Kernproblem ist die falsche Aufstellung des Trainers, die der Erwartungshaltung der Sportlichen Leitung entspringen dürfte. Einen jungen Spieler wie Coulibaly aufbauen zu wollen ist richtig, nicht aber die Art- und Weise wie dies umgesetzt wird und zudem den bisher immer sehr gut funktionierenden Kapitän zu demontieren. Wie kann man überhaupt so fahrlässig vorgehen und einen starken Spieler wie Friedl wissentlich zu schwächen, nur um einen anderen Spieler besser integrieren zu können ? Coulibaly macht seine Sache gut, aber man konnte heute auch viele Schwächen erkennen, z.B. ist er nicht besonders schnell und ließ sich mehrfach überlaufen. Wie mit jedem Fehler den man begeht, gibt es einen Zeitpunkt der Einsicht und man stellt diesen ab. Vielleicht ist es nicht aufgefallen, aber ich empfand Friedl bei der Begrüßung mit den Schiedsrichtern und dem HSV Kapitän sichtlich nervös, ein ziemlich ungewohnter Anblick für einen solch erfahrenen Spieler. Im Spiel macht er viele leichte Fehler und wäre ich an seiner Stellen, würde ich eine Krisensitzung mit dem Trainer einfordern.
Erstaunlich positiv, zumindest in der 1. Halbzeit war die Leistung von Puertas, der auch schon gegen Köln 45 Minuten überzeugen konnte und einer der Wenigen war, der den Kampf von Minute 1 annahm. Solch ein Löwenherz hätte Bittencourt werden können, der Puertas nahtlos hätte ersetzen können und für den dringen notwendigen Kampfgeist gesorgt hätte. Bittencourt scheint aber gar keine Rolle mehr zu spielen und zeigt einmal mehr, wie wenig der Trainer die Situation einzuschätzen vermochte, nicht nur heute, aber der HSV ist nicht irgendein Gegner, sondern DER Gegner.
Die vielen Fouls und Gelben Karten auf Werder Seite haben deutlich gezeigt, dass der HSV das spielerisch so gut hinbekam, dass sich das halbe Werder Team eine Strafe abholen durfte, weil man einfach keine anderen Mittel hatte. Wo ist das Werder Bremen unter OW, der die Mannschaft nach dem Aufstieg stetig stabilisiert hatte, spielerisch häufig sehr gut anzusehen war und nun in eine langsamen und langweiligen Stümpertruppe mutiert ist. Selbst die sogenannten Basics, Freistöße und Ecken wollen nicht mehr gelingen und soll keiner sagen, das wäre nur dem Weggang von Ducksch zu "verdanken".
Vorne konnte natürlich Topp alleine wenig reissen, während Sturmkollege Grüll rauf und runter laufen musste und ein glücklicher Umstand und ein genialer Treffer von Stage Werder verhalf, eine bis dahin schon recht schwache Halbzeit, ergebnistechnisch noch gut aussehen zu lassen. Topp kann es alleine nicht schaffen und er ist vermutlich auch nicht fähig, sich in der 1. Bundesliga durchzusetzen. Nichtsdestotrotz liegt es nicht ausschließlich an ihm, vorne gar keine Gefahr auszustrahlen, ein Boniface wirkt noch viele ungefährlicher und ist eventuell als Sportinvalide zu bezeichnen.
Mbangula, der 10 Millionen Mann wird in der 87. Minute eingewechselt und man fragt sich, was wollte der Trainer zu diesem späten Zeitpunkt noch herumreißen. Mbangula kann Tore schiessen, benötigt Vertrauen und Einsatzzeiten, wird aber (fast) genauso verschmäht, wie es mit Bittencourt. Covic und Alvero passiert.
Njinmah hat gezeigt, dass er das Tor treffen kann und hat sich jetzt einen Startplatz verdient. Dazu den schnellen Mbangula und Grüll endlich mal dort, wo er eigentlich hingehört, ganz nach vorne wo das Tor steht. Ich befürchte aber, dass HS die Aufstellung zunächst nicht ändern wird, es muss also erst einmal die Niederlagenserie ausgebaut werden, bevor sich etwas ändert.
Werder ist spielerisch auf dem Tiefpunkt seit Werner die Mannschaft übernahm und dem Spiel zuzusehen macht kaum noch Freude. Nichts ist aus der vollmundig verkündeten "Spielfreude" zu sehen, nichts vom Elversberg Fußball in Bremen, immer nur Ausreden.