Man sollte die 60 Mio. anlegen, sparen und ein vernünftiges Konzept für eine Fußballarena an einem anderen Standort erarbeiten. Aber das bleibt wohl nur ein frommer Wunsch.
Man kann die 60 Mio. nicht anlegen, da Werder bzw. die Stadiongesellschaft keine 60 Mio. Euro übrig haben.
Der Stadionumbau wird über Kredite finanziert. Die Rückzahlung läuft über einen Tilgungsplan, der u.a. Mehreinnahmen durch Logen, Catering, überdachte Sitzplätze und die Photovoltaik-Anlage vorsieht. Nichts zu tun bedeutet, dass Werder bzw. die Stadiongesellschaft auf diese Mehreinnahmen verzichten müssten. Ohne Mehreinnahmen geben die Banken aber auch keine Kredite.
Eine Erweiterung der Zuschauerkapazität wäre ohne Zweifel sinnvoll, da die Nachfrage dafür da ist. Nur ist der dritte Rang leider nicht zu finanzieren. Das hat statische Gründe. Da das Weserstadion nicht auf einen dritten Rang ausgelegt ist, müsste man nicht nur das Dach komplett abtragen, sondern darüber hinaus Unmengen an hochwertigem Stahl verbauen. Ein Neubau an einem anderen Standort wäre noch teurer, von der ungeklärten Frage der Verkehrsanbindung einmal abgesehen.
Ein anderes Beispiel: Bei Bayern und Schalke sind die Heimspiele (fast) immer ausverkauft. Die Nachfrage für 10.000 oder 20.000 weitere Plätze ist da. Trotzdem stockt man das Stadion nicht um einen zusätzlichen Rang auf. Denn auch auf Schalke oder in München wäre eine Erweiterung zwar bautechnisch möglich, aber mit einem so großen Aufwand verbunden, dass es sich nicht finanzieren würde.
Deshalb kann ich die Entscheidung, auf den dritten Rang zu verzichten, schon nachvollziehen. Besser man zieht jetzt die Reißleine als dass der Verein in einigen Jahren in große Schwierigkeiten gerät (siehe Kaiserslautern, siehe Dortmund).
Dass in der Kommunikation und auch in der Planung einiges schief gelaufen ist, sehe ich genauso. Das Planungsbüro hat sich mehrmals korrigieren müssen. Dass die Stahlpreise so ausufern würden, war so nicht vorhersehbar. Aber das Planungsbüro hat sich auch hinsichtlich der Durchführung des Bauvorhabens korrigieren müssen. Das finde ich amateurhaft und ich hoffe, dass die jetztige Planung gut durchdacht ist und bei der Umsetzung nicht solche Probleme auftreten wie z.B. in Leverkusen. Dort hat man erst jetzt gemerkt, dass ein Hotel wegen der Bauarbeiten schließen muss.