Ist das wirklich nur darin begründet oder hat es ggf. auch andere Ursachen? Denn es ist schon ein wenig überraschend, dass die dänische Regierung bei Corona der Bevölkerung gegenüber eine eher nachsichtige Politik betreibt. Überraschend deshalb, weil die von Mette Frederiksens geführte Regierung z.B. in der Migrations- und Einwanderungspolitik sehr restriktive Maßnahmen traf.
Sieht man sich die politischen Verhältnisse in Dänemark etwas genauer an, ist zu erkennen, dass die Mehrheitsverhältnisse dort sehr instabil sind. Die Sozialdemokraten stellen eine Minderheitsregierung, unterstützt von Linksliberalen, Sozialisten, Ex-Kommunisten und gelegentlich auch von Rechtspopulisten. Diese Minderheitsregierung rief im September 2021 den "Freedomday" aus. In Anbetracht des bevorstehenden Herbstes eine auch hier im Forum viel diskutierte Entscheidung . Eine Entscheidung, die gerade einmal nur 2 Monate vor den Kommunalwahlen in Dänemark fiel. Zufall? Wohl kaum.
Dieses wahltaktische Geplänkel half der Minderheitsregierung jedoch nicht. Im Gegenteil, denn diese wurde bei den Kommunalwahlen im November 2021 "abgewascht"
(hier nachzulesen) . Ausgerechnet n dieser "schlimmsten Krise ihrer Amtszeit" (TV-Sender DR) musste die Regierung um Mette Frederiksen Mitte Dezember 2021 auch noch den "Freedomday" widerrufen. Demzufolge liegt die Vermutung nahe, dass nun die Abschaffung der Corona-Maßnahmen in Dänemark der Regierung auch dazu dient, um Druck aus dem innenpolitischen Kessel nehmen zu wollen.
Übrigens: in Großbritannien wurden die Corona-Maßnahmen auch für beendet erklärt. Dort steht der Tory-PM Boris Johnson u.a. wegen der Folgen des Brexits und seiner Partys in Corona-Zeiten ebenfalls unter großem innenpolitischem Druck. Zufall? Wohl kaum.