Es ist schon erstaunlich, dass es immer wieder in diesem Forum darauf hinausläuft, was "gute" und was "schlechte" Fans sind.
Meistens werden "gute" Fans darüber definiert, dass sie sich zu jedem Heimspiel in die Ostkurve einfinden, und Werder zu möglichst vielen Auswärtsspielen begleiten. Außerdem darf keine Kritik an der Verein oder an den Spieler geäußert werden.
Alle anderen sind "schlechte" Fans, die nur auf Erfolgswellen schwimmen wollen oder Rosinenpicker sind.
Die Welt ist nun aber mal nicht schwarz-weiß, und es gibt sehr viele Nuancen zwischen diesen Extremen.
Ich z.B. bin ein glühender Anhänger dieses Vereins, es ist für mich eine absolute Herzenssache, und ich mache emotional seit 30 Jahren alle Höhen und Tiefen mit. Dennoch bin ich sehr selten im Stadion, und das trotz meiner wohnlichen Nähe. Als Jugendlicher und als Student war ich schon sehr oft da, aber mit dem Alter erhält das Wochenende aufgrund des Jobs und Familie auch eine andere Wertigkeit, jede freie Stunde ist einfach wertvoller geworden, da freie Zeit nicht mehr im Überfluss vorhanden ist.
Von daher zeige ich meine Verbundenheit heutzutage eher durch meine Mitgliedschaft, durch Kaufen und Tragen von Werder-Fan-Artikel (was ich mit Stolz mache), und ich freue mich auf die deutlich bequemere und zeitsparendere Verfolgung der Spiele im Pay-TV. Jawohl, auch ich fahre nach Berlin, als Rosinenpicker, aber das stand schon vor dem Halbfinale für den Fall des Sieges fest, egal, ob mit oder ohne Karte. Die Absage für die Karte hab ich übrigens während des UEFA-Cup-Finales erhalten.
Da es sich nun gestern ergab, dass ich Zeit hatte, wollte ich der Mannschaft die Ehre erweisen und zeigen, dass ich trotz der Niederlage zum Team stehe.
Ich möchte gerne hier im Forum dazu aufrufen, generell mal darüber nachzudenken, wie vielfältig sich Fansein ausdrücken kann, bevor immer wieder dieses Schubladendenken rausgeholt wird. Allerdings habe auch ich kein Verständnis dafür, sich nur über den Erfolg mit dem Verein zu identifizieren.