Insgesamt wieder einmal ein überraschend plötzlicher und summa summarum sicherlich auch interessanter Transfer; ob der Rahmenbedingungen bleibe ich aber erst einmal skeptisch. Sind ja außerdem schon genügend Spieler im Vorfeld abgefeiert worden, bevor sie überhaupt einmal trainiert oder gar gespielt hatten und dann vollkommen enttäuschten.
Fakt ist, dass der Junge gerade einmal 18 Jahre alt und über den Talenten-Status sicherlich noch nicht hinaus ist. Wobei sich mir derweil die Frage stellt, wie talentiert er tatsächlich ist und ob er nicht nur vom Ruf seines Opas profitiert!?! Ich nehme es mir, ohne ihn bis dato spielen gesehen zu haben, jedenfalls ersteinmal heraus, dass er sicherlich kein Jahrhunderttalent sein und uns nicht auf Anhieb verstärken wird. Dies wäre allerdings, wäre da nicht das Problem der finanziellen Realisierbarkeit, dringend notwendig gewesen. Stattdessen kommt da in persona Öztunali aber ersteinmal ein Sprössling, der sich auf Profi-Niveau logischerweise noch nie konstant bewiesen hat und von dem man nicht erwarten kann, dass er unserem Mittelfeld auf Anhieb Sicherheit und Struktur verleiht und inmitten des Abstiegskampfes einen fehlerfreien Part auf der Sechs oder einer anderweitigen Position der zentralen Achse spielen wird. In meinen Augen ist seine Verpflichtung also primär eine, um die Kaderbreite zu stärken, wobei ich da keinerlei Notwendigkeit gesehen habe. Was uns fehlt ist Qualität, nicht Quantität. Auf der Sechs stehen uns immerhin Kroos, Bargfrede, Makiadi und Fritz zur Verfügung, von welchen allerdings niemand höheres Niveau verkörpert. Zumal ich finde, dass uns ein wenig Erfahrung durchaus gut tun würde, gerade, wo man derzeit sogar noch einige der erfahreneren Spieler abzugeben bereit ist. Der Einsatz von Nachwuchsspielern ist sicherlich gut und schön und wird sich mittel- bis langfristig auch auszahlen, übertreiben sollte man diesen Jugendwahn allerdings gerade in diesen sportlich schwierigen Zeiten nicht, wenn man nicht in Gefahr laufen will, die Jungs zu verbrennen. Wenn man bedenkt, dass Hüsing, Sternberg, Aycicek, Mello und Selke mittlerweile fast zum Inventar des 18-Kaders gehören, sehe ich da zwar sehr viel positives, aber eben auch ein gewisses Risiko.
Die Rahmenbedingungen des Transfers sind in meinen Augen mehr oder wenig akzeptabel; im Grunde Leverkusen-typisch, sprich ohne Kaufoption (wer aber möchte diese auch erwarten? Würde für Bayer04 keinerlei Sinn ergeben, einen gerade verpflichteten und offensichtlich talentierten Spieler zu verleihen und das zu einer werderfreundlichen und realisierbaren Ablösevereinbarung im Anschluss; man hätte also allenfalls wenn er floppt die Chance, ihn zu halten, aber was bitte sollte dies dann bringen? Nachverhandlungen kann man, wenn man jüngstes Beispiel Kramer berücksichtigt, abschreiben.), mit Gehaltsübernahme und sinkender Leihgebühr/Einsatz. Wichtig vor allem, dass er, wo er in Leverkusen für einen Jugendspieler sicherlich gut verdienen wird, das Gehaltsgefüge nicht zusätzlich oder unvernünfig hoch belasten wird. Somit ist die finanzielle Belastung im Falle eines Scheiterns wenigstens relativ gering. Was mir entscheidend nicht gefällt: dass wir den Ausbildungsverein für Bayer04 spielen, wobei die seit längerem eh nicht mehr unsere Kragenweite sind, und dass Leverkusen anscheinend die Option besitzt, ihn jederzeit zurück zu beordern. Dies könnte, wenn er hier einschlägt - und das ist ja wohl die Intention hinter dem Geschäft -, früher der Fall sein, als gemutmaßt. Werder ist also von jeglicher Planungssicherheit entbunden und könnte von heute auf morgen einen Schlüsselspieler verlieren.