die Selbstbeschneidung, die Erfolge nicht strategisch durch das Wagnis eines Stadionneubaus mit sagen wir mal 55.000 Plätzen in der Nähe der A1 auszunutzen.
Dieses Wagnis wäre ein immenses Verlustgeschäft geworden. Die Preise für Stadionneubauten sind Mitte des letzten Jahrzehnts geradezu explodiert. Ein gutes Beispiel ist die 08/15-Arena in Sinsheim mit gerade einmal 26.000 Sitzplätzen für internationale Spiele, die statt der ursprünglich veranschlagten 50 Mio. Euro am Ende einen dreistelligen Millionenbetrag gekostet hat. Was hätte dann erst ein Stadionneubau mit 50.000 oder gar 55.000 Plätzen gekostet? Die Mehreinnahmen, die ein solches Stadion gegenüber dem Weserstadion gebracht hätte, hätten vermutlich nicht einmal bei einer 100% Auslastung die Kosten für Zins und Tilgung abgedeckt.
Auf den dritten Rang hat man ja auch nicht verzichtet, weil 50.000 Zuschauer unrealistisch gewesen wären, sondern weil dieser dritte Rang aus bautechnischen Gründen so teuer geworden wäre, dass er sich nicht rentiert hätte.
und operativ damit, den Özil-Vertrag nicht erst im Sommer 2010 zur WM verlängern zu wollen sondern 1 Jahr vorher
Genau das hat Werder doch versucht. Allofs ist das Thema schon im Frühjahr 2009 angegangen. Fazeli hat eine Vertragsverlängerung aber schon zu diesem Zeitpunkt kategorisch abgelehnt. Man kann einen Spieler nun einmal nicht zu einer vorzeitigen Vertragsverlängerung zwingen. Einige Spieler - wie z.B. Diego, Naldo und Mertesacker - waren zu einer vorzeitigen Vertragsverlängerung bereit, Özil leider nicht.
und -wenn man da schon gemerkt hätte, das der Spieler da nicht mit macht, entweder da schon den Umbruch einzuleiten oder damals schon nach einem verfügbaren, überragenden Individualisten für die 10er Position zu suchen.
Wir hätten für Özil zwei Jahre vor Vertragsende keine 18 Mio. Euro Ablöse erzielt, sondern weniger. Er hat 2009/2010 unter Schaaf noch mal einen Riesen Sprung hin zum Zehner in der Nationalmannschaft gemacht. Insofern war es richtig, ihn noch ein Jahr zu halten, zumal er maßgeblich zu der CL-Qualifikation und damit noch mal zu 20 weiteren Millionen beigetragen hat.
Um überragende Individualisten für die 10er Position hat Werder sich schon bemüht. Aber einerseits gibt es da finanzielle Grenzen (auch Özil wäre nicht machbar gewesen, wenn er bei Schalke gespielt hätte), andererseits hat man bei der Auswahl der Spieler schlicht falsch gelegen. Prominentestes Beispiel ist sicher CA, aber auch Spieler wie Ekici waren Flops.
Es wird hier immer so getan, als ob Werder nur einige wenige Fehlinvestitionen getätigt hätte, der Trainer aber mit dem ach so gut besetzten Kader nichts anfangen konnte. Wenn man aber sieht, dass sich 80 Prozent der Abgänge der letzten Jahre bei ihrem neuen Verein noch schlechtere Leistungen als unter Schaaf gezeigt haben, sollte man sich vielleicht doch einmal fragen, ob der Kader wirklich so gut war und mit einem anderen Trainer mehr drin gewesen wäre.
Generell finde ich den Kader auch diese Saison nicht optimal zusammengestellt. Wir haben nur zwei bundesligataugliche Außenverteidiger (Fritz, Gebre Selassie), wobei ersterer eigentlich für das defensive Mittelfeld eingeplant war und letzterer noch ein Talent ist, das erstmals auf diesem Niveau spielt. Wir haben keinen überdurchschnittlichen Sechser, dafür aber ein Überangebot an offensiven Mittelfeldspielern. Bestes Beispiel ist doch de Bruyne: Er ist auch für ein Jahr eine absolute Verstärkung, nur hätten wir eine solche Verstärkung auf anderen Positionen viel nötiger gehabt.
Entscheiden die Medien?
Genau hier liegt doch das Hauptproblem. Es ist mMn nicht gut die Medien entscheiden zu lassen.
Das hat aber nichts mit den Medien an sich zu tun, die ich auch in Bremen nicht wirklich als sanfter empfinde, sondern eben wie man mit diesen Medien umgeht.
Genau das meine ich. Niemand hat Köln, Hamburg oder Berlin dazu gezwungen, die Presse mit Trainerwechseln zufrieden bzw. ruhig zu stellen.
In Köln, Hamburg oder Berlin wäre Schaaf übrigens schon viel früher, spätestens im Sommer 2003 nach Platz 16 in der Rückrundentabelle und dem Pasching-Desaster entlassen worden. Nicht etwa, weil der mediale Shitstorm dort größer ausgefallen wäre, sondern weil man sich anders in Bremen dem medialen Druck gebeugt hätte.
Wir können gerne darüber diskutieren, ob Schaaf aktuell noch der richtige Trainer und/oder Allofs noch der richtige Sportdirektor ist. Aber damals wie heute gilt: Die Verantwortlichen (sprich: AR und GF) müssen sich da nicht nach der Presseberichterstattung oder der Mehrheitsmeinung in den Internetforen richten, sondern können selbst über die Personalie entscheiden.