Ich sehe dieses sich vor der Realität verschließen nicht als öffentliche Inkaufnahme des Abstiegs, sondern als Selbstgefälligkeit bzw. trügerische Selbstsicherheit. Denn für "Unabsteigbar" hatten sich von viele Clubs gehalten (beim VfL Bochum wurde das Wort "Unabsteigbar" nach vielen erfolgreichen Abstiegsschlachten 1992 sogar zum inoffiziellen Schlagwort der Fans - 1993 stieg der VFL prompt erstmals ab), auch bzw. besonders wegen ihrer Erfolge in der Vergangenheit. Doch Tradition und Erfolge schützen nicht vor dem Abstieg, im Gegenteil, sie forcieren folgenreiche Fehler bei den Cluboberen. So wie es ab Mitte der 1990er Jahre 1. FC Kaiserslautern, Eintracht Frankfurt, 1. FC Köln, Borussia Mönchengladbach, Hertha BSC und der VfB Stuttgart erfahren mussten, für die es nicht bei einem Abstieg aus der 1. Liga blieb. Oder der HSV, der mittlerweile seit 3 Jahren in der 2. Liga kickt und derzeit ein 4. Jahr Zweitklassigkeit noch im Bereich des Möglichen liegt. Bei all diesen Clubs wurden auch zahlreiche Warnsignale übersehen bzw. nicht so behandelt, wie sie behandelt werden mussten - mit den entsprechenden Folgen. Und unsere Verantwortlichen, nicht nur die aktuellen, sondern auch die, die in den letzten 10-15 Jahren die Zepter schwangen, unterliegen wahrscheinlich ebenfalls eine solch fatalen Fehleinschätzung der Lage - befeuert dadurch, dass die engen persönlichen Bindungen klare Aussprachen verhindern (können).