Das Fassungsvermögen im Heimbereich hat sich durch den flexiblen Gästesektor aber erhöht. Früher passten immer nur 38.000 Heim-Fans ins Stadion. Gegen Lautern und Freiburg kamen nun etwa 39.000 Heim-Zuschauer und das Weserstadion war beide Male noch gar nicht ausverkauft. Das macht bei dem hohen Dauerkartenanteil schon eine Menge aus.Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass sich - trotz der Mehreinnahmen aus den Logen und Stadionvermarktung - dieser Umbau wirtschaftlich rentiert. Am Ende hat das ganze ja um die 80 Mio kostet, wenn die kolportierten Zahlen alles so stimmen. Die Kapazität ist nahezu gleich geblieben.
Die Logenplätze sind aber finanziell am bedeutendsten. Allein durch die 320 Logen-Plätze in der Westkurve erwirtschaftet der Verein höhere Einnahmen als durch den kompletten Stehplatzbereich in der Ostkurve (7.800 Stehplätze). Diese Entwicklung mag man als Fan bedauern, sie ist aber für die Finanzierung von Stadionumbauten von enormer Bedeutung. Da musste Werder was tun, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Denn erstens hatte Werder zu wenig VIP-Plätze und zweitens genügten die VIP-Bereiche in der Ost und in der Süd nicht mehr dem heutigen Standard. Vor dem Umbau verdiente Werder etwa 5 Mio. mit VIP-Plätzen und der HSV etwa 20 Mio (war mal in einem Zeitungsbericht zu lesen). Durch den Umbau dürfte sich diese Differenz von 15 Mio. Euro erheblich verkleinert haben, auch wenn der HSV natürlich weiter vom Standort (viele Unternehmen) profitiert.Allerein Logenplätze sind hinzugewonnen worden. Die wirklichen Mehreinnahmen erreicht Werder vielmehr durch die Anpassung der Eintrittspreise, die ja im Schnitt vergleichsweise immmernoch moderat sind.
Was die Eintrittspreise angeht: Im alten Stadion hätte kein Zuschauer 38 Euro für einen Platz in der Westkurve, weit entfernt vom Spielfeld und mit extrem schlechter Sicht, gezahlt. Nach einer so durchwachsenen Saison wie in der letzten wären selbst zu den günstigen alten Preisen keine 39.000 Werder-Fans zu Heimspielen gegen Kaiserslautern und Freiburg gekommen. Weil eben gerade in der Westkurve die Sicht, die Entfernung zum Spielfeld und der Komfort (sanitäre Anlagen, usw.) nicht mehr den heutigen Standards genügten.
Gladbach hat vor 9 Jahren gebaut. Da waren die Baupreise erheblich günstiger. Inzwischen wäre der Borussen-Park als Neubau auch deutlich teurer. Wie gesagt: In Leverkusen und in Hoffenheim hat man mit Kosten von 50 Mio. Euro kalkuliert und am Ende wurden es jeweils über 100 Mio. Euro.Zudem richtet sich mein Blick eben nicht wirklich Richtung Sinsheim oder Leverkusen, sondern in Richtun Gladbach.![]()
Außerdem hat der Borussen-Park viel weniger Logenplätze, keine Photovoltaikanlage (generiert Einnahmen durch Sponsoring und staatliche Förderung), keine Büroräume (generiert Mieteinnahmen), nicht so große Umlaufflächen (bringt höhere Catering-Erlöse), keine so großen Flächen beispielsweise für die Werder-Fan-Welt (Merchandising-Erlöse), kein im Stadion integriertes Leistungszentrum, usw. Das muss man im Finanzierungskonzept auch alles berücksichtigen.
Ich sage nicht, dass es zu dem Umbau keine Alternative gab. Man hätte sich z.B. auch mit einer abgespeckten Version des Umbaus zufrieden geben können (z.B. kein Neubau der Ostkurve, die Kapazität durch die dringend notwendige Erweiterung der VIP-Bereiche in Nord- und Südtribüne wäre dann etwas gesunken). Dann hätte man zwar geringere Einnahmen, aber auch geringere Zins- und Tilgungsraten gehabt. Es wäre dann aber auch ein unvollendeter Umbau gewesen. Ein "Dritter Rang" oder ein "Neubau" hätten sich meiner Meinung nach aber nicht gerechnet. Weder heute noch in 20 Jahren.
Das Problem bei Werder ist nicht das Stadion, sondern der Umstand, dass die Mannschaft etwa doppelt so hohe Personalkosten verschlingt wie die Teams der Europacup-Teilnehmer aus Mainz und Hannover. Und die Personalkosten sind nun mal der größte Kostenfaktor. Da muss Werder spätestens zur nächsten Saison radikal abspecken, wenn man sich in dieser Saison nicht überraschend für die CL qualifiziert.
