Homophobie im Fußball

Für mich habt Ihr da beide auch Recht: Einerseits kann man dem einzelnen Fußballer nur davon abraten, sich als schwul (oder auch alternativ als depressiv, ohne beides in irgendeiner Weise gleichsetzen zu wollen) zu outen, weil er davon (beruflich) nur Nachteile hätte. Was würdet ihr sagen, wenn Allofs plötzlich 7 Millionen für einen schwulen Fußballer raushaut? Richtig: Das Risiko ist zu groß, dass er dem Druck, dem medialen Interesse, den Beleidigungen einiger, den Witzen der Mitspieler, den Attacken der Gegenspieler etc. pp. nicht standhalten wird. Also wird Klaus Allofs auch keine 7 Millionen für einen schwulen Fußballer hinlegen und also kann man es dem schwulen Fußballer auch in keinster Weise raten, sich zu outen.

Aber es ist natürlich richtig, dass es wünschenswert und für die Akzeptanz von Homosexualität und die Bekämpfung von Homophobie vorteilhaft wäre, wenn sich Spieler outeten, weil man dann die Ratten, die aus ihren Löchern gekrochen kommen, um sich homophob zu äußern, "totschlagen" könnte. Dafür müsste es aber eine größere Gruppe inklusive bekannter "Stars" geben. Und selbst das kann die Bedenken nicht zerstreuen. Ich würde es als Fußballer nicht tun.
 
@Kurt Cobain
Sieh es einfach mal so. Wenn du ein schwuler Fußballer wärest, würdest du es toll finden, wenn die Medien die ganze Zeit immer nach Outings schreien?
Wohl eher nicht. Wir sind uns sicher einig, dass das ein bedeutendes Problem in unserer Gesellschaft ist, aber dieser Ruf nach Outings geht mir gehörig auf den Geist, weil es den "Betroffenen" überhaupt nicht hilft, eher im Gegenteil. Das ist keine Angelegenheit, die groß in den Medien breitgetreten werden muss. Medienzirkus hievt das Ganze nur auf ein Podest und macht es zu etwas Besonderem und genau das soll es doch gar nicht sein. Den Homophoben muss klar werden, dass es eben ganz normal ist und nicht, dass es was ganz Spezielles ist.
 
würde es dir als schwulen Profi gefallen, wenn du ständig nur darauf reduziert wirst?
Scheißegal, wie du spielst.... du bist immer der Schwule, der sich geoutet hat....
 
Sind es die schwulen Fußballer, die immer wieder dieses Thema anfangen oder die Medien? Stell dir vor, ein Fußballer outet sich nun und die Medien verbreiten dies wie ein Lauffeuer. Ist das wirklich toll für diesen Menschen? Nein. Dann ist seine Karriere so gut wie im Eimer, weils plötzlich jeder weiß. Bei einem Outing unter Freunden/Verwandten/Teammitgliedern etc. wäre das nicht der Fall. Einige würden mit Anfeindungen reagieren, anderen wäre es egal, aber die allermeisten wüssten es gar nicht und keinen würde es jucken. Zwar würde es sich langsam rumsprechen, aber im Endeffekt ist das mMn deutlich besser als die öffentliche Kundgabe. Ich hoffe, es ist verständlich, worauf ich hinauswill.

Du verkennst hier aber eine ganz wichtige Sache und die ist, das wenn man sich nicht outet man einem Leidensdruck ausgesetzt ist sich verstellen zu müssen. Da jeder von einem Fussballer erwartet hetero sein zu müssen und danach auch zu leben, was aber gar nicht seiner Natur entspricht. Es ist schon erstrebenswert die Gesellschaft soweit zu bekommen das Schwule so leben können wie sie wollen ohne dabei übermässigen Anfeindungen ausgesetzt zu sein.
 
Mir ist es scheißegal mit wem und wem nicht Fußballer ins Bett gehen. ein jede(r) nach seiner Facon soll glücklich werden. Sagte schon Freidrich der Große. Dem braucht und kann man/frau nichts mehr hinzufügen.
 
Es geht weniger um den Medienzirkus. Es geht ums Geld. Ein schwuler Fußballer ist ein Risikofaktor und kriegt weniger Geld, weniger Angebote etc. Ganz simpel. Und so blöd ist wohl keiner.
 
Mir ist es scheißegal mit wem und wem nicht Fußballer ins Bett gehen. ein jede(r) nach seiner Facon soll glücklich werden. Sagte schon Freidrich der Große. Dem braucht und kann man/frau nichts mehr hinzufügen.

Und das ist für mich genau das falsche Denken, nur weil man selbst so tolerant ist und es einem scheißegal ist wen wer liebt oder eben nicht, heisst das noch lange nicht das es Normalität ist. Und deswegen bin ich nicht bereit zu akzeptieren das man darüber nicht reden sollte. Denn es wird noch viel zu wenig über solche Dinge gesprochen und so gedeiht die Homophobie immer weiter, weil die wenigsten ihrem Mund aufbekommen und was dagegen sagen. Wie soll man denn so daran etwas ändern?
 
