Von Almeida kriegt man immer etwas, auch wenn er kein Tor macht. Das ist ein Spieler, der immer auf dem Platz ist, auf den man aufpassen muss, der sich in die Zweikämpfe haut und eine Durchschlagskraft hat, der Räume für andere schafft.
Tja, genau das sehe ich leider anders.
Almeida bewegt sich manchmal viel, aber viel zu oft falsch, auch nach hinten. Gegen die Tschechen wirkte er fast komplett wie ein Fremdkörper. Exemplarisch beim 1:0, wo er da hinläuft (jetzt kommt bestimmt die Behauptung, er hätte den Gegenspieler wichtig gebunden), kann er von außen kaum gewinnbringend angespielt werden, weder flach, noch hoch. So kommt die Maßflanke eben auf CR7. Gegen Spanien war das besser, aber gegen Spanien sah er schon bei der letzten WM gut aus. Warum?
Almeida sieht gegen Mannschaften, die stärker auf Spieldominanz aus sind, mitunter besser aus, weil er Platz und Zeit braucht, um sein Spiel spielen zu können. Sowie es gegen massiert und tief stehende Kontrahenten geht, zeigen sich die tatsächlichen Almeida Qualitäten. Dann kommt es auf Intelligenz, spielerische Komponenten, Handlungsschnelligkeit, Balltechnik usw. an und da bricht es bei Hugo meistens ein.
Wer die portugiesischen Vorbereitungsspiele gegen Mazedonien und die Türkei gesehen hat, wie ich, kann sich nicht ernsthaft fragen, warum Almeida zu Beginn der EM draußen saß und bis zur Postiga-Verletzung überhaupt keine Rolle zu spielen schien.
Vielleicht hat Almeida gegen Spanien ein Klassespiel gemacht, im Rahmen seiner Möglichkeiten. Nur sind die halt (teils arg) begrenzt. Wenn Alexander Meier (Achtung bewusst überspitzt formuliert!) in die deutsche Nationalmannschaft berufen wird, weil wir keinen Besseren auf der Position haben und sich gegen Italien mit all seinen bescheidenen Mitteln voll reinhaut, hätte er vermutlich nicht schlechter ausgesehen als Gomez, aber im Gegensatz dazu Anerkennung bekommen und seine taktische Rolle ausgefüllt. Weil mehr nicht zu erwarten war. Nur bringt es der Truppe nicht annähernd das, was notwendig wäre.
Viel mehr wurden Hugo Almeida schon bei Werder alle möglichen Qualitäten und Stärken angedichtet, weil Fans es nun mal geil finden, wenn einer einen 30m-Freistoß ins Netz nagelt, auch sonst zumindest vordergründig durch seine Wucht besticht und weil er oft gegen den HSV getroffen hat.
Almeida hat als einzige herausragende Fähigkeit, die war allerdings bei Werder überragend Kraft. Daraus generiert er alles andere, was er sonst noch auffällig kann. Sprungkraft, physische Präsenz (zumindest optisch) im Strafraum, Brachialgewalt und Schussstärke mit dem Vollspann.
Nur fussballerisch ist da wenig drin. Zum Beispiel vom Kopf her - dynamisches Positionsspiel mit kluger Übersicht, welches tatsächlich die Verteidiger bindet und für nach- oder einrückende Mitspieler Lücken schafft, was Almeida nicht hinkriegt, weil er ständig falsch steht, mit seltsamen Laufwegen aufwartet oder eben viel zu lange auf der Leine hängt (im bei Werder nur allzu oft bekannten "Schnarch-Modus"). Wenn die Kurbel im Kopf da das erste Mal durch gerattert ist, sind 2,5 Spielzüge vergangen. Oder sich korrekt anzubieten und so oft wie möglich anspielbar zu sein. Alles so DINGE, die ich unter der Rubrik "Spielverständnis" einordnen würde und die heutzutage gerade bei einem alleinigen Mittelstürmer gefragt sind, die aber Almeida abgehen.
Und das dürfte auch ein Grund sein, weswegen er sich trotz relativ guter Torquote immer wieder schnell auf der Bank wiederfand, gerade bei Werder waren diese DINGE im Sinne der Spielphilosophie des Trainers gefragt. Genauso wie es DER Grund ist, warum ich persönlich wenig von Almeida halte. Denn was nützt einer, der groß und wuchtig und allein dadurch anderen zumindest nominell überlegen (für seinen Körper kann er ja nicht viel), aber überhaupt keine Ahnung hat, wie er sich richtig stellen/ bewegen muss und zudem fussballerische Schwächen aufweist? Klar hat Almeida im Spiel mal einen Doppelpass, Hackentrick oder ein paar gute Ablagen drauf, das lässt sich doch aber nicht zu einer besonderen Qualität hochstilisieren, gerade auch weil dem mindestens ebenso oft das Verspringen oder zu weite Vorlegen des Spielgerätes oder eine schlechte Ballbehauptung und wie gesagt ein miserables Anbieten/ Positionsspiel gegenüber steht.
Es ist eben nicht richtig wie oben behauptet, dass "Räume schaffen für andere" oder "die Verteidiger entscheidend beschäftigen" zu Almeida` s Stärken gehört. Almeida nimmt anders am Spiel teil, ja. Aber weniger nutzlos?
Desweiteren zeigte eine Szene im Spiel gegen Tschechien einmal mehr die "Kopfballqualität" von Hugo Almeida. Freistehend kommt er zum Kopfball, springt sehr hoch, liegt elegant in der Luft und drückt scheinbar den Ball. Sieht alles toll aus. Aber er hat ein völlig falsches Timing, der Kopfball ist am Ende so ein Mittelding zwischen Schulter und Stirn. Das reicht eher mal für eine Ablage, aber vergleichsweise selten für ein Tor.
Almeida` s Kopfballstärke und Durchschlagskraft ist ein Mythos.
Wenn das alles so klasse wäre, wie immer wieder behauptet wird, dann frage ich mich doch, warum Hugo Almeida mit Anfang 20 in Porto nur 5. Stürmer hinter so Weltklasseleuten wie McCarthy, Postiga, Jankauskas, Ivanildo oder Souza war, worauf hin Verleih-Arien durch die starke portugiesische Liga folgten. Warum ihm bei Werder immer wieder Leute wie Sanogo, Rosenberg oder zuletzt gar Sandro Wagner vorgezogen wurden und er bei Portugal erneut hinter dem absoluten Durchschnittsstürmer Postiga zweite Wahl ist. Die haben alle keine Ahnung und unterschätzen das Weltklasse-Talent Almeida wahrscheinlich kontinuierlich.
Immerhin hat er es im besten Stürmeralter beim Tabellenvierten der türkischen Operettenliga zu mehr als einem Ergänzungsspieler geschafft. Immerhin 10 Liga-Spiele über 90 Minuten und EL-Einsätze in der Gruppenphase. 10 Liga-Tore, 1 EL-Tor.
Ich bin jetzt froh, dass das Kapitel Rosenberg bei Werder vorbei ist und ich war im Januar 2011 nicht böse, als die portugiesische Wundertüte weg war. Das sind keine Stürmer, die Werder in irgendeiner Form weiterbringen, vor allem dann nicht, wenn wir wieder da hin wollen, wo Werder vor nicht allzu langer Zeit schon mal war.