Es kann nicht im Sinne des Fußballs sein, solche Dinge zu dulden.
Solche Dinge werden auch nicht geduldet. Düsseldorf wird das erste Bundesligaheimspiel vermutlich ohne Zuschauer austragen müssen. Außerdem hätte Stark sich auch dazu entscheiden können, das Spiel nicht wieder anzupfeifen. Dann hätte Hertha die Punkte und damit den Klassenerhalt am grünen Tisch zugesprochen bekommen. Auch in Zukunft wird es im Ermessen des Schiedsrichters liegen, ob er das Spiel bei einem Platzsturm abbricht oder nur unterbricht. Ganz abgesehen davon können die Fans, die den Platz gestürmt haben, wegen der zu erwartenden Strafe des Sportgerichts auch finanziell in Regress genommen werden. Ich habe überhaupt nicht die Befürchtung, dass es jetzt zu mehr Platzstürmen kommen wird als vorher.
Die andere Frage ist die, ob ein Spiel, das durch die Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters zu einem Ende gebracht wurde, wiederholt werden soll. Und bei dieser Frage bin ich ausnahmsweise mit der DFB-Sportgerichtsbarkeit einer Meinung. Die Annulierung einer Spielwertung darf nur in absoluten Ausnahmefällen in Frage kommen. Hier wurde kein Spieler oder Trainer von Hertha tätlich angegriffen, bedroht oder gar verletzt. Anders als z.B. beim Spiel Mainz-Köln, bei dem Podolski von einer Münze getroffen wurde, aber weiterspielen konnte. Hätte man das Kölner Spiel in Mainz wiederholen lassen, wäre Hertha womöglich gar nicht in die Relegation gekommen. Es wurde auch zu Recht danach gefragt, ob zukünftig Spiele wiederholt werden müssen, bei denen ein dunkelhäutiger Spieler von Zuschauern rassistisch beleidigt wird und danach keinen Ball mehr trifft.
Darüber hinaus ist die Annahme, dass es bei einem Tor der Hertha zu gewalttätigen Ausschreitung gekommen wäre, rein hypothetisch. Man kann eine Spielwiederholung nicht mit solch spekulativen Annahmen rechtfertigen.
Was die Platzbedingungen angeht: Natürlich waren die Bedingungen am Ende nicht optimal und auch nicht so, wie es das DFB-Regelwerk vorschreibt. Wenn man sich aber die "Äcker" ansieht, auf welchen zuweilen Bundesligaspiele stattfinden, kann man einen Protest nicht mit Zuschauern hinter den Werbebanden, fehlenden Eckfahnen oder einem fehlenden Elfmeterpunkt begründen. Selbst das über die komplette Spielzeit irreguläre Eishockeyspiel zwischen St. Pauli und Werder wäre im Falle eines Bremer Protests nicht wiederholt worden. Oder glaubt hier jemand ernsthaft, dass Werder mit einem Protest gegen die Spielwertung durchgekommen wäre?
Ich halte das Argument der Tatsachenentscheidung für falsch, wenn es um die nachträgliche Bestrafung von Spielern geht. Wenn ein Spieler zu Unrecht vom Platz gestellt wurde, ist es ungerecht, ihn trotzdem zu sperren. Aber Spielergebnisse sollten in der Regel auch Bestand haben. Wenn man die "Hemmschwelle" für eine Annulierung der Spielwertung so niedrig ansetzt wie von Schickhardt gefordert, werden demnächst etliche Spiele am grünen Tisch und nicht auf dem grünen Rasen entschieden. DAS wäre dann der gefährliche Präzedenzfall gewesen und nicht die richtige Entscheidung, das Relegationsspiel nicht wiederholen zu lassen.