Dass nun sowohl im Spieltagsthread als auch in Mannschaftsthemen schon wieder so viele Kontra - Thomas Schaaf oder Kontra - Klaus Allofs - Diskussionen entbrannt sind, hilft Werder wenig.
Die Fragen sind: Was kann dem Trainer vorgeworfen werden, was den Vereinsoberen, was dem gesamten Umfeld? Und was machen sie anders oder besser?
Fangen wir bei den Fakten an:
2004/2005 Werder auf Schalke: 1:2 verloren, ausgeglichenes Spiel, Werder optisch besser, streckenweise feldüberlegen, Schalke kontert mit Ailton zum 2:1 und gewinnt ziemlich glücklich.
2005/2006 Werder auf Schalke: 1:2 verloren, Werder klar feldüberlegen. Schalke aggressiv mit vielen Fouls, kauft Werder damit teilweise den Schneid ab. Frings gelb-rot, zwei schlimme Patzer von Naldo nutzt Kuranyi und trifft für S04, im Grunde ein Hohn angesichts des Spielverlaufs
2006/2007 Werder auf Schalke: 0:2 verloren, Werder mit viel Ballbesitz, optisch bessere Spielanlage, aber Schalke kontert gnadenlos, hat allein 6(!) Chancen nach Kontern, die ab der Mittellinie gegen aufrückende Bremer laufen.
2007/2008 Werder auf Schalke: 1:1, ausgeglichen, Werder mit mehr Ballbesitz, vielen Torschüssen, Sanogo versemmelt zwei 100%ige, Schalke kontert im eigenen Stadion und bestimmt so das Spiel. Das 1 : 0 nach Freistoß der Schalker aus dem Halbfeld. Obwohl jeder weiss, dass S04 in 70% der Fälle nur so zu Toren kommt.
2008/2009 Werder auf Schalke: 0:1, ausgeglichen, Werder in der 1. HZ etwas besser, in der 2.HZ feldüberlegen. Deutliches Chancenplus, deutlich mehr Torschüsse, viel mehr Ballbesitz. Das 1 : 0 nach Freistoß der Schalker aus dem Halbfeld.
Obwohl jeder weiss, dass S04 in 70% der Fälle nur so zu Toren kommt.
Nehmen wir vergleichbare Fälle:
1.)
2006/2007 Werder in Stuttgart: 1 : 4 verloren, zwei Kontertore schon in den ersten 15 Minuten nach Einwürfen(!?;

). Werder dominiert zweite Hälfte, spielte VFB phasenweise an die Wand, Hildebrand hält Weltklasse gegen Borowski, Frings, Diego, Klose. Zwei lange Bälle, als alle Bremer bis auf Fritz (!?

) vor Stuttgarter Strafraum, bringen das dritte und vierte Tor.
Mitentscheidend für die Meisterschaft.
2007/2008 Werder in Stuttgart: 3 : 6 verloren, 40 Stunden nach UEFA-Cup spielt Werder in den ersten 15 Minuten mit VFB Katz und Maus, geht 1:0 in Führung. Verwalten? Nein. Läuft trotz der Führung und Kräfteverschleiß in zwei Konter innerhalb 13 Minuten (?!

). Danach hoher Aufwand, Werder läuferisch und spielerisch hoch überlegen, das 2:2 gelingt endlich. Halten? Weit gefehlt. Nochmal zwei Konter innerhalb von 80 Sekunden und Bremen liegt 2:4 hinten (!?;

). Der Rest erübrigt sich.
2008/2009 Werder in Stuttgart: 1 : 4 verloren, Stuttgart gewohnt aggressiv, lässt Werder kommen. Werder fällt gewohnt darauf rein. Konter ab der Mittellinie, Gomez vergibt (15.). Nochmal Konter ab der Mittellinie, Khedira trifft (21.) zum 1:0. Und so weiter und so fort.
2.)
