[...]Man kann behaupten, diese Personalproblematik sei nur eine Momentaufnahme. Doch das stimmt nur zum Teil. Tatsächlich ist es eher ein schleichender Prozess, dem Werder ausgesetzt ist. Schon in der vergangenen Saison gab es eklatante personelle Engpässe, als Höhepunkt gilt das Champions-League-Spiel an der White Hart Lane bei Tottenham Hotspur. Schaaf beglückte in der Not Dominik Schmidt, Felix Kroos, Onur Ayik und Lennart Thy mit einem Einsatz in der Königsklasse. Das alles ist noch gar nichts so lange her: Heute werden es exakt 14 Monate sein.
Geändert hat sich seitdem viel. Werder ist kein Champions-League-Klub mehr, Werder muss ohne Europa und das viele Geld auskommen, das es dort zu verdienen gibt. Die wirtschaftlichen Zwänge schlugen ungebremst durch auf den aktuellen Kader. Neuzugänge hat sich Werder nur noch mit Einschränkungen leisten können, der Kader wurde ausgedünnt und wird notfalls mit Nachwuchskräften aufgestockt, wie jetzt in Kaiserslautern. Spitzenkräfte gibt es noch. Claudio Pizarro, Naldo, Tim Wiese, Clemens Fritz zum Beispiel. Bei den meisten muss man ein Noch hinzufügen.
In Kaiserslautern war wieder zu sehen, was geblieben ist nach den fetten sechs Jahren in Champions und Europa League. Werder tat sich schwer gegen den Drittletzten der Liga, und zwar spielerisch. Das Kellerkind war kombinationsfreudig, mutig, sicher, der Gast mit dem internationalen Anspruch wieder einmal verzagt, ungenau, fehlerhaft. Am Ende durften sich die Bremer glücklich schätzen mit dem einen Punkt, wo das 0:0 doch eigentlich ein doppelter Punktverlust war. Die verantwortlichen Kräfte bei Werder aber beanspruchten die Deutungshoheit mit einem komplett konträren Ansatz für sich. "Ich denke, dass wir die bessere Spielanlage hatten", sagte beispielsweise Werder-Chef Allofs in seiner sehr exklusiven Einschätzung, "gefühlt waren wir die bessere Mannschaft."
Dabei war Kaiserslautern vielleicht noch kämpferisch eine Nummer besser als viele Hinrundendarbietungen auf fremden Plätzen. Spielerisch dagegen ist nicht viel geblieben von dem Tor- und Tempofußball, der Werder einst ausgezeichnet hat.[...]