Ich kann den aufkeimenden Zweckoptimismus angesichts des Derby nicht wirklich teilen. Mir dünkt, dass es grundlegende strukturelle Probleme in der „Mannschaft“ gibt. Dieses sogenannte Team erscheint mir aktuell als eine Ansammlung von zufällig miteinander auf dem Platz stehenden Jungmillionären in kurzen Hosen.
Bezeichnend hiezu eine Aussage vom Sportskameraden Frings:
„Dass die Grün-Weißen nur als Einheit Erfolg haben können, unterstrich auch Torsten Frings. „Es muss einer für den anderen funktioniert. Das funktioniert im Moment nicht so, wie es sonst war, aber es muss ganz schnell wieder besser werden.“ (steht so komisch auf der Werder-Seite...; wir wissen was gemeint ist..)
Dass die Spieler als Individuen Klasse-Kicker sind, steht für mich außer Frage. Potenzial ist hinlänglich vorhanden. Dies ist genauso unumstritten wie die Tatsache, dass dieses Potenzial wenig konstant und häufig auch unzureichend abgerufen wird. Wo liegen hierfür die Ursachen?
Fehlende Strukturen und Hierarchien in der Mannschaft? Neid, Missgunst, Eifersüchteleien? Die Entscheidungsträger TS und KA erscheinen mir merkwürdig ratlos in dieser Situation, die es zu Beginn der letzten Rückrunde so ähnlich schon gab. Man hofft, dass das nächste Spiel irgendwie erfolgreich gestaltet werden kann und die Welt dann wieder im grünweissen Licht erscheint. Ist es wirklich so einfach? Kann ein Erfolgserlebnis substanzielle langjährige Probleme überdecken?
Schaue ich mir die Mannschaft von 2003/2004 an, bekomme ich Pippi in die Augen. Mit Stalteri, Schulz. Valdez, Baumann, Borowski (!) muss man nicht Meister werden. Mann kann es jedoch, wenn die Einzelspieler jeweils ihre Fähigkeiten in den Dienst der Mannschaft stellen. Nicht umsonst ist Fußball ein Mannschaftssport und keine Versammlung autistischer Balljongleure....
Dilbert nachdenklich
dies kann man aber auch ganz leicht dadurch begründen, das es wechsel gab an entscheidenden positionen.
merte und naldo fehlen, dadurch sind pasanen und prödl in die startelf gerutscht - gab es so zwar auch schon in etlichen testspielen der vergangenen jahre, aber es ist neu das alles von den beiden in der zentrale abhängt, weil durch den ausfall komplett die alternativen fehlen.
dazu boenisch verletzt und somit silvestre ins kalte wasser geschmissen. heisst im klartext wie spielen momentan mit einer abwehr die aus "3 neuen" besteht - gut zu sehen auch im leistungsvergleich, denn der einzige der im moment in der abwehr einigermaßen solide spiele macht ist clemens. unser ösi und der finne sind einfach nicht eingespielt genug um für die stabilität zu sorgen, die ein neuer spieler auf der seite braucht.
damit ist schonmal die unkonstante leistung dieses mannschaftsteils gut begründet in meinen augen.
im mittelfeld herrscht meiner meinung nach momentan das größte problem.
es fehlt uns vorn der kreative part, der denker der die lücke sieht, in der zentrale durch özils abgang. man kann über ihn denken was man will - man kann ihn verteufeln oder wieder herbeisehnen - fakt ist, er war an ziemlich vielen initialpässen, die unsere restliche offensivabteilung ins spiel brachte, beteiligt. und genau dieser spielertyp ist derzeit einfach nicht vorhanden.
dazu der neuzugang wesley - der ist noch nicht 100%ig angekommen als das er schon jetzt diese rolle erfüllen könnte - dazu fehlt ihm die bindung, das verständnis wie die anderen mitspieler ticken. gut zu sehen war diese tatsache im spiel gegen genua - nach vorn lief kaum was, weil die lauf- und passwege nicht abgestimmt waren, aber als er bargfrede hinten ersetzte lief es. bargfrede selbst bewegt sich momentan richtung kategorie totalausfall, durch vermehrte fehlpässe und jetzt auch noch fehler in der defensive (wie gesagt, der typ braucht ne pause - auch wenn ich weiss das er helfen will, schafft er es zur zeit auch nicht). frings, unser defensiv rückrat, hat zur zeit auch nicht gerade seine beste zeit. bei marin scheint der wille zwar da zu sein, aber er verdribbelt sich in einer tour in den gegenspielern, zum teil weil keine anspielstation da ist durch fehlende dynamik und zum andern weil er sich zur zeit einfach im ball verbeisst wie so n kleiner terrier und die pille ums verrecken nicht rausrückt. und arnautovic ist auf verlorenem posten auf dem anderen flügel, weil er zwar will, aber auch der braucht mitspieler die rotieren und in die lücken stoßen und der kann allein auch nicht das ruder rumreissen.
aaron fehlt dieser dirigent-charakter in seiner spielweise - man merkt das er es kann, aber in der hinsicht ist auch er im moment irgendwie gehemmt und sieht sich nicht oft genug um für diese art spielertyp.
und boro.. der hat im grunde die selben probleme wie arnautovic - in einem funktionierendem gefüge passt die spielweise, aber wenn keine bewegung im spielaufbau herrscht, ist auch er auf verlorenem posten und bekommt den schwarzen peter zugeschoben.
was haben wir also im mittelfeld für alternativen?
im grunde genommen nur 2. entweder man schmeisst jensen wieder ins wasser, in der hoffnung das er das fehlende bindeglied der offensive ersetzt - oder man beschwört die mannschaft weiterhin.
die aus dieser lage resultierenden probleme im sturm lass ich mal komplett aussen vor - denn hugo ist ein guter stürmer und wagner hat potenzial (und unsere torkanone piza fehlt), aber auch die können nur mit dem arbeiten was bei ihnen vorne ankommt - und das ist momentan einfach - Null.