2007/2008 1. Spiel in Bochum 2:2, Rückrundenauftakt 1:2 - erster Sieg von Bochum in Bremen
2008/2009 1. Spiel in Bielefeld 2:2, Rückrundenauftakt 1:2 - erster Sieg von Bielefeld in Bremen
Diese Spiele verliefen alle nach gleichem Muster.
3.)
CL 2007/2008 Werder schießt Bielefeld drei Tage vorher in Grund und Boden (8:1), obwohl`s schon 4:1 nach 30 Minuten stand, weiter nach vorne, weiter viel Laufen. Piräus kommt, ist völlig unterlegen, Werder dominiert 70 Minuten, verpasst dem 1:0 nachzulegen, Kraft fehlt dann, Olympiakos kontert glücklich, gewinnt 3:1. CL-Aus.
CL 2008/2009 Werder schlägt Hertha drei Tage vorher 5:1, macht in der letzten halben Stunde weiter Betrieb, obwohl es nach 60 Minuten 4:0 stand. Athen kommt, fussballerisch unterlegen, aber sehr aggressiv, blamiert Werder in der 2 HZ in allen Belangen. CL-Aus.
4.)
1999- 2008 Sommervorbereitungsspiele katastrophal, Winterturniere meist schlecht
5.)
1999 - 2008 Erste vier Saisonspiele schlecht.
6.) Start in die Rückrunde:
Von 1998 - 2008 (ausser 2003/2004) zwischen den Spieltagen 18 und 26 regelmässig gefährliches Stottern mit extrem hohen Punktverlusten, immer die schlechteste Saisonphase..
... da gäbe es eine Liste, die endlos lang fortgeführt werden könnte.
Stets das Ergebnis:
Lerneffekt = 0, Konsequenzen = 0, Gegnerorientiertes Verhalten = 0, richtiges Einteilen der Kräfte = 0, der Wahrscheinlichkeitsrechnung zur Folge
stirn
ist die - Fehleranalyse = 0
An alledem trägt die Mannschaft mMn höchstens 25% Schuld, weil sie vielleicht durch Inkompetenz auf dem Platz dazu beiträgt. Zumal es ja unterschiedlich besetzte Mannschaften waren, denen gleiche Fehler unterliefen. Mehr sind es die, die Richtlinien und geplante Vorgehensweisen ausgeben, demzufolge der Trainerstab. Dieses Team wiederum kann das auch nur so lange machen, wie Management, Vorstand und Aufsichtsrat sie gewähren lassen. Die Entscheidungsträger jedoch müssen nicht handeln, wenn das Endergebnis stimmt(und das war nunmal 5mal unter den ersten Drei) bzw. Erfahrungen aus der Vergangenheit sie lehren, dass es anders schlimmer kommen kann. Mit letzterem meine ich:
In den 70ern versuchte Werder den Sprung zum Spitzenclub zu schaffen, indem viel Geld in die Hand genommen wurde, indem ein Weser-untypisches Verhalten ein unberechenbares Tohuwabohu schuf, verschiedene Trainer gaben sich die Klinke in die Hand,teure Spieler ohne Identifikation zum Verein scheiterten usw. Letzten Endes der Gang in die zweite Liga. Der Verein lernte. Denn danach kam die Rehagel/Lemke - Ära, wo es zwischendurch immer mal Raus-Rufe gab, dafür aber von Vereinsseite demonstrative Vertragsverlängerungen. Ich weiss noch, dass Otto während der Saison 90/91, wo er nur alles auf den Pokal setzte, oder 1991/92 arg in der Kritik stand wegen seiner tümlichen Art und Weise, es hätte sich abgenutzt und all diese Phrasen- am Ende stand zumindest der Europapokal-Sieg. 1993 wurde er Meister. 93/94 das gleiche Spiel, aber Otto ging 95 als Fast-Meister (die nur durch Andi Möller`s Schwalbe in Dortmund gegen KSC nichts wurde). Dann kam die Zeit 95-99 mit vier Trainern und dem Fast-Abstieg. Als TS die Truppe vor der 2.Liga rettete, anschließend den Pokal holte und in der darauffolgenden Hinrunde 99/00 oben mitspielte, war eigentlich klar, dass Werder eine neue Ära sah und sich ähnlich wie bei Rehagel Erfolge erhoffte. Was letztlich klappte.
