In Teilen interessante Aspekte. Ich finde es auch unfassbar schade, wie unwürdig Borns Abgang damals in Bremen ablief. Das hatte er nicht verdient. Zumal der Makel seines Abgangs immer noch mitschwingt, wenn über Born berichtet wird. Auch heute haftet ihm noch dieses vage Image von "aber der hatte doch damals unsaubere Deals mit Delgado am Wickel" an, obwohl sich die Gerüchte ja als weitgehend haltlos erwiesen. Das tut mir wirklich leid.
Allerdings glaube ich nicht, dass sein Abgang allzu großen Anteil am sportlichen Abschwung hatte, da er ja nicht direkt Teil des operativen Geschäfts war. Bezüglich Allofs finde ich es sehr gut, dass nochmal darauf hingewiesen wurde, dass sich nach Borns Abgang sein Aufgabengebiet enorm erweitert hatte und er auch aus privaten Gründen zusätzlich belastet war. Das darf man nie vergessen, wenn man seine Arbeit in seinen letzten Werderjahren betrachtet. Trotzdem finde ich, dass insgesamt schon sehr viel in der Transferpolitik schief lief und er damit auch die sportlichen Aussichten für Werder kurz- und mittelfristig sehr erschwert hat. Das ändert aber nichts daran, dass er zwischen 1999 und ca. 2009/10 einen herausragenden Job gemacht hat, der uns in unerwartet Höhen führte und zum Double 2004 und dem Pokalsieg 2009, für die wir ihm sehr dankbar sein sollten. Ähnliches gilt für Schaaf. Das kann beiden keiner nehmen.
Baumann als Azubi und Anfänger zu sehen wird ihm aber ebenso wenig gerecht wie Kohfeldt als reinen Theoretiker zu betrachten. Klar: Beide hatten keine Haupt- und Leitungsverantwortung auf Bundesligalevel. Baumann war aber nach seiner Spielerkarriere über mehrere Jahre in Verantwortung bei Werder und hat in der Zeit unter anderem mit Klaus Allofs, Thomas Eichin, Rouven Schröder, Tim Steidten und Olaf Rebbe zusammengearbeitet, also mit fünf Kollegen, die mittlerweile allesamt Leitungsverantwortung bei Bundesligaklubs hatten. Es ist also nicht so, dass er vollkommen unerfahren und unbedarft an die Arbeit ging. Er konnte seine Arbeitsstelle besser einschätzen als so ziemlich jede andere mögliche Person, die diesen Posten hätte besetzen können. Außerdem hatten die Entscheidungsträger bei Werder ihn in dessen Funktionärszeit bestens beobachten und daher auch eine fundierte Entscheidung treffen, Baumann diese Aufgabe zuzutrauen. Das ändert nichts daran, dass Baumann insgesamt wenig Erfahrung hatte als Hauptverantwortlicher in der Kaderplanung eines Bundesligaklubs, aber es war nicht so, dass man einen blutigen Anfänger grundlos diese Stelle zugeschustert hätte. Und es ist ja nun nicht so, als wenn das vollkommen erfolglos gewesen wäre. Ich persönlich bin der Meinung, dass (trotz aller widriger Umstände inkl. Lücke-Verletzung) die letztjährige Sommertransferperiode bzw. die allgemeine Kaderzusammenstellung sehr schlecht lief. Baumis Arbeit in den vorherigen Transferphasen weiß ich hingegen sehr wohl zu schätzen (u.a. mit sehr gelungenen Transfers wie Delaney, Ludde, Moisander, Pavlenka, Rashica).
Und das er öffentlich ständig über die finanzielle Situation Werders rumheulen würde, sehe ich auch überhaupt nicht. Dass wir finanziell sehr schwere Rahmenbedingungen im Vergleich zu vielen anderen Bundesligastandorten haben, dürfte doch unbestritten sein. Während aber unter anderen Akteuren wie bspw. Eichin und Dutt Werder aus meiner Sicht ein wenig klein gemacht wurde, waren es doch gerade Kohfeldt und Baumann, die gemeinsam großes vor hatten, was man auch an hohen Saisonzielen (Europa) und auch ambitionierten Transfers (Kruse) oder Transferinteressen (Henrichs, Soucek) ablesen kann.