder schlichen sich Fehler in sein Spiel ein. Aber am Tor beteiligt als er den freien Mann sah, was bei Werder nicht allzu oft der Fall war, woran das Spiel etwas krankte. Seine beste Zeit hatte er nach dem Ausgleich, als er durch kompromisslose Abwehraktionen den Ton vorgab.
Baumann: 3+
Zu Beginn war das Schlimmste zu befürchten, denn gegen druckvolle Mailänder war er läuferisch überfordert. Seine auffälligsten Aktionen dieser Phase sind jerdoch strittig. Bei der Aktion vor dem Gegentor war viel Pech dabei, als der Ball mehr oder weniger abprallte. Als er sich Gelb abholte, wurde seine läuferische Schwäche deutlich, aber das taktische Verhalten war trotzdem richtig.
Nach dem Rückstand gehörte er jedoch zu den Besten. Sehr kluges Spiel als Ballverteiler, kaum Fehlpässe (diejenigen, die eine Menge davon gesehen haben wollen, sollten sich das nochmal ansehen). Immer wieder suchte und fand er mit schnellem Spiel Anspielstationen vor dem Strafraum.
Bei den zum Glück nur noch gelegentlichen Angriffen Inters immer aufmerksam und mit mehreren wichtigen Störaktionen.
Diego: 3-
Sehr eifrig, als stets anspielbare, ballsichere Anspielstation wichtig. Bei der Weiterverarbeitung haperte es jedoch, ihm fehlten weitgehend die Ideen, um gefährliche Situationen zu kreieren und hin und wieder frönte er dabei auch seinem Lieblingsfehler, den Ball zu lange zu halten.
Özil: 2,5
Weniger auffällig, aber mit den besseren Aktionen als Diego. Versuchte immer wieder durch raumgreifendes Spiel das sonst zu langsame Spiel Werders in die richtigen Bahnen zu lenken. So bei seiner schönen Flanke zum Ausgleich.
Rosenberg: 4
Sehr eifrig, aber mit wenig Glück im Abschluss seiner Aktionen und vor dem Tor. Dennoch wegen seiner Aktivität alles andere als ein Ausfall.
Pizarro: 2,5
Machte eigentlich ein sehr gutes Spiel. War immer vorne präsent und hatte alle drei Torchancen für Werder. Hierbei hatte er einmal Pech, agierte beim Tor sehr gut, aber zum Schluss muss man eigentlich erwarten, dass ein Stürmer, der offensichtlich auf eine solche Chance lauert (das machte er sehr gut), diese etwas besser verwertet.
Aber für ihn sprach auch, dass er wieder einmal nicht nur vorne präsent war, sondern sich am Aufbauspiel beteiligte, auswich und sogar in der Defensive aktiv und präsent war.
Hunt: 4
Kam ins Spiel um eine taktische Aufgabe zu erfüllen. Das gelang auch teilweise, da er eine Position einnahm, die nach dem Ausgleich wichtiger war als die Rosenbergs. Allerdings individuell auch mit einigen Fehlern.
Die Leistung Werders ist schwer zu beurteilen. Während des Spiels war ich lange Zeit relativ unzufrieden. Der Grund war, dass Werder zunächst gegen dynamische Mailänder ziemlich überfordert schien und überrollt zu werden drohte. Hierbei gilt der Dank natürlich Wiese, der dafür sorgte, dass Werder überhaupt die Gelegenheit bekam, wieder ins Spiel zurückzufinden.
Der zweite Dank gilt Inter Mailand, das immer weniger tat.
Werder befreite sich nur langsam. Das Aufbauspiel war lange Zeit zu langsam um Inter gefährlich zu werden. Die Zahl der eigenen Torchancen spricht Bände.
Allerdings muss man auch sehen, dass es natürlich auch galt, nach dem frühen Rückstand nicht das entscheidende zweite Tor zu bekommen. Auch wenn Inter durch eigene Passivität dazu beitrug, gelang das insgesamt sehr gut, die Defensive, die insgesamt etwas wacklig wirkte, wurde nicht mehr vor größere Probleme gestellt.
Was deutlich war, ist, dass Werder natürlich noch ein Stück fehlt zur internationalen Spitze, wie sie Inter zumindest potentiell verkörpert.
Während Inter wenige Angriffe genügten, um Gefahr heraufzubeschwören, musste Werder unheimlich viel tun, um vors Tor zu kommen. Auffällig war, dass es bei Inter (und das gilt eigentlich für alle internationalen Spitzenmannschaften) häufig auch so war, dass man nur mit wenigen Spielern vorne spielen muss, um den Gegner zu beschäftigen oder zu gefährden.
Bei Werder war es dagagen so, dass, um vors Tor Inters zu kommen, fast alle Spieler mit aufrücken mussten, um durch personelle Überlegenheit auszugleichen, was an individueller Qualität fehlte.
Das führte einerseits dazu, dass das Aufbauspiel wie schon erwähnt ziemlich langsam war, sodass es sehr schwer war, die Mailänder Defensive vor schwierige Aufgaben zu stellen.
Wenn es schneller, direkter und auch über die Flügel ging, wurde es dagegen gefährlich. Aber (zu) selten.
Auf der anderen Seite führte das Aufrücken so vieler Spieler natürlich auch dazu, dass es ein gefährliches Spiel war, das Werder trieb. Ballverluste mussten unbedingt vermieden werden, um nicht ausgekontert zu werden. Wahrscheinlich war das langsame, etwas umständliche Aufbauspiel auch dieser Tatsache geschuldet und dies klappte (auch dank der zunehmenden Passivität Inters recht gut).
So galt für das Spiel zwischen dem Gegentreffer und dem Ausgleich das Prinzip Hoffnung, das aber verdientermaßen belohnt wurde. Vor allem zugegebenermaßen wegen der wie es Marcel Reif gut ausdrückte "Bräsigkeit" der Italiener. Aber auch wegen der konzentrierten Arbeit der Bremer.
Nach dem Ausgleich galt es dann wieder die Defensive zu verstärken. Und hier zeigte sich, dass einerseits Inter nicht mehr richtig ins Spiel kam, andererseits Werder aber selbstsicherer agierte als am Anfang des Spiels.
Die vereinzelten Chancen oder eher gefährlichen Situationen waren Einzelleistungen. Oder gefährlich wurde es dann, wenn über die Flügel gespielt wurde, weil Werder hier trotz des Einbaus zweier defensiver Spieler etwas wackelig war (Prödl ging die Luft aus, bei Pasanen zeigten sich Schnelligkeitsdefizite) und weil im Zentrum nicht immer konsequent geklärt wurde.
Aber Mailand konnte nicht mehr zu- oder nachsetzen, sodass Werder immer wieder die Gelegenheit fand, sich zu befreien, sei es über konsequente Befreiungsschläge (Frings), über sauberes Passspiel ins Mittelfeld (Baumann) oder über die Ballsicherheit von Diego.
Schade, dass am Ende die Gelegenheit zum (allerdings unverdienten) Sieg nicht genutzt wurde.
Aber als sonderlich glücklich kann man den Punktgewinn auch nicht bezeichnen. Wer das tut, überbewertet meiner Meinung nach die Anfangsphase. Anschließend hatte Werder das Geschehen weitgehend unter Kontrolle, ohne selbst allzuviele Akzente setzen zu können, und natürlich auch, weil Inter nichts mehr tat. Aber das ist ja nicht Werders Problem.
MFG dkbs