Nachdem die Saison nun ein paar Wochen alt ist und die ersten Spiele gemacht sind, zeichnen sich ein paar Konturen im Kader ab.
Auch wenn das System flexibel bleibt, gehe ich bei den Bemerkungen hier von einem 4-3-3 aus, das mir als das "Haupt"system erscheint.
Tor
Mielitz (1), Wolf (20), Strebinger (30)
Stammspieler:
Dutt hat sich früh auf Mielitz als Nr. 1 festgelegt. Das konnte man vor dem Hintergrund verstehen, daß es notwenig war, eine klare Linie in die Mannschaft zu bekommen, eine Basis, auf der man arbeiten und aufbauen kann.
Perspektive:
Obwohl Mielitz immer wieder in der Kritik steht, hat er sich bereits gesteigert. Strebinger ist klare Nr. 3, würde ich meinen. Wolf wird es eher schwer haben, Mielitz zu verdrängen - da müßte er im Tranining wohl deutlich zulegen. Das andere Szenario: Mielitz patzt reihenweise. Das glaube ich eher nicht, sondern vielmehr, daß er an Ruhe gewinnt, wenn sich (mit hoffentlich eintretenden) Erfolgen die Nervosität legt.
Innenverteidigung
Caldirola (3), Pavlovic (4), Lukimya (5), Prödl (15)
Stammspieler:
Hier haben Caldirola und Prödl ganz klar die Nase vorn. Auch hier hat Dutt mit der frühen Festlegung auf Prödl als Abwehrchef überrascht und für Kritik gesorgt. Und - ähnlich wie Mielitz - haben sich die Leistungen von Prödl stabilisiert. Aber war diese Festlegung wirklich eine Überraschung? Ich meine nicht, denn es besteht nicht die Aussicht einer Alternative. Alles andere als diese Festlegung wäre kontraproduktiv gewesen.
Perspektive:
Alles andere als ein Duo Caldirola/Prödl kann ich mir - trotz Caldirolas Ausflügen auf die Linksverteidiger-Position - nur schwer vorstellen. Lukimya nimmt wohl die Position des robusten und pflegeleichten Backups ein.
Fragezeichen:
Bisher enttäuschend muß sich die Situation für Pavlovic darstellen. Obwohl er für seine Fähigkeiten der Spieleröffnung gelobt wird, scheint er bei Dutt keine Rolle zu spielen. In Richtung Leihe hört man über ihn auch nichts. Ich denke, daß sich auf mittlere Sicht auf dieser Position etwas tun wird. Vermutlich nicht mehr in diesem Sommer, aber eventuell im Winter, spätenstens dann vor der nächsten Saison.
Ergänzung:
Gerade las ich, daß eine Leihe von Pavlovic in Erwägung gezogen wird. Dann muß man sich natürlich die Frage stellen, ob man mit drei Innenverteidigern eine Saison bestehen kann. Denn im Kader gibt es wenige, die dort aushelfen könnten. Kroos, der diese Position jedoch nicht liebt.
Außenverteidiger
Fritz (8), Schmitz (13), Selassie (23), Hartherz (26), Röcker (29)
Stammspieler:
Fritz als Kapitän ist gesetzt und Schmitz hatte sich offenbar (sicher auch mangels Alternativen) durchgesetzt.
Zweite Reihe:
Dutt scheint in der Spielweise von Selassie viel davon zu sehen, wie er sich das Spiel der Außenverteidiger vorstellt. Deshalb ist dieser offensichtlich nah dran an der ersten Elf. Seine Versetzung auf die linke Seite spricht dafür - wenigsten zum Teil, da auch hier gilt, daß es womöglich an Alternativen mangelt.
Im Moment außen vor:
Röcker und Hartherz konnten Dutt offensichtlich nicht überzeugen. Bei Hartherz ist von Leihe die Rede, Röcker soll in der U23 spielen.
Perspektive:
Es wird spannend, was passiert, wenn Fritz und Selassie für die rechte Seite zur Verfügung stehen. Naturgemäß dürfte Fritz als Kapitän die Nase vorn haben. Aber kann Selassie Schmitz eventuell verdrängen? Denn dieser ist - bei aller defensiven Solidität - nicht unbedingt die Idealbesetzung eines Außenverteidigers.
Die Neuverpflichtung eines Linksverteidiger ist meines Erachtens deshalb sehr gut vorstellbar. Ich persönlich fände einen erfahrenden Spieler, wie er in der Person von Riise diskutiert wird, im Anbetracht des jungen Kaders gut für die Balance. Aber daß es dazu kommt, glaube ich eher nicht. Womöglich schlägt man sich bis zum Winter (oder gar bis zum Sommer) mit diesem Provisorium durch, da keine überzeugenden Kandidaten für Werder zu verpflichten sind.
Interessant:
Ich finde es auffällig, daß Ignjovski, der in den letzten Saisons häufig als Außenverteidiger zum Zuge kam, bei Dutt erst als Ersatz-Ersatz-Ersatz-Ersatz (Schmitz, Selassie, Caldirola, dann er) eingesetzt wurde. Dazu später mehr.
Mittelfeld
Makiadi (6), Ekici (10), Junuzovic (16), Ignjovski (17), Kroos (18), Trybull (25), A. Stevanovic (34), Bargfrede (44)
Stammspieler:
Dutts Wunschspieler Makiadi sowie der Dauerrenner und -arbeiter Junuzovic und Ekici haben zumeist das Mittelfeld gebildet. Als Ekici nach vorn versetzt wurde, kam Kroos zum Einsatz, der ganz offensichtlich hohe Wertschätzung von Dutt genießt (nicht zu Unrecht, wie ich finde). Ihn zähle ich somit noch zur ersten Reihe. Kroos dürfte nun den Sprung geschafft haben in den Profikader. Genau wie Ekici erhält er Vertrauen; beide können sich (endlich) entfalten.
