Wer Unterstützung sucht, bekommt diese auch.
Dass diese Unterstützung nicht als solche wahrgenommen wird, hat viele verschiedene Ursachen.
Um nur mal drei oder vier aufzuzählen, die mir in meinem Berufsleben immer wieder begegnet sind, nicht erst seit Einführung des SGB II 2005:
Psychisch erkrankte ohne Krankheitseinsicht, ist ein ganz schwieriges Thema, fallen häufiger mal durch alle sozialen Netze;
artverwandt damit Alkohol- oder Drogenabhängige (die Unterscheidung ist hier: legale/illegale Substanzen), die noch nicht bereit sind, sich mit ihrer Sucht auseinanderzusetzen; dann kommen schon die, die mit staatlicher Unterstützung verbundene Mindestanforderungen nicht erfüllen können oder wollen und dann - und das ist kein sehr kleiner Prozentsatz, die, denen die verfügbare Unterstützung nicht ausreicht - auch ein schwieriges Thema (Verantwortungsabgabe einerseits/Anspruchshaltung andererseits versus niedrige staatliche Unterstützung wegen des Abstandsgebotes zu entlohnter Arbeit; welches seit der Installation des Niedriglohnsektors zunehmend pervertiert wird. Aber grundsätzlich sollte in DE niemand verhungern müssen; immerhin hat 'Gemeinsinn' (auch bekannt als Solidarität) die Tafeln quasi als Ersatz für staatliche Unterstützung begründet...
Das ließe sich noch fortführen - und um den Bogen wieder zu kriegen:
Diese Menschen mit ihren jeweils traurigen und/oder bemitleidenswerten Schicksalen gehören - ganz im Sinne einer neoliberalen Wirtschaftsordnung zum sogenannten
Abschreckungspotential - die Botschaft ist klar: Geh' arbeiten, sei fleißig (schwimme mit dem Strom), soder willst du sein wie 'die da'? Ausgegrenzt, benachteiligt, verarmt, überschuldet, später evtl wohnungslos, dann obdachlos?!
Diese immer deutlich werdende wirtschaftliche und soziale Ungerechtigkeit ist eine der Triebfedern für junge Menschen sich z.B. bei FFF zu engagieren; wer die seit den frühen 80er Jahren schleichende Einschränkung von Bürgerrechten miterlebt und den Wandel hin zu einer wertkonservativen, neoliberalen,shareholder-value-orientierten Welt, die von Meßbarkeit, (ökonomischen) Zahlen, dem Wunsch nach weniger gut gebildeten verfügbaren Arbeitskräften und einer voranschreitenden sozialen Kälte geformt wird, engagiert sich möglicherweise in - hier oft pauschal als 'links' betitelten - Gruppen, die einfach andere Vorstellungen haben und andere Ziele.
Das ist legitim, schließlich haben wir dem Grunde nach eine freiheitlich-demokratische Grundordnung.
Alles, von 'links' wie von 'rechts', was auf die Abschaffung der FDGO abzielt, ist m.E. grundsätzlich verfassungswidrig. Und genau hier sehe ich zwischen dem, was linke Aktivist':innen wollen und den Zielen, die (Neo)Nationalsozialisten, Rechtsextreme, Reichsbürger, Rassisten, Antisemiten und teilweise Quer- bzw. Quatschdenkende verfolgen, erhebliche Unterschiede. Während in meiner Wahrnehmung viele politisch als 'links' eingeordnete 'Kräfte', Gruppen und Personen eine Änderung [innerhalb des 'Systems'] wünschen/wollen/verfolgen, kommt vor allem aus der 'rechtśbraunen' Ecke ganz klar das Signal: Abschaffung der Verfassung, Abschaffung der BRD, 'Machtübernahme'.
|Einschub|
Um es klar zu sagen: Meiner Meinung nach kann nichts eine Gewalttat gegen Menschen rechtfertigen [Ausnahme: Notwehr].
