Hallo zusammen!
Ich bin neu hier, verfolge das Forum jedoch bereits seit geraumer Zeit und bin - ich muss es zähneknirschend gestehen - ein Ösi. Ja genau, schon wieder einer von der Sorte!

Seit den Zeiten von "Alpen-Maradona" Herzog liegt mir Werder sehr am Herzen, denn er war es, der bewies, dass Rotweißrot auch über Ballzauberer, nicht nur ruppige, ungehobelte Balltreter verfügt. Tja, und er war es auch, der mich dazu bewog, mir Werder als Lieblingsmannschaft der deutschen Bundesliga zu wählen.
Die Ösi-Connection hält ja bekanntermaßen bis heute ungebrochen an, Prödl & Juno sind in Sachen Stammkräfte noch übrig, Arnauto-Witz wurde gottlob erfolgreich auf die Insel abgeschoben. Und Österreich scheint auch das Problem zu sein: Hier liegt meines Erachtens der Hund begraben. Ist Werder derzeit doch die österreichischste Mannschaft der Bundesliga ... nicht aufgrund der Anzahl der mit alpenrepublikanischem Pass bestückten auflaufenden Ball-Vergewaltiger, sondern aufgrund des Spielstils!
Woche für Woche wird man als Ösi Zeuge grottiger Matches in unserer Micky Maus-Liga, die höchste Spielklasse Österreichs gilt maximal als Geheimtipp unter Masochisten. Und Werder passt in dieses Gefüge derzeit bestens rein!
Ideenloser Spielaufbau; Pässe, die nicht mal zum Nebenmann kommen, steht er drei Meter daneben; Defensivkräfte (ja, Sebastian, auch du bist gemeint), die das Leder blind wegbolzen, anstatt überlegt einen Angriff einzuleiten; Mittelfeldstrategen (Juno, der "Hobbit" unter den Feldspielern, ist ebenfalls nicht freizusprechen), die meinen, schnelles Umschalten bedeutet, den Ball hektisch abzugeben, egal wohin; Stürmer, deren überraschendster Moment sich darin zeigt, wenn sie wirklich mal treffen.
Das alles definiert die Ösi-Liga ... und mittlerweile leider auch Werder. Ich bin mir nicht mal mehr sicher, dass - sollte Bremen ein Jahr in Österreich mitspielen - sie tatsächlich auch den Meisterteller einheimsen würden. Das sagt wohl alles über den aktuellen Zustand der Mannschaft.
Eine Analyse, die jetzt natürlich niemandem weiterhilft. Aber: Helfen kann sich das Team ohnehin nur selbst. An den Fans liegt's definitiv nicht: Die haben wohl den längsten Geduldsfaden aller Fangruppierungen Deutschlands.
Zusammenreißen, kämpfen bis zum Umfallen, hoffen, über den Kampf die nötigen Punkte für den Klassenerhalt einzufahren: Mehr ist in diesem Jahr wohl nicht drin. Und spätestens in der Sommerpause den Kader gründlich durchforsten, prüfen, wen man wirklich noch braucht. Dass es auch mit weniger Kohle als Bayern, Dortmund & Co. möglich ist, ein schlagkräftiges Team auf die Beine zu stellen, haben "Kollegen" wie Mainz, Augsburg oder aktuell sogar Paderborn (obwohl: wo deren Weg hinführt, wird sich noch zeigen) immerhin eindrucksvoll bewiesen. Diesen Weg muss Werder einschlagen, dann kann es Schritt für Schritt langsam wieder aufwärts gehen.
Wie man einen Traditionsverein durch Fehlein- und -verkäufe, kranksparen, falsche Kaderzusammenstellung und ein Management, dessen oberste Agenda Richtung Selbsterhaltungstrieb abzielt in die Erfolglosigkeit treiben kann zeigt zum Beispiel "unser" SK Rapid Wien. Dass der Ösi-Rekordmeister nicht zum Abstieg verdammt ist liegt einzig und allein an der "Klasse" der rotweißroten Liga.
Also, liebe Werder-Verantwortliche: Ein Blick nach Österreich genügt um zu sehen, wie es NICHT geht. Genau hinsehen, das Gegenteil in Angriff nehmen ... und schon könnte es nächste Saison besser werden. Falls man dann noch in der Bundesliga spielt ...