Ein bisschen gesundes Misstrauen hatte ich schon, denn
- eine derartige Doku hat normalerweise einen produzierenden Fernsehsender hinter sich
- die Personen und verschiedenen Orte wurden aus den unterschiedlichsten Perspektiven gefilmt. Ich konnte mir nur schwer vorstellen, dass diese Leute so tolerant sind
- Oleg spricht perfektes Deutsch. Dafür, dass er angeblich erst acht Jahre hier lebt, eine beachtliche Leistung
- bei der Autofahrt wurden alle möglichen filmerischen Mittel genutzt. Die Fahrt durch den Hinterhof ist gut gemacht, aber irgendwie auch zu klischeehaft; als Oleg während der Autofahrt gefilmt wird und im Hintergrund die Straße zu sehen ist, wirkte das alles sehr aufgezwungen und unrealistisch
- das Essen und das Bier wirkten auf mich schon sehr deutsch
- auch das "Nasdrowje" kam nicht typisch russisch, sondern eher gezwungen daher
- die Übersetzungstexte waren im Verhältnis zum Gesprochenen seeeehr kurz, einmal habe ich "kak" (wie) verstanden, was in der Übersetzung aber überhaupt keinen Sinn machte
- in der Beschreibung steht, dass das Video für den Unterricht geeignet ist. Darüber habe ich aber nicht weiter nachgedacht
Das sind so die Sachen, die mir während des Films aufgefallen sind und die mich stutzen ließen. Nichtsdestotrotz habe ich die Geschichte von Anfang an geglaubt, da sie wirklich sehr konsequent und trotz der aufgezählten Unstimmigkeiten äußerst glaubwürdig vermittelt wird. Ich habe mich auf das Klischeedenken eingelassen und es fiel mir überhaupt nicht schwer zu glauben, dass das so tatsächlich praktiziert wird. Andere Leute, denen ich das heute gezeigt habe, waren sogar noch weitaus weniger kritisch als ich.
Eine tolle Doku, die einiges bei uns offenbart. Dieser Schockeffekt gefällt mir, mehr davon!