Ich kann keine Gewalttaten gegen Menschen gutheißen.
|Ende Einschub|
Was Quer- und Quatschdenkende m.E. von Anfang an versäumt haben: Sich von den politisch etablierten Sprachrohren des rechtsextremen Spektrums und vielen 'Schwurblern (Verschwörungsideologen, freiberuflichen Esoteriker:innen und anderen 'Spinnern' mit viel mehr Meinung als Ahnung) abzugrenzen, stattdessen haben sie die Unterwanderung der Corona-Maßnahmen-Kritiker hingenommen, teilweise sogar begrüßt.
Der schleichende Prozess, mit dem demokratiefeindliche Kräfte sich auch in dieser Bewegung nach und nach immer mehr in die bürgerliche Gesellschaft hineingedrängt, -gezwängt haben, verursacht mir Abscheu und Übelkeit - und das begann nicht erst mit den mörderischen (!) Tagen von Rostock-Lichtenhagen.
Was Quer- und Quatschdenkende ebenso wie etliche Wähler bestimmter Parteien aus drem rechten Spektrum nicht realisieren, teils auch nicht realisieren wollen: Seit Jahren gibt es einen informellen Feldzug bestimmter ausländischer 'Interessengruppen', denen sehr an einer Destabilisierung der demokratischen Gesellschaften in Mitteleuropa gelegen ist - und sie erzielen einen Erfolg nach dem anderen: Ungarn, Tschechien, Polen sind nur drei Beispiele dafür, wie junge Demokratien aus einer Vielzahl von Gründen und einer Vielzahl von vielen, vielen kleineren und größeren Einflussnahmen auf einen zunehmend undemokratischen Weg geraten sind.
Die EU zu schwächen, damit sie mehr mit sich selbst beschäftigt ist; Deutschland zu schwächen, indem es mit inneren gesellschaftlichen Konflikten beschäftigt ist - das dient ganz bestimmten Interessen.
Wer sich zu diesen Themen aus unterschiedlichen Quellen informiert (statt vielleicht Titelzeilen einer bekannten Boulevard-Zeitung zu inhalieren), wird nicht umhin können, da bin ich mir sicher, solche Abläufe/Strukturen/Absichten zu erkennen.
Und das ist der Punkt, an dem ich mit Leuten, die statt sich Ahnung (Wissen, Infos, Medienkompetenz) zu verschaffen, lieber ihre (oft egoistisch gefärbte) Einzelmeinung vor sich hertragen und sich emotionalisieren lassen (Wut, Empörung, Ärger - das ist viel 'sexier' als Wissen, Fakten, Sachlichkeit; es ist in Einzelfällen aber auch tödlicher!) nicht mehr diskutiere. Ich bin bei solchen Menschen einfach nur noch
mütend (müde+wütend).
Keep calm, wash your hands - and trust science.
Ja, Wissenschaft ist oft auch mal widersprüchlich. Es gab zu Beginn der Pandemie so gut wie keine wissenschaftlichen/medizinischen Erkenntnisse; auch bekannt als 'schlechte oder fehlende Datenlage'. Das ändert(e) sich, manchmal von heute auf morgen. In vielerlei Hinsicht wird unter dem Deckmantel von Wissenschaft eindeutig Desinformation betrieben (bspw. Wodarg, Bakhdi).
Es ist an jedem/jeder Einzelnen, sich über die eigene Meinung hinaus, über das eigene, teilweise miese Gefühl (Empörung, Ärger, Ohnmacht, Wut) hinaus ein evidenz- und faktenbasiertes Bild der jeweils aktuellen Lage zu verschaffen. Das erfordert einerseits Vertrauen in bestimmte Informationsquellen und gleichzeitig ein gewisses Maß an Medienkompetenz sowie die Bereitschaft, sich selbst in seiner Haltung zu reflektieren.
Nicht, die eigene Meinung aufzugeben, aber sie über 'Das ist eben meine Meinung' hinaus zu fundieren. So funktioniert grundsätzlich gesellschaftlichr Diskurs.
Bewege ich mich dagegen lieber auf dem Niveau von 'Idiocracy', sollte ich vielleicht, nur ganz vielleicht, dem bekannten Motto von D. Nuhr folgen [den ich nicht wirklich gerne zitiere]:
"Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten“.
So, meine 5 Cents zur Debatte.