Werder stagniert seit Jahren im
- Sportlichen Bereich
- Körperlich/mentalen Bereich
- Ausbildungs- und Nachwuchsbereich
- Kaufmännischen Bereich
Zu 1) Zum einen kann eine Schnäppchenjagd auf aussortierte Spieler auf Dauer nicht klappen. Man kann mir folgende Phrase um die Ohren hauen, aber Wahrheit ist trotzdem dran.
Billig wird teuer! Zum anderen lassen sich offensichtliche Fehler auch nicht nach 33 Spieltagen abstellen (Standards, Pass hinter die hintere Kette, primitiver Spielaufbau). Kein Spieler hat sich der Saison 19/20 weiterentwickelt. Leider auch unser Torwart nicht, der zwar regelmäßig mit Paraden auf der Linie glänzt, dessen Strafraumbeherrschung und Stellungsspiel immer schlechter wird. Der pomadig Spielaufbau gipfelt meistens in einen weiten Schlag auf Gebre, der den Ball an der Seitenlinie versucht abzulegen. Da lachen die Gegner drüber. Eigentlich spielte der SVW gestern gegen Mainz den gleichen Stiefel wie beim 1:3 am ersten Spieltag. Man spielt immer noch ein System, wenn man es so nennen will, wofür man kein passendes Personal hat.
Zu 2) Die Gegner sind einfach immer spritziger und wacher. Konditionell kann Werder hinten heraus auch nichts drauflegen. Die Verletzungsmiseren kommen auch nicht von irgendwo her? Was machen Werders Athletik Trainer etc. eigentlich anders als die entsprechenden Kollegen von anderen Bundesliga Vereinen? Der medizinische Bereich ist übrigens ein ewiges Werderproblem. Ich möchte hier nur ein paar Stichworte nennen: Womé und Naldo, die während ihre Verletzungen aufgrund mangelhafter Versorgung aus Bremen flüchteten. Der tragische Fall Klasnic, Verletzungsmisere ... Was stimmt hier seit vielen Jahren nicht?
Zu 3) kann man nur sagen: Es kommt nichts nach. Maxi Eggestein hat sich dieses Jahr bemüht, hat sich leider auch nicht weiter, eher zurückentwickelt. Er ist der einzige echte Nachrücker in den letzten zehn Jahren. Eine karge Bilanz! Sein Bruder Jo und anderen (Goller...) verschwinden in der Versenkung. Auch Sargent traue ich auf lange Sicht keine große Zukunft in der Bundesliga zu. Warum Werder kein echtes Nachwuchszentrum hat, kann ich auch nicht verstehen. Der vorsintflutliche Platz 11 mit Einrichtungen aus den 60er Jahren ist inakzeptabel. Da sind sogar Zweitligisten wie Hannover 96 professioneller aufgestellt. Das herum Gezeter um den Standort in der Pauliner Marsch hilft da nicht weiter. Dann muss man es eben woanders realisieren.
Zu 4) Das Werderland erstreckt sich von der Elbe im Osten bis zur holländischen Grenze im Westen. Im Süden wird das Werderland von Ostwestfalen und im Norden erst durch die Nordsee begrenzt. Darüber gibt es Fanpotential (aus besseren Tagen) über ganz Deutschland verstreut. Warum findet man über Jahre keine guten, seriösen Finanzpartner oder Investoren - auch nicht in erfolgreicheren Phasen? Werder muss sehen was übrig bleibt: chinesische Wettdienstleister, ein ungeliebter Hauptsponsor Wiesenhof... Ich finde das Ergebnis traurig - trotz Werders sehr guter Beliebtheitswerte. Eine Altlast aus der jüngeren Vergangenheit ist die überteuerte Stadionsanierung. Die Erneuerung von zwei Seitentribünen bei vorhandener Infrastruktur für fast 80 Mio. € halte ich für überteuert. Seitdem sind die Dauerkartenpreise erheblich gestiegen und die sportlichen Leistungen kontinuierlich in den Keller gegangen.
Das Problem: der (Werder)familienbetrieb erkennt die Zeichen der Zeit nicht. Die familiären Mandatsträger und Lobbyisten betreiben Besitzstandwahrung hinsichtlich Einflussnahme. Das ist der Tod jeden mittelständischen Unternehmens. Wie kommt man aus der Klemme wieder heraus? Über den Weg dritte Liga? Kaiserlautern lässt grüssen. Hoffentlich nicht.