Wie es die Vorredner schon beschrieben haben - es ist von beiden etwas.
Aus meiner Sicht verfügt Marin grundsätzlich über sehr hohe Qualität, und zwar nicht nur individuell, sondern auch intellektuell, was das Gestalterische angeht. Gerade in Bezug auf Letzteres hat er Rückrunde 09/10 voll überzeugt, hat in mehreren Systemen gespielt und in mehreren Systemen Qualität nachgewiesen. Und so was hat er nicht verlernt.
Woran kann es nun liegen, dass diese Dinge in der Vorrunde kaum zu sehen waren? a) natürlich an Marin selbst, weil er im letzten halben Jahr den nächsten Schritt verpasst hat, sich weiterzuentwickeln (was ja immer schwierig ist, wenn einer zuvor solch einen Sprung hingelegt hat) und eben b) an der Zusammensetzung der Mannschaft, die wissen muss, wie sie ihn einsetzen sukzessive mit ihm zusammenspielen soll. Ich sehe ebenfalls b) als wichtigeren Grund und teils als Ursache für a).
Dass er die Anspielstationen zu wenig effektiv nutzte, hat m.E. auch mit Selbstvertrauen zu tun. Fehlt einem Spieler das nötige Selbstbewusstsein, so tut er erstmal das, was er am besten kann und dies ist bei Marin nun mal das Dribbling. Vergleichbar Merte, der sich in gleicher Situation zu viel auf seine Antizipation verlässt, statt in gewissen Szenen den direkten Zweikampf zu bevorzugen.
Gerade in einer strukturell minderbemittelten Truppe, die keine Ordnung auf dem Platz hat, ist es für einen Marin sehr schwierig, die richtige Entscheidung zwischen Zuspiel und Einzelaktion zu treffen. Dabei geht ähnlich wie bei Hunt unter, dass er mit geschickten Laufwegen, Seitenwechseln, nach innen ziehen, wo der direkte Weg möglich war usw. unsere Offensivaktionen und den Gegner bindet. Was bei den meisten hängenbleibt, ist die Aktion in Ballbesitz, wodurch Spieler wie Hunt oder Marin (besonders ersterer) in Bewertungen zuletzt so schlecht wegkamen. Der Unterschied von Marin/Hunt bspw. zu Özil/Pizarro ist, dass die intuitiv sehr gut einschätzen können, was drum herum passiert und demzufolge in der Lage sind raumgreifender und – vor allem Özil - uneigennütziger zu spielen. Aber das verbessert sich automatisch mit konstruktiverer Mitarbeit des Teams. Und genau da liegt/lag bei Werder zuletzt die Crux.