Ich verstehe ja nach wie vor nicht wie du darauf kommst, dass das ein Tabuthema bei Werder wäre, nur weil man eine gewisse Zurückhaltung hat und gegen Bayern nicht vor die Presse geht mit den Worten "Die werden wir heute aus dem Stadion fegen!".
Sicher ist, dass Werder nicht Bayern ist (vom Auftreten her). Es geht hier eher norddeutsch-zurückhaltend zu. In gewisser Weise gebe ich dir Recht, dass eine Einstellung wie die der Bayern definitiv eine Wirkung auf die Mannschaft haben kann. Auf der anderen Seite sind wir derzeit gar nicht in der Position. Man würde uns auslachen, übertrieben gesagt.
Früher haben wir uns tatsächlich gerne kleingeredet. Das ist aber lange her. Gerade in den letzten Jahren hat sich eigentlich eine sehr bodenständige und realistische Einschätzung etabliert.
Na ja, meine These ist ja schon seid langem das für eine dauerhafte Anspannung in der Mannschaft nicht nur der Trainer zuständig ist, sondern vor allem ein durchgängiger Anspruch im Verein. Da redet keiner davon Bayern wegzufegen. Sich respektlos ggü einem Gegner zu äußern motiviert sowieso nur die anderen. Da geht es darum eigene Ansprüche zu formulieren, ohne Ziele zu nennen. Da geht es darum öffentlich als Manager Präsens zu zeigen und nicht nur wenn man gute Botschaften hat wie auf der Mitgliederversammlung. Sondern es geht darum in Erscheinung zu treten und immer wieder aufzuzeigen, das wir den größtmöglichen Erfolg holen wollen. Das Leistungen wie in Gladbach oder zuhause gg Freiburg suboptimal sind. Es geht darum bei Erfolgen sofort antizyklisch noch mehr zu fordern, damit eben nicht wie typisch in Bremen sofort die Spannung abfällt. Natürlich nicht jeden Tag und gut dosiert. Das Mittel der öffentlichen Motivation muß schon gezielt eingesetzt werden. Sonst hört es sich irgendwann an wie Kohfeldts ellenlangen Erklärungen zu Niederlagen, bei dem jeder sowieso nach dem zweiten Satz am Handy gespielt hat.
Unter Marco Bode zusammen mit Baumann hat sich eine so devote Leisetreterei, unter dem Deckmantel irgendeines Understatements breitgemacht, die einer absoluten kommunikativen Verzwergung gleichkam. Willi war präsent, Klausi war präsent, Eichin war präsent. Baumann war unsichtbar, Bode ebenso. Das gilt auch für die Ära HHG als Präsi. Hast Du einen Born mal erlebt? Da war ne ganz andere Nummer. Ich sach ja auch nicht "alle machen Ihren Job heute schlecht", eben nur anders. Die Art und Weise wie sich Werder leistungsbezogen präsentiert, macht mich nicht an als Fan und finde ich führungstechnisch für nicht optimal. Je mehr man sich kleinredet, je mehr fühlt man sich auch so.
Und jetzt kommst, man denkt vermutlich das man den Trainer beschädigt wenn man Ansprüche formuliert. Also sagt man nichts. Nur ist doch komisch daran, das in den Zeiten, wo wir präsente Manager mit klaren Forderungen hatten (Willi, Klausi), immer die Trainer (Otto, Thomas) sehr lange da waren. Das waren funktionierende Gespanne und nicht wie heute, keiner sagt was außer dem Trainer.
Die Ära des leisen Managers (Baumann) und des leisen ARs (Bode) war hingegen mit zahlreichen Trainerwechseln verbunden. (Ich krieg die ganzen Trainernamen nicht mehr zusammen). Gut, die Ära nach Rehhagel war natürlich ähnlich holprig. Das würde jetzt nicht dazu passen. Aber das interessiert mich jetzt erstmal nicht weiter, denn es ist ja eine These!
Es geht nicht um die Änderung von bodenständigen und realistischen Einschätzungen oder Ziele. Haken dran das kann so bleiben. Es geht um die öffentliche Präsenz des Managements was die sportlichen Ansprüche des Vereines betrifft. Die Grundspannung muß immer gehalten werden. Fritzmeyer nehme ich da gar nicht wahr. Ich weiß gar nicht wofür die stehen außer Ruhe. War bei Baumann genauso.
Solche fordernden und klaren Auftritte kenne ich nur noch von früher. Ansonsten seid Jahrzehnten angefangen über den Konsolidierungskurs, die Überbetonung der finanziellen Restriktionen ein generelles Schweigen oder Relativieren zum Sportlichen. Ist mir zu wenig als Fan. Wieso soll ich mir denn enthusiastisch die Seele aus dem Leib schreien im Weserstadion, wenn der Verein doch ohnehin mit Mittelmaß zufrieden ist? Und sportliche Höhen und Tiefen Nullkommanull kommentiert nur aus der Angst heraus medial etwas auszulösen.
Ich weiß nicht ob man nicht von den alten Werder Granden doch was lernen kann. Der Satz, das geht heute alles nicht mehr ist mir da zu einfach!