Im Präsidium von Werder Bremen sitzen Leute, die all diese Zeiten erlebt haben, das Für und Wieder, und werden genau deshalb sicherlich als letztes einen Trainer/Managerwechsel anstreben. Weil sie die andere Seite der Medaille kennen.
Auch wenn Schaaf und Rehagel völlig unterschiedliche Spielphilosophien verkörpern, so ist die Philosophie des Vereins die gleiche.
Wenn wir Schaaf nun vorwerfen, dass es immer die gleichen Fehler sind, was ja auch meist stimmt oder seine Ansichten von der Spielweise nicht variiert, müssen wir auch fragen: Welcher Trainer macht das?
Ein Toppmöller dachte auch stets offensiv, Frankfurt und Leverkusen spielten da durchaus schönen Fussball - aber er war nirgendwo lange. Wie auch Daum, der seit der glücklichen Meisterschaft mit Stuttgart 92 vergeblich versuchte, zu beweisen, dass das keine Eintagsfliege war. Vorher mit Köln und später mit Leverkusen wurde er mit der ,,Offensivphilosophie" auch jeweils 2. oder 3.
Trappatoni oder Stevens traten mit ergebnisorientiertem Spiel an, um auf diese Weise Titel zu holen, mussten sich aber meist nach kurzer Zeit schwere Vorwürfe mangelnder Kreativität gefallen lassen und gingen irgendwann - ohne den grossen Wurf.
Selbst Magath als Trainertyp, der beide Seiten verkörpert, im Sinne des Ergebnisses wie auch des Fussballs als Unterhaltung, musste irgendwie immer zu schnell wieder gehen.
Bei Schaaf fällt das nur mehr auf, weil er lange da ist. Gegenbeispiele wären Finke oder Winfried Schäfer die trotz langem Amtierens immer punktuell Veränderungen brachten. Eben Ausnahmen von der Regel. Aber TS ist nun einmal so zu nehmen und fertig.
Unter dem Strich ist es nicht der Trainer, nicht die Mannschaft, sondern die Philosophie des Vereins. Und der hat mit langjährigen Trainern/Managern eben die besten Erfahrungen gemacht.
Werder Bremen wird irgendwie immer ein Verein bleiben, der zwischen Metropole und Provinzklub wandelt. Und dazwischen meist das Beste daraus macht. Es werden nie Rahmenbedingungen wie in München, Hamburg, Köln Schalke oder Dortmund vorhanden sein, weswegen sich Werder entscheiden und genau überlegen muss, auf welchen Pfaden der Verein wandeln will oder nicht. Ich bin auch sehr kritisch, aber hier sollten wir ihnen vertrauen, dass sie in der Lage sind, das abzuwägen. Zudem gibt es wenig Alternativen.
Diese Saison ist weg. Aber ohne EC nächstes Jahr durchzustarten, traue ich der Mannschaft zu, auch mit Thomas Schaaf und ohne Diego oder andere, die vielleicht gehen.
Als Völler 1987 ging, hiess es Werder geht unter - und wurde Meister 88, mit Riedle. Als Herzog, Bode, Eilts aufhörten, hiess es - Werder Abstiegskandidat. Dann kamen Baumann, Pizarro, Ailton, Frings, Ernst. Später Micoud. Und vier Jahre lang unter die ersten 7 (auch das nur wegen schlechter Rückrunde), dann 4 Jahre CL. Pizarro ging, Klasnic kam. Ailton ging, Klose kam. Das ist das, was Werder auszeichnete. Nicht teure Vertragsverlängerungen.