Die Verletzten:
Bargfrede war in den letzten Jahren immer Stammspieler. Nun hat ihn erst einmal eine Verletzung rausgenommen. Ähnlich geht es Trybull.
Im Moment außen vor:
Daß mit A. Stevanovic (der leider auch viel zu verletztungsanfällig ist) ein weiterer Nachwuchsspieler eine Chance bekommen kann, halte ich für sehr, sehr unwahrscheinlich.
Perspektive:
Dutt bevorzugt offensichtlich spielstarke und vielseitige Spieler im Mittelfeld, die sowohl in der Defensive bissig, aber auch in der Lage sind, sich am kreativen Spielaufbau zu beteiligen. Da wundert es nicht im Geringsten, daß Kroos nun seine Einsätze bekommt. Trybull wäre ein ähnlicher Typ, der eventuell noch nicht ganz so weit ist. Er wurde jedoch durch seine Verletzung zurückgeworfen und wird es deshalb womöglich schwer haben, als weiterer Nachwuchsspieler aufgebaut zu werden.
Überhaupt ist die Anzahl der Mittelfeldsspieler hoch und ich denke, daß Werder dort auch die höchste Leistungsdichte hat. Deshalb wird es für einige schwer werden. Ich denke da an Ignjoski und Bargfrede, die vermutlich nicht vollständig den Vorstellungen Dutts entsprechend. Bezeichnend finde ich bereits jetzt, wie selten Ignjovski zum Einsatz kommt.
In diesem Mannschaftsteil wird sich deshalb vermutlich einiges tun in den kommenden Transferperioden, der ein oder andere wird den Verein verlassen müssen. Eichin hat bereits dargelegt, daß arrivierte Profis, die es nicht in die erste Reihe schaffen, den talentierten Spielern aus der U23 nicht im Wege stehen sollen.
"Sturm"
Arnautovic (7), di Santo (9), Elia (11) Hunt (14), Akpala (19), Petersen (24), Wurtz (27), Aycicek (28), P. Stevanovic (31), Yildrim (32)
Fragezeichen:
Hier fange ich mit den Unsicherheiten an, da mir noch nicht ganz klar ist, wie Dutt sich die offensive Dreierreihe vorstellt. Doch erst einmal zu dem, was bereits klar ist:
Stammpieler:
Hunt wurde von Dutt zum Offensiv-Kapitän erklärt. So unglücklich ich diese Bezeichnung finde, zeichnet sich doch ab, daß Hunt in der Offensive gesetzt ist, wo er als falscher Neuner, als Halbstürmer fungieren soll. Die Außenpositionen sind keine klassischen Außenstürmer, sondern sollen beweglich sein und rochieren, sobald Hunt eine Position verläßt. Zum Einsatz kamen da bisher Petersen und Elia, aber auch Yildrim und Arnautovic. Sogar Ekici wurde auf dieser Position eingesetzt.
Im Moment außen vor:
Die Offensive ist weit davon entfernt, eingespielt und routiniert zu wirken. Womöglich ist das keine gute Voraussetzung für Nachwuchsspieler. Füllkrug wurde bereits verliehen, bei Wurtz ist davon ebenfalls die Rede. Ebenfalls konnten sich Stevanovic und Aycicek (der in der Vorbereitung als Rechtsverteidiger eingesetzt wurde!) nicht in den Vordergrund spielen.
Akpalas Woche bei Reading dürfte klar gemacht haben, daß ihm nicht zugetraut wird, eine die Mannschaft voranbringenden Rolle zu übernehmen.
Weitere Fragezeichen ...
... gibt es einige. Es wäre Eichin und Dutt offenbar mehr als willkommen, wenn Arnautovic den Verein verließe. Ein Wechsel von ihm würde voraussichtlich Gelder frei werden lassen, die es Werder gestatteten, auf dem Transfermarkt aktiv zu werden. Doch scheint das für Arnautovic keine Option zu sein, weshalb man ihn in das Bremer Spiel integrieren muß.
Perspektive:
Neben Hunt dürften vor allem auf Neuzugang di Santo die Hoffnungen ruhen. Dieser ist weder ein klassischer Mittel- noch ein klassischer Außenstürmer und dürfte damit genau dem Typ vielseitigen Offensivspieler entsprechen, das Dutt gern einsetzen möchte. Ähnliches könnte für den beweglichen Yildrim gelten, der ganz offensichtlich - wie Kroos - ganz nah dran ist und aufgebaut werden soll.
Unterm Strich hat Werder im Moment zu viele Spieler im Kader, die nominell im Sturm spielen, die aber offenbar in Dutts Konzept keine Rolle spielen. Das blockiert natürlich auch Gelder, die dringend benötigt werden, um die Mannschaft zu verändern und damit auch zu entwickelt. Einstweilen dürften Petersen, Elia, di Santo, Yildrim und Arnautovic für die beiden Positionen neben Hunt vorgesehen sein.
Noch mehr Fragezeichen:
Bisher gelingt es Werder selten, selber Offensiv-Druck zu erzeugen. Ich denke, daß das vordringliche Problem hierbei die fehlende Abtimmung ist. Hier kann man mit der täglichen Arbeit im Training mit dem bisherigen Personal noch eine Menge erreichen. Eine weitere Neuverpflichtung wird vermutlich mit Arnautovic Abgang zusammenhängen und ist deshalb im Moment eher unwahrscheinlich.