So, nachdem die Hinrunde und auch damit das letzte Spiel gegen HH ein wenig sacken konnte, versuche ich mich mal an einem (Zwischen-)Fazit.
Wir haben eine sehr gute Ausgangsposition teils leichtfertig aus der Hand gegeben und laufen nun der Musik zur RR hinterher, wobei wir zeitgleich auf Ausrutscher der Konkurrenz hoffen müssen. Das war vermeidbar.
Es ist insbesondere aufgrund der letzten Spiele leider doch am Ende eine Ernüchterung gepaart mit einer gewissen Enttäuschung eingetreten.
Das betrifft weniger die Punkte- bzw. Tabellensituation, wo wir uns immer noch auf Schlagdistanz zur Spitze befinden, sondern viel mehr die Einstellung und das Auftreten in den letzten Spielen.
Leider habe ich die Auftritte gegen S04 und HH genauso erwartet. Nicht weil ich besonders ausgeprägte, seherische Fähigkeiten habe, sondern weil diese Auftritte in der Vergangenheit bereits des Öfteren zu beobachten waren.
Wir lassen uns zu leicht den Schneid abkaufen, wenn es gegen körperbetont spielende Teams geht. Dem haben wir in der Regel keine gleichwertigen Mittel entgegenzusetzen, oder verlassen uns evtl. ausschließlich auf unser spielerisches Element, was oft nicht aussreicht.
Ich war und bin bzgl. der Zusammensetzung der Manschaft weiterhin ein wenig skeptisch, ob die Mischung der Spielertypen passt. Özil, Hunt, Marin sind zwar feine Techniker, leider fehlt ihnen auch aufgrund ihrer körperlichen Vorraussetzungen das Durchsetzungsvermögen und die Zweikampfhärte. Gegen HH und S04 wurde deutlich, dass man grade diesen drei sehr schnell den zahn ziehen kann, wenn man sie nicht zu Entfaltung kommen lässt und Ihnen „auf die Pelle rückt“ und mit einer gewissen Härte bearbeitet. Uns fehlt in diesem Punkt das „Dagegenhalten“.
Lässt man die drei spielen, ist das alles ganz nett anzuschauen. Dies reicht dann zwar gegen Teams wie Freiburg, Funchal, etc., leider nicht gegen die Topclubs der Liga, die uns in puncto Zweikampfführung auch aufgrund des Spielermaterials in der Regel überlegen sind. Die doch sehr junge Zusammensetzung recht ähnlicher Typen unseres „Dreigestirns“ ist für mich nicht grade ideal.
Was mich auch wieder einmal in den letzten beiden Spielen auf die Palme brachte, war unsere Naivität im Abwehrverhalten!
Gegen beide Teams kassierten wir jeweils ein Tor, bei dem die Abseitsfalle nicht klappte und unsere Abwehrreihe kurz hinter der Mittellinie postiert war. Ich hatte zu Beginn der Saison gehofft, dass wir dieses allseits bekannte Problem der Anfälligkeit in den Griff bekommen hätten. Scheinbar nicht.
An diesem „Phänomen“ ist unser Coach in meinen Augen auch nach wie vor maßgeblich beteiligt. Daher war seine Vertragsverlängerung für mich auch kein Grund zu losgelöster Euphorie, wenngleich ich ihn grundsätzlich für einen sehr guten Trainer halte. Nur sollte es schon möglich sein, diese alt bekannten Schwächen, die uns in immer wiederkehrender Gleichmäßigkeit das Genick brechen, in den Griff zu bekommen.
Bauchschmerzen bereiten mir Aussagen unseres Trainers, wie jene…
„Es war eine hervorragende Hinrunde. Wir haben Leistungen gezeigt, die die ganze Bundesliga begeistert haben“
Das sind Aussagen, die für mein Empfinden eine sehr „eigene“, fast trotzige Sichtweise als Grundlage haben. Hervorragend war das bei weitem nicht. Auch weiß ich nicht, ob es den Rest der Liga „begeistert“ hat und ob dies ein ernsthaftes Kriterium sein sollte. Zynisch könnte man sicherlich festhalten, dass Hamburg und Schalke unsere Berechenbarkeit „begeistert“ hat. Das wohl.
