@Campino
Ich höre Hosen wie schon gesagt seit ihrer Anfangszeit (1. Single "Wir sind bereit"). In den Texten sieht einer wenig oder keine oder der andere eben halt schon "linksradikales". Die Scheiben bis zur "Zurück zum Glück" stehen in meiner Plattensammlung. Nicht nur die Texten ihrer Scheiben als auch Interviews in sämtlichen Medien sind mir präsent. Deswegen ist halt meine Meinung, daß sie schon bewußt bestimmte Klischees bedienen (in Bezug auf ihre "Sauflieder" - Bis zum bitteren Ende, Altbierlied, 10 kleine Jägermeister oder Kein alkohol ist es vielleicht am Deutlichsten, daneben kommt dann das reiten auf der Anti-Bayern-Welle mit "Bayern" und dann halt die hier dikutierte Thematik).
Das sie "gegen alles" sind, habe ich nicht gesagt. Das sie auch andere Themen (wie z.B. Kindesmißbrauch, Abfeiern bis zum Ende, Minderheiten, Depression, Ausländerfeindlichkeit) in ihren Texten haben ist mir - ich verweise nochmals auf den bei mir "rumstehenden" vielgehörten Backkatalog der Hosen - schon bekannt.
"Liebeslied" spielt mit linksradikalen Elementen ("Es war so schnell, wie alles begann, ein fliegender Stein als Kampfsignal auf einmal brach die Hölle los. Ein Wechselbad zwischen Angriff und Flucht. Wasserwerfer Peitschen dich, Tränengas beißt im Gesicht...", Überleitung zum Refrain: Befehl an alle, bleibt besser klug. Schließt euch ein und macht die Augen zu!" Und aus dem Radio kommt ein Liebeslied, ...).
Bei "1000 gute Gründe" kann man die Textzeile, "Für jeden Querkopf ein Gummigeschoß" dahingehend werten, daß die Polizei auf Demonstranten nur Gewalt als Reaktion "anzubieten" hat - was bei "Hardcore-Linken" zum quasi Credo gehört.
Eine eher "Anti Staat Attitüde" (ob sie nun dahinterstanden, es eine Spielerei oder zu Liedgut gemachte eigene Erfahrung war kann ich und will ich nicht beurteilen) war den Hosen zumindest in der "Horrorschau Phase" und kurz davor nicht abzusprechen.
Und die Übergänge von berechtigter Staatskritik zu linksradikalität sind fließend. Nicht nur bei den Hosen auch bei "eindeutig" Linksradikal positionierten Punk-Bands (z.B. Slime bzw. Emils, die den Spruch "A.C.A.B." prägten hierzulande in der BRD).
Ich bin auch nicht so weit zu sagen, daß die Hosen (um jetzt bei ihnen zu bleiben und nicht auch noch die Ärzte zu "sezieren") in ihrer Frühphase und in jedem Text "Doppelmoralig" auftraten, das habe ich auch nicht in meinen Vorpost getan.
Bestimmte Songs von ihnen haben dieses Signet "Doppelmoral" allerdings für mich. Darunter fällt für mich halt "Paradies" (mit dem Religionslehrer hätte ich mich gerne über den Songtext unterhalten

) oder 10 Gebote. Die Botschaft aus "Mehr davon" in Bezug auf den Lebensstil bestimmter Hosen zu überprüfen - und diesen song finde ich einen musikalisch wie textlich einen der besten Hosen song ever (schon vor meiner Abstinenz!) - wird wahrscheinlich eher ein Reinfall.
Mir ist auch bewußt, daß wenn Musiker sich textlich relativ einwandfrei positionieren auch aus den Fenster lehnen - es fällt ja unter Umständen zurück. Sowie auf uns User unsere Posts halt. (Queensryche gaben sich linksrevolutionär auf Operation Mindcrime und patriotisch auf american soldier)
Was ich damals - also 92/93 - ob man ihre Mucke nun gut oder schlecht fand, immer interessant fand, daß man aus der Ecke Hosen/Ärzte sagt/sagte, daß man den Onkelz die Abkehr von rechts.radikalem Gedankengut nicht abkaufte und dies wie ein Mantra bis zum heutigen Tag wiederholt. Der eigene Backkatalog einer Untersuchung auf "Korrektheit" dann aber auch nicht unbedingt standhält.