Es geht weniger um den Medienzirkus. Es geht ums Geld. Ein schwuler Fußballer ist ein Risikofaktor und kriegt weniger Geld, weniger Angebote etc. Ganz simpel. Und so blöd ist wohl keiner.

ey, sorry! aber das ist Blödsinn.
Die verzichten doch nicht auf ein Outing, weil sie dann weniger Geld bekommen, weil sie als "Risikiofaktor" schwer vermittelbar sind.
Genau deswegen muss ja zu mehr Toleranz und Akzeptanz und gegen Homophobie, Rassismus etc. in den Stadien vorgegangen werden.
Allein dass du sagst, ein schwuler Fußballer sei ein Risikofaktor sagt doch schon alles...
 
ey, sorry! aber das ist Blödsinn.
Die verzichten doch nicht auf ein Outing, weil sie dann weniger Geld bekommen, weil sie als "Risikiofaktor" schwer vermittelbar sind.

Doch, genau das glaube ich.

Wenn überall bekannt wird, dass Spieler xyz schwul ist, dann werden sich alle fragen: "Hält er das aus? Wird er dem Druck der Öffentlichkeit standhalten?" Und das heißt eben auch, dass man im Zweifelsfall lieber einen anderen Spieler holt.

Es gibt viele andere Beispiele im Fußball. Ein guter Spieler, der in Brasilien spielt, kriegt auch weniger geboten als ein gleichguter Spieler, der in einer großen europäischen Liga spielt, weil man bei Brasilianern (und anderen Spielern, die nicht in europäischen Ligen spielen) ein größeres Risiko eingeht. Das wird natürlich, wie man im Börsenjargon sagt, "eingepreist".

Oder nimm den Biermann. Der war so frei, das Gerede nach Enkes Tod ernstzunehmen und sich als depressiv zu outen. Folge: Arbeitslosigkeit.

Fußball ist ein Geschäft, da geht es um viel Geld. Da ist alles, was als Makel auch nur erscheinen könnte, viele tausend Euro wert. Das muss man immer bedenken.
 
Du verkennst hier aber eine ganz wichtige Sache und die ist, das wenn man sich nicht outet man einem Leidensdruck ausgesetzt ist sich verstellen zu müssen.
Was ist schlimmer? Dieses Leiden oder der äußere Druck, der nach solch einem öffentlichen Outing zustande käme? Oder der Druck, der durch den Schrei nach Outings ausgelöst wird? Das ist keine Aufklärung für mich, sondern eine Hetzjagd. Auch wenns übertrieben ausgedrückt ist. Dadurch wird den Betroffenen nur noch mehr klar, dass Homosexualität immer noch was total Unnormales in der Gesellschaft ist. Wenn endlich mal allen klar wäre, dass da überhaupt nichts Besonderes dran ist, müsste sich auch niemand über Outings Gedanken machen. Dann würde es nämlich niemanden interessieren.
 
Was ist schlimmer? Dieses Leiden oder der äußere Druck, der nach solch einem öffentlichen Outing zustande käme? Oder der Druck, der durch den Schrei nach Outings ausgelöst wird? Das ist keine Aufklärung für mich, sondern eine Hetzjagd. Auch wenns übertrieben ausgedrückt ist. Dadurch wird den Betroffenen nur noch mehr klar, dass Homosexualität immer noch was total Unnormales in der Gesellschaft ist. Wenn endlich mal allen klar wäre, dass da überhaupt nichts Besonderes dran ist, müsste sich auch niemand über Outings Gedanken machen. Dann würde es nämlich niemanden interessieren.

Und es wird zur Normalität wenn man das Thema totschweigt? Und was nun schlimmer ist wird dir momentan keiner beantworten könne, aber der Leidensdruck scheint bei manchen so hoch zu sein, das sie den Fussball dann doch aufgeben, weil sie der Meinung sind beides zusammen geht nicht. Lies dir doch mal das Buch vom Herrn Urban durch. Ob es wirklich eine Hetzjagd wäre, das kann momentan so keiner sagen. Ob es wirklich eines Outings Bedarf um den Menschen klar zumachen das es nicht Unnormales ist, weiss ich nicht. Trotzdem sollte jeder der sich für tolerant hält auch seinen Teil dazu beitragen damit es eben doch irgendwann zur Normalität wird und es kein Thema mehr sein muss ob ein Fussballer oder was auch immer schwul ist. Und er mit seinem Lebenspartner ganz normal leben kann. Ich fände es im Endeffekt hilfreich wenn zumindest jemand der nicht mehr aktiv ist sich outen würde. So kann sich dann der intoleranter Teil der Menschen nicht mehr einreden das es das nicht gibt. Natürlich gehört dazu Courage das bestreitet auch keiner, aber hilfreich für die Sache wäre es schon. Und auch in der Geschichte mussten Menschen für ihre Überzeugungen Probleme in Kauf nehmen, das ist leider nicht zu verhindern. Aber wie ich schon mehrfach sagte, Totschweigen macht es auch nicht wirklich besser.
 
