Die erneute Versagensangst war sicherlich vorhanden. Jedoch nicht in einem so hohen Maß, welches die Truppe paralysiert hätte. Denn eine (vor Angst) gelähmte Mannschaft wäre nicht in der Lage gewesen, sich dermaßen gegen den drohenden Ausgleich zu stemmen.
Ein solcher Widerstand erfordert sicherlich auch ein höheres Maß an Kondition, welches schon allein bzw. zu großen Teilen durch eine richtige Einstellung abgerufen werden kann. Doch damit lässt sich nicht der grundsätzliche Konditionmangel beheben. Daß dieser Mangel erneut präsent war,
zeigte wie schon so oft die letzte halbe Stunde, in der die Mannschaft nicht in der Lage gewesen ist, sich wie gehabt hinten reindrängen zu lassen ohne mit Gegenpressing für Entlastung zu sorgen. Und bei allem Respekt für die bisherige Saisonleistung ist Freiburg keine Mannschaft, die dauerhaft so starken Druck wie zB Bayern, BVB oder der Brauseclub aufbauen kann. Und für den Mangel an Kondition und somit auch Konzentration spricht die Situation beim nicht gegebenen 1:1, denn dort war die Mannschaft viel zu passiv. Es wäre ein typisches Werder-Schlußphasen-Gegentor gewesen. Aber vielleicht war das auch der Weckruf, den die Truppe für die Nachspielzeit brauchte, um die 3 Punkte festzuhalten zu können.
Aus meiner Sicht ist es die Summe aller negativen Puzzleteilchen, die so eine Tabellenkonstellation ganz einfach verursacht.
Klar ist doch, dass in dieser Situation von Minute zu Minute zum Spielende hin das Kopfkino beginnt.
Man wird vorsichtiger, riskiert im Passspiel viel weniger.
Keiner will einen Fehler machen, keiner derjenige sein, der ursächlich für den Punktverlust steht.
Das alles macht das Spiel um einiges langsamer und führt, 1000x + schon gesehen, zur größeren Ausrechenbarkeit der Aktionen.
Das wiederum erleichtert dem Gegner das Spiel "zu lesen".
Es ist praktisch eine Fehlerkette, die optisch so aussieht, als wenn man körperlich platt ist.
Ich bin mir relativ sicher, dass die Truppe nicht wirklich körperlich platt ist, sondern im Kopf platt wird.
Das erzeugt dann eben nach Außen hin, diesen scheinbar konditionell schwachen Eindruck.
Eins kommt dann zusätzlich hinzu.
Vorn wird kein bzw. wird selten ein Ball festgemacht, so zu Freistößen und Zeitgewinn gekommen.
Mit wem auch?
Mit einem Grobmotoriker, der sich Fußballer nennt, keinen Ball sauber annehmen kann und das Wort Doppelpass nicht einmal buchstabieren kann?
Mit einem noch sehr jungen und unerfahrenen Sargent?
Oder Osako?
Lediglich Rashica hat/hätte die Klasse dazu.
Der aber steht alleine auf weiter Flur und wird vom Gegner, weil der um dessen Fähigkeiten weiß, besonders beachtet und verteidigt.
Im Prinzip ist er vorn eine richtig arme Sau, weil Unterstützung nahezu Null.
Das Gute im Freiburg war ja gerade das, dass sich alle gegen den drohenden Ausgleich gewehrt haben.
Des Weiteren hat es ja gereicht und allen (hoffentlich) aufgezeigt, was erreicht werden kann, wenn man sich mit jeder Faser seines Körpers gegen den Gegner stemmt.
Dass das, wenn man unten steht, oftmals nicht gut geht, mussten die Düsseldorfer gestern erleben.
Düsseldorf war 85 Min. klar besser, gibt dann die 2:0-Führung aus der Hand.
Passiert, wenn man im sicheren Mittelfeld steht, so eher nicht.
Letztlich geht es jetzt nur noch darum, dass jeder den aller, allerletzten Willen und die Kampfkraft aufbringt, um das Unmögliche möglich zu machen.
Sollte das gegen BMG zum Punktgewinn oder gar Sieg reichen, glaube ich an den Klassenerhalt, denn das bringt mit hoher Wahrscheinlichkeit den Glauben daran zurück.
Ich hoffe das zumindest und wünsche es allen Werderanern und Sympathisanten, wie ich einer bin.