Es war zum Ende der Hinrunde wieder viel zu einfach, gegen uns Tore zu erzielen.
Auch kann ich mich des Eindrucks nicht verwehren, dass bei einigen Protagonisten ein Einstellungsproblem erneut zu erkennen ist.
Verzerrende Ergebnisse wie das 6:0 gegen Freiburg scheinen unterm Strich Gift für die Bereitschaft zu sein, konstant einsatzfreudig über den Platz zu maschieren!
Eine gewisse Selbstgefälligkeit und Nachlässigkeit ist dann oftmals die Folge.
Ich sehe schon Parallelen zur Vorsaison, wo wir uns auch an hoch ausfallenden Ergebnissen berauschten und gleichzeitig gegen die Topteams zu wenig Durchschlagskraft besaßen.
Was das Personelle betrifft, bleiben für mich weiterhin die Außenpositionen unsere Schwachstellen.
Löblicherweise hat sich Fritz wieder gefangen und spielt eine bis dato wirklich gute Saison.
Ansonsten sieht es eher mau aus, was die Quantität und Qualität betrifft. Für die rechte Seite sind die Alternativen mit Petri und zuletzt Prödl alles andere als ideal.
Links sieht es nicht wirklich besser aus. Bönisch ist und bleibt für mich ein Unsicherheitsfaktor. Seine Aktionen insgesamt, inklusive seiner nicht vorhandenen Flanken sind in meinen Augen nicht ausreichend um auf Dauer einen Stammplatz bei einem BL-Club der zu den Top-5 gehört, zu besetzen. Da ist sehr viel Luft nach oben. Alternativen sind auch auf der LV-Position Mangelware bzw. Notlösungen, wie im letzten BL-Spiel wieder schmerzlich vor Augen geführt wurde.
Im Angriff können wir uns glücklich schätzen, einen Topmann wie Pizza bei uns zu haben. Allerdings fehlt ihm ein kongenialer Mitspieler, der daraus ein Sturmduo macht, welches in der Liga Angst und Schrecken verbreitet. Rosi oder Hugo schafften es bisher nicht, sich neben ihm zu etablieren. Pizza als einzig „echte“ Spitze, mit Marin ist für mich eindeutig keine Idealbesetzung.
Im Mittelfeld ist für mich die enorme Entwicklung von Bargfrede die schönste Personalie der Saison. Unglaublich souverän, wie er quasi von heut auf morgen den Sprung in die erste Elf schaffte. Respekt. Besonders in den letzten Spielen, in denen er fehlte, merkte man dies deutlich, was seinen Wert noch mehr unterstreicht.
Von Özil und Hunt erwarte ich, das sie an die guten Spiele der HR anknüpfen, denn zuletzt war bei beiden sehr viel Leerlauf und Ideenlosigkeit zu beobachten.
Ich gebe zu, meine Erwartungen an die RR halten sich in überschaubaren Grenzen, da sich alte Fehler und Verhaltensweisen wiederholten.
Die Kernfrage wir auch weiterhin bleiben, in wie weit die Mannschaft sich verinnerlicht, dass Einsatzwille, Laufbereitschaft und Leidenschaft die Grundvoraussetzungen für konstant erfolgreichen Fußball sind. Das feine, technische Element ist das sozusagen die Kür bzw. die Veredelung.
Nur mit der spielerischen Komponente werden wir wohl auch in diesem Jahr in der BL keinen Erfolg haben, da die Gegner sich darauf mehrfach bereits eingestellt haben und dementsprechend die Räume eng machen, indem sie uns massiv und tief stehend gegenübertreten.
Sollten wir es schaffen, auch den Kampf anzunehmen, haben wir sicherlich noch alle Möglichkeiten.
Knüpfen wir allerdings zur RR an die zuletzt wenig überzeugenden und teils schläfrigen Auftritte an, werden wir auch in dieser Saison vermutlich nicht viel besser als in der letzten dastehen.
Also, reißt euch zusammen und besinnt euch auf das Wesentliche. Ach ja – und bitte, bitte kein Gerede mehr von irgendwelchen Schalen, egal auf welchem Tabellenplatz man grade steht. Das war in der Vergangenheit bereits schon sehr kontraproduktiv und nicht sonderlich hilfreich.