Nichts gegen Backhaus, aber eigentlich müsste man jetzt auf Hein setzen, der viel mehr Sicherheit und Ruhe ausstrahlt.
Geht jetzt nicht um Einzelschicksale, sondern um den Verein!!!
Was genau soll dieser Torwart-Aktionismus bringen? Glaubt ernsthaft jemand, ein Hein würde in diesem Konstrukt plötzlich zur unüberwindbaren Wand? Wenn die Vorderleute in den entscheidenden Momenten regelmäßig im Energiesparmodus verteidigen, färbt das früher oder später auf jeden Keeper ab. Du kannst hinten reinstellen, wen du willst – wenn davor nur begleitet statt konsequent statt attackiert wird, sieht jeder Torwart irgendwann alt aus.
Erinnern wir uns doch an Tim Wiese: In seinen letzten beiden Jahren griff er deutlich öfter daneben als zuvor – war er plötzlich schlechter? Oder war das Gesamtgefüge einfach löchriger? Oder der die Saison 2002/03: Nach Patzern von Pascal Borel wurden schnell Rufe nach Jakub Wierzchowski laut. Das Ergebnis des Torwartwechsels in der Rückrunde? Drei Spiele später war klar: Der Ersatz war keine Lösung, sondern maximal ein Perspektivwechsel auf dasselbe Problem.
Natürlich heißt das nicht, dass sich Geschichte zwangsläufig wiederholt. Aber wenn man sich die aktuellen Kicker-Notenschnitte (Stand heutiger Sonntagabend 21 Uhr) anschaut, drängt sich eine unbequeme Wahrheit auf: Die Torhüterposition ist offensichtlich nicht das Kernproblem. 2,95 für Backaus, 2,50 für Hein – während neun Feldspieler eine 3 vor dem Komma tragen (die „Besten“ bei 3,14, 3,33, 3,43) und gleich zwölf (!) eine 4.
Wenn zwei Keeper solide bis gut bewertet werden, während ein Großteil der Feldspieler im grauen bis dunklen Mittelmaß unterwegs ist, dann wirkt die Torwartdebatte eher wie ein Ventil für Frust als wie eine strukturelle Analyse. Kurz gesagt: Wer ständig den Torwart austauschen will, behandelt in diesem Fall die Symptome. Die eigentliche Baustelle beginnt bis zu ca. 80 Meter davor.