Endlich, so muss man es sagen, ist die Saison vorbei. Die Hoffnung vor der Saison, die beiden mittelmäßigen Jahre hinter sich zu lassen und einen erfolgreichen Neustart zu beginnen, waren groß. Man hatte sich von Tim Wiese, Marko Marin, Naldo und Claudio Pizarro getrennt und wollte einen Umbruch starten. Als Torwart durfte sich Sebastian Mielitz, die ehemalige Nummer 2 hinter Wiese, beweisen. Pizarro, der zu den Bayern ging, sollte durch Nils Petersen ersetzt werden, der von eben jenen Bayern ausgeliehen wurde, allerdings ohne Kaufoption. In der Verteidigung hatte man von Aufsteiger Düsseldorf die "Kongokante" Assani Lukimya verpflichten, der nicht nur wegen der Hautfarbe als Naldoersatz galt. Für den offensiven Bereich wurde Eljero Elia gekauft. Für eine stolze Ablösesumme von 5,5 Mio Euro verpflichtet man den ehemaligen Hamburger von Juventus Turin und hoffte, dass er sein Potenzial, was er zeitweise für den HSV gezeigt hatte, ebenfalls wieder aufrufen kann. Den Königstransfer allerdings machten Thomas Schaaf und Klaus Allofs mit einem Kevin DeBruyne. Der belgische Nationalspieler kam offiziell vom FC Chelsea, allerdings hat er dort noch kein Profispiel gemacht und wurde nach seiner Verpflichtung vom KRC Genk wieder direkt an Genk ausgeliegen. Allerdings, wie bei Petersen, bekam man DeBruyne nur als Leihspieler ohne eine Kaufoption.
Direkt zum Saisonbeginn allerdings die ersten beiden Schockmomente. Als Hauptsponsor wurde der umstrittene Geflügelkonzern Wiesenhof vorgestellt und man verlor mit 2:4 nach Verlängerung gegen Preußen Münster, die in der 3. Liga beheimatet sind. In der Liga startete man nicht besser. In Dortmund gegen den amtierenden Deutschen Meister verlor man mit 1:2, allerdings zeigte man eine gute Leistung, auf der man in der Zukunft aufbauen könnte. Es folgten die Siege gegen den HSV (2:0) und gegen den SC Freiburg (2:1), ein Unentschieden gegen den VfB Stuttgart (2:2) und die Last-Minute Niederlage gegen Hannover 96 (2:3). Selbst am 6. Spieltag verlor man gegen die Bayern mit 0:2, zeigte aber auch dort eine ordentliche Leistung. Viele sprachen schon von der Wundertüte Werder, die noch viel erreichen können, wenn sie weiter so spielen und noch Konstanz in ihr Spiel bringen. Diese "Wundertüte von der Weser" sollte ihren Namen in den nächsten Spielen noch gerecht werden. Man verlor in Augsburg (1:3), siegte souverän gegen Gladbach (4:0), schaffte mit Glück ein Unentschieden gegen den Aufsteiger aus Fürth (1:1) und gewann dann wieder gegen Mainz (2:1). Nach Spieltag 10 stand man auf Rang 7 und war nur wegen der Tordifferenz nicht auf einem Europa-League-Platz.
Nach der Niederlage gegen Schalke am 11. Spieltag (1:2) kam dann wohl der zu dem Zeitpunkt größte Schock für Werder und die Fans. Geschäftsführer Klaus Allofs, der 13 Jahre lang ein sehr erfolgreiches Team mit Thomas Schaaf bildete, wechselte mit sofortiger Wirkung zum Ligakonkurrenten VfL Wolfsburg. Tagelang war das Thema hoch angesagt in den Schlagzeilen, allerdings gewann Werder gegen Düsseldorf (2:1) und war wieder weit entfernt von Abstiegsrängen. Man konnte realistisch sein und träumte von Europa, Optimisten hatten sogar die Hoffnung für die Champions-League Plätze. Nach einem Unentschieden gegen Wolfsburg mit dem ehemaligen Spielern Diego, Naldo und dem Ex-Geschäftsführer Allofs folgte eine 1:4 Niederlage gegen die Leverkusener, man rutschte auf Platz 12 ab. Allerdings gab es zwischen Platz 6 und 15 nur fünf Punkte Unterschied. Das Mittelfeld war sehr eng zusammengerückt. Es folgte ein grandioser Sieg gegen Hoffenheim (4:1), der wohl das Highlight für Marko Arnautovic war, der mit 3 Toren absoluter Matchwinner war. Vor der Winterpause folgte noch eine 1:4 Niederlage gegen die Eintracht aus Frankfurt und ein Unentschieden gegen die Nürnberger. Also überwinterte man auf Platz 12 mit 22 Punkten. Dort hatte man 10 Punkte Vorsprung vor dem Relegationsplatz und nur 4 Punkte Rückstand zur Qualifikation zur Europa-League. Mit einer guten Rückrunde kann man also auf das europäische Parkett zurückkehren. Als Nachfolger für den abgewanderten Allofs holte man Thomas Eichin. Dieser war ab 2001 als Geschäftsführer der Kölner Haie (Eishockey) aktiv. Man hatte also einen Geschäftsführer, der damals aus wenig Mitteln viel gemacht hat und die Hoffnung, dass dieser das Ruder rumreißt. Leider konnte niemand ahnen, was dann passiert.
