Ja, alles richtig, aber vor 19 Jahren war die (Finanz)-Welt noch ein wenig friedlicher. Heute würde ich mir als Verein gründlich überlegen, ob die Belange der Profiabteilung komplett in fremde Hände gelegt wird. Vor dem Hintergrund der Auswüchse (England, Hamburg) ist es aber für mich auch kein Widerspruch, auf der einen Seite FÜR eine Abschaffung 50+1 zu sein, auf der anderen Seite sich aber der Abstimmung zu enthalten.
Wir wissen nicht, was bei Werder im Hintergrund läuft bzw. gelaufen ist, wir wissen auch nicht, ob und was ggf. für die Zukunft geplant ist.
Werder hält sich so alle MÖGLICHKEITEN einer Beteiligung offen.
Korrekt, 1999 war die (Finanz)-Welt noch ein wenig friedlicher. Aber die Entscheidung zur Ausgliederung war auch nicht direkt dem seinerzeitigen Status Quo der (Finanz)-Welt geschuldet, sondern eine Maßnahme, um auch in der Zukunft wettbewerbsfähiger zu sein. Denn daß die finanzielle Schraube im 21. Jahrhundert sich noch weiter nach oben drehen wird, war aufgrund der bis dahingehenden Entwicklung in den 1990er Jahren abzusehen, wenn auch vielleicht nicht in diesem Ausmaß, wie wir ihn tatsächlich erleben.
Damals war auch nie die Rede davon, sich komplett einem Investor "auszuliefern", weder bei Werder, noch im deutschen Fußball im Allgemeinen. Der Sinn 50+1 war ja der, daß die Profi-"Clubs" = Kapitalgesellschaften unabhängig bleiben, um u.a. nicht zu Spekulationsobjekten von Finanzjongleuren zu vorkommen oder wie im US-Sport ein Franchise relativ problemlos von einer Stadt in die andere verlegt werden kann. Die Zeiten haben sich aber - leider - nun einmal geändert, weil DFB/DFL aus Gier nach dem großen Geld mit den ganzen Ausnahmeregelungen ihre eigene 50+1 derart verwässert haben, daß daraus eine Zwei-Klassen-Gesellschaft entstanden ist, bei denen Clubs, die nicht unter die vielen Ausnahmeregelungen fallen, de facto zum Wettbewerbsnachteil gezwungen werden. Bei einer Aufhebung der 50+1 haben diese Club die Entscheidung dagegen selbst in der Hand, ob sie sich diesem Wettbewerbsnachteil unterwerfen, oder sich mit dem Votum für die Abschaffung der 50+1 die MÖGLICHKEIT für eine bessere wirtschaftliche Wettbewerbsfähig offen halten. Und wenn man deswegen öffentlich wiederholt für die Abschaffung der 50+1 plädiert, dann sollte man auch so viel A... in der Hose haben, auch entsprechend abzustimmen und sich nicht zu enthalten - vielleicht sogar in der Hoffnung, daß auch so genug Stimmen für eine Mehrheit für die eigenen Ziele zusammenkommen, was dann Feigheit vor der Verantwortung wäre.
Noch ein paar Worte zu den Auswüchsen in England: auch wenn es dort es viele Fans gibt, die sich deswegen vom Profifußball abwenden, so ist der Aufschrei beim Thema Investoren trotz der exzessiveren Ausmaße dort längst nicht so hoch wie hierzulande, was historisch begründet ist. Denn die englischen Clubs sind anders als die deutschen Vereine (weil der Civil Code des Vereinten Königreichs den im BGB verankerten Sonderstatus für eingetragene Vereine nicht kennt) schon seit der Gründung Kapitalgesellschaften, deren Anteile früher oder später schon mehrheitlich in die Händen von Investoren(gruppen) oder Unternehmen übergingen - so kaufte z.B. 1901 ein Brauerei-Besitzer den vor der Pleite stehenden Newton Heath Lancester & Yorkshire Railway Football Club und benannte diesen in Manchester United F.C. um - bevor mit der Umwandlung von der First Divison in die Premier League der große Übernahme-Hype begann. Ein weiterer Punkt dabei ist, die vergleichsweise mangelnde Akzeptanz der deutschen Fußball-Fans für Pay-TV,. Denn obwohl das Bezahl-Fernsehen hierzulande schon seit einem Vierteljahundert existiert und die Einwohnerzahl in Deutschland etwa 50% höher als die in England ist, sind die Abonenntenzahlen im Mutterland des Fußball höher.