Nö, Schmolle. Da hast Du nicht gelesen. Oder nicht aufgepasst.
Also wenn die Defizite in der Arbeit von TS auch nur annähernd so gravierend wären, ...
Was ist denn an Beschriebenem nicht gravierend? Das siehst Du doch genauso wie ich und nicht erst seit gestern. Wir können doch sowieso nicht beurteilen, was er irgendwo intern oder auf andere Weise versucht. Ergebnis des Ganzen ist nur, was seine Mannschaft, seine Spieler uns auf dem Platz zeigen und nur das können wir bewerten.
...dann wäre TS hier kein Trainer mehr. Dann würde KA ihn entlassen,...
...bzw. die Mannschaft würde aufmucken gegen den Trainer und es würde durchsickern, dass die Spieler völlig überfordert seien und auf dem Platz nicht wissen, was sie tun sollen. ...
Für wie erwachsen hälst Du die heutige Spielergeneration, diese jungen Burschen? Hier liegt doch gerade das Problem, die werden im Prinzip seit der F-Jugend in Internaten und ähnlichem verwöhnt. Meinst Du, die sind fähig zur Selbsteinschätzung? Die allermeisten jedenfalls nicht, das kann ich beurteilen. Genau das setzt aber Schaaf vorraus.
Im Übrigen gab es gerade in dieser Saison kritische Stimmen von den Erfahrenen, Naldo nach dem 0:5 auf Schalke, weil sich "nichts ändert", Pizarro auf ähnliche Weise kurz zuvor. Wiese, der die Zuordnungen anspricht, dass sie immer wieder nicht bei den Leuten stehen, dass sich sowas kontinuierlich wiederholt. Er mag selbst seine Fehler machen wie zuletzt in Stuttgart, aber mit seinen Aussagen trifft er oft den Nagel auf den Kopf.
Und das sind Leute, die viele Jahre von Schaaf gefördert wurden, selbst die merken doch, das da was gewaltig schief läuft. Erfahrene Spieler, die schon mal was anderes gesehen haben, hinterfragen eben, junge Spieler dagegen nehmen noch vieles als gegeben hin.
....die Mannschaft schlägt sich auch nicht seit 6! Jahren unter Wert.
Finde ich schon.
Keine Mannschaft der Welt ruft jede Saison das Optimum ab, nur ist bei Werder ein Trend im Gange, der nicht erst diese Saison anfing. Zwischen 2007 und 2009 gingen zusehends spielerische Qualität und Tempo verloren, es ging mit der vergurkten Meisterschaft los, obwohl die Bayern schwächelten, bis sich das irgendwann im Ergebnis 2009 richtig niederschlug. Dass Werder dort schönen Fussball zelebrierte, war noch sekundär in einzelnen Spektakeln der Fall, aber tatsächlich entspricht das (mit ein bisschen Mühe belegbar) nicht der Realität. Gleichzeitig mutierte Werder damals zur mit Abstand konteranfälligsten Truppe der Liga, teilweise in den Medien verspottet. Trotz eines hochkarätig besetzten Kader` s, defensiv wie offensiv. Aber der Trainer hat immer so weitergemacht.
Du könntest Dir auch ganz einfach die letzten vier Jahre mal vor Augen halten, weil so ein Zeitraum immer gern angeführt wird im Vergleich zur angeblich so schlimmen Epoche 95-99.
2009 Zehnter mit 45 Punkten, mit dem dritt-oder viertteuersten Kader der BL, mit vielen Nationalspielern.
2010 mit ähnlicher Qualität lange der Musik hinterher, bis die Dummheit der Konkurrenz noch Platz 3 brachte. Das kann uns übrigens auch in dieser Spielzeit wieder auf Platz 7 verhelfen.
2011 Abstiegskampf mit einem CL-Kader.
2012 bis drei Spieltage vor Schluss?
Hinzu kommt 2mal CL-Vorrundenaus, auf blamable Weise.
Es sprang zwar ein Pokalsieg heraus und manches hätte sicherlich schlechter laufen können. Du könntest aber aufzählen, bei welchem anderen BL-Verein ein Trainer mit dieser Vita der letzten 4 Jahre im Zusammenhang mit den Mitteln/ mit dem Spielerkader/ der logischen Erwartungshaltung noch im Amt wäre. Schaaf ist das deshalb, weil er 40 Jahre bei Werder ist. Gerade das halte ich für besonders gefährlich, denn Werder verschafft sich ohne Not einen Wettbewerbsnachteil. Noch schlimmer aber, dass der Trainer nicht in der Lage zu sein scheint, wenn auch bestimmt nur im Unterbewusstsein, den fehlenden Druck richtig einzuschätzen, denn er handelt im Prinzip weiter so, wie er es immer getan hat, als ob er noch die gleiche Mannschaft wie 2005 zur Verfügung und die gleichen Gegner hat. Er war ja "immer erfolgreich". Die Taktik, das Fördern der Fertigkeiten von Spielern, der Handlungsrahmen für die Mannschaft, die Philosophie, die sich an der zeitgemäßen, modernen Auffassung vom Fussball orientiert. Er ist halt ein beharrlicher Coach, mit dem inhalierten bremischen Klima. Da schimmert dann doch noch ein bisschen Rehhagel durch.
Da spricht imho zuviel Antipathie gegenüber TS mit...
"Antipathie" ist ein hartes Wort. Warum sollte ich gegen Schaaf sein? Als Aktiver gehörte er zu den Spielern, die ich immer sehr gerne gesehen habe. Und wenn einer als BL-Spieler bereits "nebenbei" eine A-Jugend trainiert, dann ist das sicherlich bis heute sehr beeindruckend. Und Leute die ich so kenne, die schon mit Schaaf privat verkehrten, bestätigen das, was oft erzählt wird. Ein unheimlich integrer Typ, privat kumpelhaft und nie abgehoben, zudem ist er bekanntermaßen sozial engagiert. Beschwert sich selten über viele Ausfälle im Kader. Als Mensch würden ihn bestimmt viele gerne zum Freund haben.
Ich bin nicht gegen Schaaf, er ist mir auch nicht "antipathisch", sondern ich bin lediglich nicht (mehr) von seiner Arbeit
als Cheftrainer von Werder Bremen überzeugt. Nicht im Geringsten. Aber das ist ein Unterschied.
Mein Verein ist mir nicht egal, er ist mir wichtiger als verdiente Einzelpersonen. Von diesem emotionalen Standpunkt sehe ich das vielleicht etwas anders als einige hier. Da bin ich Erfolgsfan. Ich möchte, dass Werder Erfolg hat. Für das Hobby Werder gebe ich wie viele andere jedes Jahr einiges an Geld aus, für eine Vollmitgliedschaft, die doppelt so teuer ist wie das, was z. Bsp. Schalke-, HSV-, oder BVB-Mitglieder zahlen. Für Karten und Reisekosten. Für kleine Speesen wie WerderTV, Fanclubs, worum e.V. usw.
Ergo benötigen wir nichts weiter, als Spieler von jenem Schlage - und Schaaf ist auch wieder ein guter Trainer.
Wieso? Attribute eines wirklich guten Trainer` s sind mE bspw. Flexibilität (Variabilität)/ Anpassungsvermögen, unter unterschiedlichen Bedingungen, mit unterschiedlichen Mannschaften ein Konzept zu formen und zu finden. Unter Deiner Voraussetzung schaffen Trainer Erfolge mit fertigen Mannschaften, grossen, individuell stark bestückten Kadern. Oder werden Meister, weil die Spieler gerade zusammenpassen und die Gegner dümmlich patzen, wie Armin Veh 2007 oder WOB 2009.