Die Bremer Fans und der Verein waren voller Vorfreude. Bis der bis dato amtierende Meister aus Dortmund angereist kamen. Die Bremer waren gastfreundlich und schenkten den Dortmundern 3 Punkte, man verlor mit 0:5. Auch die Woche später verlor man das Nordderby gegen den HSV mit 2:3. Aber Werder kam zurück. Man gewann gegen Hannover mit 2:0 und auch danach konnte man in Stuttgart mit einem 4:1 siegen. Das erste mal die Saison konnte die Grün-Weißen 2 Spiele in Folge gewinnen. Diese Kraft konnte man aber nicht behalten, verlor erst gegen Freiburg (2:3), kam dann in München unter die Räder (1:6) und verlor anschließend auch gegen Augsburg (0:1). Es folgten die Unentschieden gegen die Borussia aus Gladbach (1:1) und auch gegen Fürth kam man wieder nicht über ein 2:2 hinaus. Am 26. Spieltag hatte man nur noch 6 Punkte Vorsprung auf einen Relegationsplatz und die Euro-League war in ziemlich weite Entfernung gerückt. Dazu hatte man die schlechteste Defensive der Liga mit bis dato 51 Gegentreffern, an den Mielitz nicht immer schuldlos war. Gegen Mainz erreichte man ein 1:1, bevor man in Bremen gegen die Schalker mit 0:2 verlor. Aus einmal war aus den Europaträumen die Abstiegsangst geworden. Gegen Düsseldorf gelang wieder nur ein Unentschieden (1:1), bevor man gegen Wolfsburg mit 0:3 unterging und damit das Disaster seinen Lauf nahm. Werder Bremen wackelt, Thomas Schaaf steht hart unter Beschuss. Die Kommentare auf Facebook hatten weniger Niveau als die Beleidigungen zwischen den Fans der Bayern und der Dortmunder auf dem Weg ins Finale der Champions-League. Gegen die Leverkusener verlor man unglücklich mit 0:1, allerdings waren die mitgereisten Fans der Grün-Weißen nicht sauer, sondern feierten selbst 30 Minuten nach Spielende. Die "Thomas Schaaf Olé"-Sprechchöre hab ich jetzt noch in den Ohren. Es folgte ein 2:2 Unentschieden gegen die Hoffenheimer, obwohl man nach 85 Minuten mit 2:0 führte. Dennoch waren die Fans immer hinter der Mannschaft. Hinter den Bremern waren übrigens auch Düsseldorf und Augsburg mit nur noch 3 Punkten Abstand. Am 33. Spieltag machte man allerdings nach einem 1:1 gegen die Frankfurter den Klassenerhalt perfekt, weil Düsseldorf, Augsburg und auch Hoffenheim patzten. Am 14. Mai dann wohl die Entscheidung, bei der man am meisten diskutieren kann. Die Geschäftsführung der Bremer gibt bekannt, dass Thomas Schaaf, der seit 14 Jahren Chefcoach der Grün-Weißen war, mit sofortiger Wirkung aus seinem Amt entbunden ist und seinem Wunsch, am letzten Spieltag nicht mehr auf der Bremer Bank zu sitzen, nachkommt. Thomas Schaaf. Der Mann, der 3 Pokalsiege und eine deutsche Meisterschaft als Trainer feierte. Der Mann, unter dem viele Fans erst zur Grün-Weißen Familie kamen. Der Mann, der seit seinem Amtsantritt 14 verschiedene Trainer beim Hamburger SV miterlebte. Der Mann, der mein ganzen Respekt bekommt. Am 34. Spieltag unterlag man dem 1. FC Nürnberg mit 2:3 und somit unterstrich man die miserable Rückrunde, in der die Bremer nur 12 Punkte holten und mit 37 Gegentoren am meisten aller Clubs in der Rückrunde kassierten.
Die besten Torschützen der Bremer waren Nils Petersen mit 11 Toren, Aaron Hunt mit ebenfalls 11 Toren und Kevin DeBruyne mit 10 Treffern. Dabei muss man sagen, dass Petersen und DeBruyne nur Leihspieler sind und Hunt von den 11 Saisontoren 5 per Elfmeter gemacht hat. Insgesamt heißt dies, dass die beiden Leihspieler 42% aller Bremer Treffer erzielt haben.
Die größten Enttäuschungen der Saison sind wohl Eljero Elia, Joseph Akpala, Assani Lukimya und Mehmet Ekici. Während Elia in 28 Einsätzen in der Liga kein Treffer erzielte, traf Akpala in 21 Einsätzen einmal, Ekici in 9 Einsätzen zwar zweimal, allerdings dies in einem Spiel und Lukimya in 22 Einsätzen einmal, was als Verteidiger keinen Ausschlag gibt. Wertend zählt die Verschuldung mehrerer Gegentore.
Herausstechend aus der schwachen Bremer Mannschaft waren in den meisten Fällen Aaron Hunt und auf jeden Fall Kevin DeBruyne, der sehr wahrscheinlich direkt zur Borussia aus Dortmund wechseln wird. Das wird auch das Ziel zur neuen Saison sein. Man muss DeBruyne ersetzen und in der Verteidigung mindestens 2 erfahrene Spieler holen. Ebenfalls gilt es, für den offensiven Bereich aufzurüsten. In der Summe macht dies: Die Mannschaft muss überarbeitet werden und man muss in jedem Bereich mindestens einmal nachbessern.