Und es wird zur Normalität wenn man das Thema totschweigt?
Jain. Aber in die Richtung denke ich schon. Die Menschen müssen aufgeklärt werden. Homosexualität muss zum Alltag gehören. Es wird aber nicht zur Normalität, wenn man immer wieder nach Outings schreit. Das müssen die schon von alleine nach und nach machen. Solange danach geschrien wird, wird sich niemand freiwillig outen, denn das Geschrei sagt aus "Hey ihr seid total unnormal, aber wir können verstehen, wie ihr euch fühlt".
Es soll ja nicht totgeschwiegen werden, aber nicht immer mit solch einem Trara von Leuten, die nicht einmal betroffen sind, sondern nur den Pseudosozialen raushängen wollen. Das ist für mich wie mit den Menschenrechtlern, die Buchverläge verklagen, weil in deren Kinderbuch nur weiße Kinder vorkommen oder so.
Ich würde mich jedenfalls nicht trauen, wenn ich wüsste, dass darum solch ein Medienaufstand gemacht werden würde. Das perfekte Outing wäre schließlich, wenn hinterher alle "Na und? Ist mir doch egal." sagen würden und nicht "Jaaa! Endlich!". Das ist aber nicht der Fall und das zeigt auch dieses Thema wieder einmal wunderbar.
 
hattest du denn schonmal mit der Thematik zu tun, wenn zum Beispiel Leute von jemandem erfahren habe das er homosexuell ist? Ich schon und die Reaktionen waren bisher sehr oft das von dir bevorzugte "Na und, ist uns doch egal". Und wenn die Reaktion anders ausfällt kann man auch mit denjenigen Menschen versuchen zu reden. Wobei ich nicht weiss ob es nicht besser ist, wenn das wie in meinem Fall jemand nicht betroffenes macht oder die Person selber. Aber auf jeden Fall kann man Menschen auch zum Umdenken bewegen, wenn man einfach offen darüber spricht. Und ich rede hier nicht von Medien und der Öffentlichkeit, sondern im normalen Umgang miteinander.
 
Wir reden hier aber nicht von irgendwelchen Homosexuellen, sondern von Fußballern. Es gibt wohl kaum einen homophoberen Bereich als den Herrenfußball. Ein Fußballer, der sich outet, wird seinen Beruf an den Nagel hängen können. Es wäre durchaus wünschenswert, wenn sich ehemalige Fußballer outen würden, aber die werden wohl auch einfach keine Lust auf eine öffentliche Diskussion über ihre Sexualität haben. Wer will das schon?
 
Reden wir wirklich NUR davon? Das eine bedingt doch das andere. Wenn die Gesellschaft allgemein toleranter und offener mit der Sache umgeht, wird es auch homosexuellen Sportlern leicht fallen offen zu leben wie sie es gern möchte. Man kann das eine doch nicht vom anderen trennen! Und vor allem sollte man das meiner Meinung nach auch nicht! Das ist doch genauso ein Schubladendenken was erst zu solcher Intoleranz führt! Es sind im Endeffekt alles Mensch ob nun Fussballer oder nicht.
 
Ja und da sind wir an dem Punkt, den ich meinte. Die Gesellschaft zeigt mit dieser Debatte ja selbst, dass sie noch nicht bereit ist, Homosexuelle als ganz normale Menschen zu sehen. Man hilft niemandem, in dem man darüber redet. Man muss was tun. Und das können nur die Betroffenen selbst. Mit öffentlichen Diskussionen erhöht man nur den Druck.
 
Dass die Gesellschaft da immer noch nicht tolerant genug ist, zeigt sich doch beim gegenbeispiel:

"Im Damenfußball sind alle Frauen lesbisch!"
öhm jaa.... da stellt sich aber auch keine hin und schreit:"joaah, stimmt! Ich bin lesbisch."
Dass is ja auch nur so n Stigma, dass sie aufgedrückt bekommen.
 
Reden wir wirklich NUR davon? Das eine bedingt doch das andere. Wenn die Gesellschaft allgemein toleranter und offener mit der Sache umgeht, wird es auch homosexuellen Sportlern leicht fallen offen zu leben wie sie es gern möchte. Man kann das eine doch nicht vom anderen trennen! Und vor allem sollte man das meiner Meinung nach auch nicht! Das ist doch genauso ein Schubladendenken was erst zu solcher Intoleranz führt! Es sind im Endeffekt alles Mensch ob nun Fussballer oder nicht.

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