@Bademeister.

gute Idee...
Dazu muss man über keine Insiderinformationen verfügen. Mehdorn ist Vorstandsvorsitzender, glaubst du ernsthaft, dass solche Entscheidungen hinter seinem Rücken getroffen werden?
Die Strukturen der Bahn kenne ich nicht und kann somit auch nicht sagen, was Mehdorn wissen konnte/musste und was nicht. Grundsätzlich ist es aber definitiv möglich, dass speziell in einem Großkonzern a) Entscheidungen getroffen werden, von denen der Vorstandsvorsitzende nichts weiß, und b) der Vorstandsvorsitzende nicht immer über alle relevanten Informationen verfügt, wenn er Entscheidungen trifft, denn er bekommt die Informationen, auf deren Grundlage er entscheidet, schließlich nicht durch eigene Recherche, sondern in komprimierter Form von den Hierarchiestufen unter ihm, die somit selektieren und gewichten können. Wenn diese Hierarchiestufen die Vorlagen objektiv schreiben, was sie im Sinne des Vorstands tun sollten, weiß der Vorstand für seine Entscheidungsfindung alles, was er wissen muss. Wenn sie aber beispielsweise eigene Interessen verfolgen oder nicht alle Blickwinkel betrachten, ist das nicht gegeben, und der Vorstand muss, im schlimmsten Fall, später für eine Entscheidung gerade stehen, die er, hätte er alle relevanten Informationen gehabt, vielleicht in der Form nicht getroffen hätte.
Bevor mich jetzt hier jemand missversteht - ich bin ganz bestimmt kein Mehdorn-Verfechter und finde es völlig richtig, dass er quasi zum Rücktritt gezwungen wurde, weil die Spionier-Aktionen bei der Bahn (genau wie in jedem anderen Unternehmen) absolut inakzeptabel sind. Deshalb sollte man aber nicht gleich die gesamte Arbeit von Herrn Mehdorn schlecht machen, sondern das Ganze schon etwas differenzierter sehen.
Auch wenn die Bahn in Sachen Service ohne Frage sehr viele Wünsche offen lässt und ich (ohne Auto auf die Bahn angewiesen) mich auch schon über manches Ärgernis beschwert habe, ist doch nicht alles negativ! Wer eine Reise plant und sich ein bisschen organisiert, kann gerade durch die Sparpreise oder Aktionen wie Tickets bei Lidl, Tchibo etc., die es früher überhaupt nicht gab, sehr günstig Bahn fahren (ich war z. B. vor kurzem für den gleichen Preis in Süddeutschland wie vor 12 Jahren und denke, das ist mehr als OK). Auch in Sachen Bahnhofsumbau ist gerade in den letzten Jahren sehr viel passiert, und da frage ich mich schon, ob das auch so gekommen wäre, wenn es keine Börsenpläne gegeben hätte, sondern die Bahn weiter als Monopolist und Staatsbetrieb mit Beamtenmentalität geführt worden wäre.