Ich fand Pizarro immer gut, aber ich glaube dass wir nach Özils Abgang in der Offensive fast ein wenig unter ihm "gelitten" haben. Nicht so sehr, weil er schlecht war oder weil er zu wenig getroffen hat, sondern weil unser ganzes Offensivspiel zu sehr auf ihn zugeschnitten war, er zu viele Bälle zieht. Das hindert teilweise andere Offensivspieler an der entfaltung. Als Özil noch da war, war es viel stärker ein Zusammenspiel.
Ich stimme Dir zu, allerdings ist dieses Problem bei Werder nicht neu. Pizarro ist da nicht der erste.
Liegt vor allem daran, dass Werder unter Schaaf keine flache Hierarchie im Teamspiel hinbekommt, was mit der viel zu losen "Handlungsvollmacht" für alle Beteiligten zusammenhängt. Wenn dann der beste oder gar deutlich beste Einzelspieler eher ein hochbegabter Individualist, als ein intelligenter Mannschaftsspieler ist, hast Du eben exakt diesen Effekt, den Du/ Ihr beschreibt.
…. weil er schlecht war oder weil er zu wenig getroffen hat, sondern weil unser ganzes Offensivspiel zu sehr auf ihn zugeschnitten war, er zu viele Bälle zieht.
Jetzt wird dem (leider) einzig brauchbarem in der Offensive, aus dem unsere Offensive im Grunde überhaupt bestand, vorgeworfen, daß das Spiel also auf ihn zugeschnitten war.
Interessant hier vor allem, dass ihr beide, wie auch Campino, recht habt (jedenfalls mMn), aber aneinander vorbei redet und Euch deshalb eigentlich unsinnig aufzieht.
Denn genau das zeigt die Stärken, aber vor allem auch krass die Schwächen an der Schaaf´ schen Herangehensweise auf. Es fehlt die Balance zwischen individueller Förderung - und Struktur im Mannschaftsspiel als Erfolg taktischer, strategischer und systemischer Schulung.
Sein Individualprinzip greift nur dann, wenn die oder der (beste) Spieler (Micoud, Özil) in einer solcherart dominierten Ausrichtung ihre Stärken gleichmäßig auf Handlungsschnelligkeit, Spielverständis-/ Übersicht und speziell Uneigennützigkeit verteilen. Sind deren Stärken jedoch eher individuell-intuitiver Natur, hast Du keine Mannschafts- und Spielentwicklung und machst Dich extrem von eben diesen individuellen Fähigkeiten Einzelner abhängig.
Es ist doch klar, wenn derjenige, der den anderen zwar rein fußballerisch überlegen ist, dafür aber eher weniger über die im modernen Teamfußball erforderliche spieltaktische Intelligenz verfügt, dann wird er immer zuallererst die Bälle anziehen wie ein Magnet, was damit zusammenhängt, dass a) er Verantwortung übernehmen will und soll, b) die Mitspieler Verantwortung mindestens im Unterbewusstsein weitergeben oder gar dazu gezwungen sind und c) in Folge von a) und b) die Gesamtqualität des eigenen Spiels bergab geht. In diesem Fall überragt der Einzel-, nicht der Mannschaftsspieler.
Das ist der Kasus Knacktus - dass Schaaf unter solchen Voraussetzungen dennoch den gleichen Stiefel durchzieht, kreide ich vor allem ihm als grob fahrlässigen Fehler an.
Unter diesen Umständen sehe ich z. Bsp. das Elia-Interesse sehr kritisch.